Keine absolute Zeit

Frankreich Henri Poincare Zuschlagsmarke

1952 ehrte Frankreich Henri Poincaré philatelistisch.

Wie viele naturwissenschaftliche Entdeckungen hat natürlich auf die Spezielle und Allgemeine Relativitätstheorie Vorläufer. Einer der Männer, die sich lange vor Albert Einstein Gedanken über Raum und Zeit machten, war der französische Mathematiker und Physiker Jules Henri Poincaré. Bereits 1898 erklärte er, dass es keine absolute Zeit gebe. In einem bewegten System laufen demnach Uhren, von denen man annimmt, dass sie synchron laufen, nicht tatsächlich synchron. 1900 übernahm er die von Hendrik Antoon Lorentz postulierte Ortszeit als Hilfsvariable. Eine absolute Bewegung nachzuweisen, hielt er bereits 1895 für unmöglich und entwickelte einen Zusammenhang zwischen Beobachtungen und eigener Bewegung des Beobachters. Anders als Albert Einstein behielt Poincaré aber die klassische Physik bei, versuchte seine Beobachtungen in die altbewährten Lehren zu integrieren. Daher blieb ihm in dem Punkt der Durchbruch versagt. Der Ruhm, die Zusammenhänge von Raum und Zeit allgemeingültig definiert zu haben, gebührt zu Recht Einstein.
In die Geschichtsbücher schrieb sich Poincaré vor allem mit Arbeiten zur Mathematik ein. Seine Publikationen sind großenteils sehr theoretischer Natur, hatten aber auch Wirkungen über die Mathematik hinaus, beispielsweise auf die Untersuchungen zur Stabilität des Sonnensystems. Der Funktionentheorie wandte er ebenso sein Interese zu wie der Zahlentheorie. Manches Postulat ließ sich erst Jahrzehnte später endgültig beweisen – ein in der Mathematik und in den Naturwissenschaften allgemein nicht unbedingt seltenes Phänomen.
Stark engagierte sich Poincaré für eine internationale Vereinheitlichung der Zeit und nahm 1884 an der Washingtoner Meridiankonferenz teil. Sein Vorhaben, die Zeitmessung auf das Dezimalsystem umzustellen, konnte er ebenso wenig durchsetzen wie die Schaffung eines international gültigen Zeitmaßes. Doch brachte die Konferenz mit der Einführung des Greenwich-Nullmeridians und der Zeitzonen einen für Wirtschaft und Verkehr wichtigen Durchbruch, der die physikalischen Messungen nicht beeinträchtigte.
Heute vor 100 Jahren verstarb der Gelehrte, der auch verschiedene philosophische Arbeiten veröffentlichte. Für seine Arbeiten erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. Nach Poincaré ist seit 1997 ein Preis für mathematische Physik benannt. In Paris etablierte sich 1928 das Institut Henri Poincaré, das heute zu den führenden mathematischen Institutionen weltweit zählt.


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Verfasst von: Torsten Berndt

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