„Schweizer Miniaturen“

Sondermarke Hermann Hesse Deutschland 1978

Gerd Aretz porträtierte Hermann Hesse.

Nein, liebe Leser, wir haben keineswegs Hermann Hesses 50. Todestag übersehen. Das dürfte auch kaum möglich sein, blickt man in die Feuilletons der bedeutenden Zeitungen und Zeitschriften, schaut man in die Programme der Buchverlage. Da Hermann Hesse längst auch philatelistisch geehrt wurde, lag es gleich doppelt nahe, ihm in der philatelistischen Tageszeitung im Internet ein Ständchen zu bringen. Dass wir das gelungene Porträt aus dem Nobelpreisträger-Block von 1978 zeigen und nicht die farblich absonderliche Sondermarke zum 2002 begangenen 125. Geburtstag, dürfen Sie durchaus als Wertung verstehen.
Doch warum veröffentlichen wir den kleinen Artikel erst jetzt zu später Stunde? Nun, wir haben uns schlichtweg festgelesen. Nicht in „Unterm Rad“, der quälenden Schullektüre von einst, wobei das „quälend“ gewiss nicht literarischen, vielmehr pädagogischen Ursprungs war, auch nicht in anderen großen Werken Hesses. Festgelesen haben wir uns ein weiteres Mal in den Schweizer Miniaturen, 1990 unter dem Titel „Beschreibung einer Landschaft“ erschienen. Ja, wer die Schweizer und ihr Land verstehen möchte, der sollte sich Hesse vornehmen und das wohl etwas berühmtere Drama um einen Mann mit Armbrust und einen Jungen mit Apfel beiseite legen.
Ob „Arosa“ oder „Basler Erinnerungen“, „Am Gottthard“ oder „Erlebnis auf einer Alp“ – stets vermittelt Hesse ein Bild, das man fortzeichnen kann und auch muss. Es ist vollendet und dennoch nicht fertig, spiegelt das Leben, vielleicht deutlicher als manch größeres Werk aus Hesses Feder. Hesses Schweizer Freunde und Künstler muss man in Deutschland wohl nicht unbedingt alle kennen. In den Porträts erscheinen sie als Schweizer Bürger, denen man in Zürich oder Bern, Lausanne oder Basel zu begegnen glaubte. Hesses gut einen Monat vor seinem Ableben in Montagnola gehaltene Rede bleibt leider gewöhnlich unverständlich, erscheint sie doch unübersetzt in italienischer Sprache. Das aber sagt wenig über den Autor und umso mehr über den Herausgeber des Bandes, Siegfried Unseld.
In den vielen Porträts, welche dieser Tage erschienen, fanden diese und andere kleinere Arbeiten Hesses wenig oder gar keinen Widerhall. Schade, eigentlich.


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Verfasst von: Torsten Berndt

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