Elitär und populär

Gustav Klimt „Bildnis Fritza Riedler“.

Das 1906 entstandene „Bildnis Fritza Riedler“ hängt heute im Wiener Schloss Belvedere.

Erfolgreich beim Publikum, umstritten bei der Kritik – gewöhnlich widerfährt modernen Künstlern das Gegenteil. Die Kunstwissenschaftler sahen in Gustav Klimt, der heute vor 150 Jahren das Licht der Welt erblickte, eher einen Dekorationsmaler. Wahrscheinlich war es dieser Einschätzung geschuldet, dass nicht weniger als vier Anträge, Klimt auf eine Professur der Wiener Akademie der bildenden Künste zu berufen, vom Unterrichtsministerium abgelehnt wurden. Dasselbe Ministerium kaufte aber Klimts Gemälde „Der Kuss“ noch auf der Kunstschau 1908 – offenbar gab es auch Sachverständige, die bei volkstümlicher Kunst die Spreu vom Weizen zu trennen vermochten. Immerhin ernannte ihn die Akademie 1917 zum Ehrenmitglied.
Zwischen 1891 und 1897 gehörte Klimt dem Künstlerhaus an, danach zählte er zu den Gründungsmitgliedern der Wiener Secession. Ihr stand er bis 1899 vor und legte zahlreiche Illustrationen für die Secessions-Zeitschrift „Ver Sacrum“ vor. Als Leihgabe für die Secessions-Ausstellung von 1902 war das legendäre „Beethovenfries“ gedacht, das heute zu den dauernd im von Josef Olbrich gestalteten Secessions-Gebäude zu sehen ist. Enge Freundschaften verbanden Klimt mit Hermann  Bahr, Koloman Moser und Josef Hoffmann.
Der Jugendstil gehörte zu den Richtungen, die gleichermaßen elitär wie populär waren. Zu den führenden Vertretern des Jugendstils zählte Klimt, der seine öffentliche Anerkennung unter anderem der Ausstrahlung seiner Frauenporträts verdankte. Zwar erntete er damit auch Vorwürfe, Pornographie zu verbreiten, doch mussten zahlreiche Künstler solcherlei Unbilden ertragen, wenn sie etwas zu viel Haut zeigten. Allerdings ist den Sittenwächtern jener Tage zugute zu halten, dass es Klimt mitunter wohl nicht nur beim Malen etwas bunter trieb. Zwei Kinder erkannte er offiziell an, doch gingen die Wiener Zeitgenossen davon aus, dass er weitaus mehr Nachwuchs in die Welt setzte.

Klimt Adele Bloch-Bauer I

Für 135 Millionen Dollar verkauft, gehört Klimts Gemälde „Adele Bloch-Bauer I“ zu den teuersten Bildern der Welt. Die Sondermarke von 1987 zeigt ein Detail.

Nach seinem Ableben fand er auch offiziell Würdigung, unter anderem philatelistisch. Mit den in Österreich erschienenen Sondermarken lässt sich bereits eine kleine Klimt-Galerie gestalten. Wer die individuellen Ausgaben – die offizielle Bezeichnung in Österreich lautet „Meine Marke“ – oder Ausgaben des Auslandes hinzunimmt, der kann bald eine stolze Klimt-Sammlung sein eigen nennen, die ausschließlich Originale enthält, orignale Briefmarken natürlich.
Eine umfassende Biographie Klimts mit wertvollen Informationen zur aktuellen Ausgabe veröffentlichte Herbert Judmaier in der DBZ 14/2012. Das Heft ist im Bahnhofsbuchhandel vergriffen. Restexemplare erhalten Sie im DBZ-Kunden-Service-Center.


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Deutschland 2017/2018

ISBN: 978-3-95402-200-7
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Verfasst von: Torsten Berndt

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