Sonderstempel zum Gänsekrieg in Backnang

400 Jahre Backnanger GänsekriegDie Biene erhält den Mann, der die Biene erhält. So heißt es sinngemäß in einem alten Sprichwort. Aber was ist mit der Frau? Im kleinen württembergischen Städtchen Backnang war es zu Beginn des 17. Jahrhunderts vor allen Dingen die Gans, die den Frauen zur Verbesserung des Auskommens verhalf. Wer sich kein Vieh leisten konnte, hielt sich eben Federvieh. Die schnatternden Zeitgenossen kümmerten sich selbst um ihre Nahrung und schenkten ihren Haltern Federn und am Ende noch einen kostbaren Braten. Fleisch war gerade bei den ärmeren Bevölkerungsschichten eine absolute Seltenheit auf dem Speiseplan. Doch regten sich in der kleinen Stadt bald die Gemüter der größeren Landwirte gegen die ausgiebige Kultivierung der Gänsezucht. Denn die Gänse, so lauteten die Vorwürfe, richteten zunehmend Schaden auf den Feldern und in den Gemüsegärten an. Nachdem sich die Beschwerden bei den Stadtoberen häuften, beschlossen Bürgermeister, Gericht und Rat im Jahre 1606, die Haltung von Gänsen in Backnang zu verbieten. Dies löste natürlich heftigen Protest aus. Eine kleine Gruppe von Frauen schrieb sogar eine offizielle Beschwerde an den Herzog des Landes. Für sich genommen war das allein in jener Zeit eine ziemliche Ungeheuerlichkeit und ein Affront gegenüber dem Magistrat. Herzog Johann FriedrichHerzog Johann Friedrich antwortete nun mit einer recht diplomatisch geratenen Note, die beiden Parteien das Gefühl vermittelte, im Recht zu sein. Die Stimmung wurde gereizter, als der Rat begann, das Federvieh zu konfiszieren, und einige der besonders lautstarken Gänsezüchterinnen sogar vorübergehend in Haft nahm. Doch das vom Bürgermeister als „widerspenstig und halstarrig“ beschimpfte „Weibervolk“ ließ sich nicht einschüchtern. Ganz im Gegenteil: Der Konflikt eskalierte in den folgenden Jahren derart, dass die Geschehnisse als „Backnanger Gänsekrieg“ in die Annalen eingingen. 1612 hatte der Landesherr schließlich genug von dem Treiben seiner streitbaren Untertanen und er sprach mit der sogenannten „Backnanger Gänseordnung“ ein Urteil zugunsten der Frauen der Stadt aus. Fortan war das Halten von Gänsen mit herzoglichem Segen erlaubt, was der Bürgermeister zähneknirschend akzeptieren musste.

Der Roman zur GeschichteHeute ist dieser Streit eine Art immaterielles Wahrzeichen der kleinen Stadt geworden und vor dem Rathaus präsentiert sich stolz der Gänsebrunnen zu Ehren der kämpferischen Damen. 400 Jahre Gänseordnung war dem Briefmarkensammlerverein Backnang e. V. Anlass genug, sich für einen Sonderstempel zu diesem bemerkenswerten Jubiläum einzusetzen. Am 23. Juni wird dieser in der Marktstraße in Backnang präsentiert. Wer tiefer in diese Geschichte eintauchen möchte, dem sei gesagt, dass nicht ganz zufällig in der Nähe eine Buchhandlung ist, die seit dem Frühjahr das Buch „Gänsekrieg“ von Cornelia Mörbel vertreibt, einem historischen Kriminalroman aus der Backnanger Vergangenheit. Dieser ist erschienen im Tübinger Silberburg-Verlag, der sich auf regionale Literatur spezialisiert hat (ISBN 978-3-8425-1184-2).

Für alle, die den Weg ins schöne Württemberg nicht persönlich zurücklegen können, ist die Stempelstelle in Weiden da, um Ihre Belege mit philatelistischen Stempeln zu versehen. Die Stempelnummer lautet: 11/196. Anschrift: Deutsche Post AG, Niederlassung Philatelie, 92627 Weiden (Pakete: Franz-Zebisch-Str. 15, 92637 Weiden). Porti: Postkarte: 45 Cent (Deutschland), 75 Cent (Ausland); Standardbrief: 55 Cent (Deutschland), 75 Cent (Ausland).

 


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Verfasst von: Jan Sperhake

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