Tschechischer Nationalfeiertag zu Ehren des Reformators Jan Hus

Jan Hus als Ketzer

Jan Hus mit Ketzerhut

Jan Hus

Der Theologe

Am 6. Juli 1415 wurde in Konstanz der Theologe und Reformer Jan Hus auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Der Vorwurf lautete „Ketzerei“. Der um 1370 geborene Hus hatte eine glänzende Karriere als Wissenschaftler und Theologe hinter sich, war zeitweise Rektor der Prager Karls-Universität gewesen und hatte sich mit seiner „Böhmischen Orthografie“ von 1406 auch um die tschechische Sprache verdient gemacht. Ihm wird allgemein die Einführung des charakteristischen „Hatscheks“, also des diakritischen Hakens, zugeschrieben. Auch als Theologe arbeitete er an einer Übersetzung der Heiligen Schrift in die Landessprache, gepredigt hat er stets auf Tschechisch. Was aber war geschehen, dass dieser Mann des Geistes von der Kirche als tödliche Gefahr gesehen wurde?

Der Brandstifter

Der Brandstifter

Das Königreich Böhmen war damals Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Aus dieser politischen Konstellation heraus hatte es oft Konflikte gegeben. Als nun das Haus der Luxemburger die Herrschaft im Lande übernahm, stießen diese „Fremden“ gerade beim böhmischen Adel auf Widerstand. Parallel schwelte aber auch ein Glaubenskonflikt. Wie überall in Europa hatte die katholische Kirche es verstanden, enorme Reichtümer anzuhäufen, die Kirchenfürsten lebten in Prunk und hatten jeglichen Kontakt zu den Gemeinden verloren. Wie später Martin Luther wandten sich auch böhmische Geistliche gegen die Praxis des Ablasshandels. Unter ihnen befand sich Jan Hus.

John Wycliff

John Wycliff

Dieser hatte unter Einfluss der Lehren John Wycliffs, eines englischen Theologen und Papstkritikers, begonnen, den Reichtum der katholischen Kirche anzuklagen. Er forderte grundlegende Reformen und stellte dabei auch die Position der Päpste in Frage. Denn, so Hus, einzig die Bibel könne als letzte Autorität in Glaubensfragen entscheiden. Das war keine theologische Spitzfindigkeit mehr sondern eine direkte Herausforderung des Heiligen Stuhls.

Hus-Denkmal in Prag

Der Konflikt besaß aber auch noch eine nationale Ebene. Das Nebeneinander von Deutschen und Tschechen bei Hofe und in der Wissenschaft begann Risse zu zeigen, die Bruchlinie entstand entsprechend zwischen katholischen Positionen deutschstämmiger Anhänger des Reichs und reformatorischen Meinungen böhmischer Provenienz. Unruhen brachen aus, Kirche und Reich griffen durch und versuchten die „Aufrührer“ unter Kontrolle zu bekommen. Doch stattdessen sollte die Lage weiter eskalieren. Die Verhängung des Kirchenbanns über Jan Hus und seine Exkommunzierung durch den Papst 1411 verursachten regelrechte Aufstände. Seit 1412 zog er als Wanderprediger durch das Land. Als für das Jahr 1415 ein Konzil in Konstanz ausgerufen wurde, die theologischen Probleme zu lösen, machte sich Hus noch im Winter auf den Weg, um dort seine Position zu vertreten. König Sigismund von Böhmen hatte ihm freies Geleit zugesichert. Dennoch wurde Hus bald nach seiner Ankunft festgenommen. Nach hartnäckiger Weigerung, seine Thesen zu widerrufen, verblieb er in Kerkerhaft bis er schließlich am 6. Juli am Rheinufer auf dem Scheiterhaufen starb.

Hussiten-Kanone

Eine sogenannte Hussiten-Kanone

Dass damit das „Problem Jan Hus“ nicht aus der Welt war, konnten die Kirchenherren und der König nicht ahnen. Man begann, die hussitischen Anhänger aus Staat und Kirche zu entfernen. Doch aus dem theologischen Anführer war ein „Märtyrer“ geworden. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung griff immer weiter um sich, 1419 kam es zum „Ersten Prager Fenstersturz“, im Lande begannen sich „hussitische“ Milizen zu formieren, die sich gegen die Deutschen rüsteten. In den folgenden Jahrzehnten verwüsteten die sogenannten Hussitenkriege große Teile Böhmens. Nicht weniger als fünf Kreuzzüge gegen die „Ketzer“ scheiterten, ein ums andere Mal gelang es den brilliant geführten böhmischen Bauernheeren, die Ritter des Reichs zu schlagen und zu demütigen. Bald verheerten ihre Plünderungszüge auch Teile Deutschlands, bis die Hussiten schließlich an inneren Gegensätzen zerbrachen. Eine gemäßigte Fraktion setzte sich durch und schloss einen Frieden mit dem Reich.

Die Spuren, die das Wirken Jan Hus aber in der Geschichte und vor allem im Nationalbewusstseins Tschechiens hinterlassen hat, sind unauslöschlich. Der 6. Juli ist heute ein staatlicher Feiertag, der „Jan Hus-Tag“.


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Verfasst von: Jan Sperhake

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