Briefmarken-Konvoi verlässt Malta

Am 10. August kam in der kleinen Inselrepublik Malta eine Sondermarken-Serie an die Postschalter, die ihresgleichen sucht. Elf Kleinbogen zu jeweils acht Marken umfasst das fulminante Opus und auf den ersten Blick mag man sich den Kopf kratzen. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich diese Maxi-Ausgabe jedoch als bemerkenswerte Hommage.

H.M.S. Wolverine

Die H.M.S. Wolverine rammte und versenkte ein italienisches U-Boot.

1942 lag die Insel Malta an einem strategisch heißen Flecken auf der europäischen Landkarte. Im Norden lag die Achsenmacht Italien, im Süden tobten die Kämpfe an der nordafrikanischen Front. Und wie ein Stachel im Zentrum befand sich die britische Insel, die auch gern als der stationäre Flugzeugträger im Mittelmeer bezeichnet wurde. Die britischen Truppen auf Malta, insbesondere die stationierten Einheiten der Air Force, bedrohten die Versorgungsrouten nach Nordafrika, folglich setzten italienische und deutsche Militärs alles daran, diese Bedrohung auszuschalten. An kaum einem Ort fielen derart große Bombenlasten pro Quadratkilometer wie auf Malta. Jedoch entwickelte sich die Versorgungslage vor Ort zunehmend dramatisch. Erste Versuche, die Insel per Konvoi mit Lebensmitteln und Treibstoff zu versorgen, hatten gezeigt, mit welcher Vehemenz die Achsenmächte dies zu verhindern suchten. Wie beim Tontaubenschießen mussten die Versorgungsschiffe an der Südküste Siziliens vorbei und erlitten schwerste Verluste durch die deutschen und italienische Luftstreitkräfte sowie die italienische Marine.

H.M.S. Eagle

Von einem deutschen U-Boot versenkt: H.M.S. Eagle.

Am 9. August startete schließlich die Operation Pedestal, Deckname für einen Konvoi von 13 Versorgungsschiffen und einem großen Treibstofftanker, der von Gibraltar kommend die mittlerweile auch vom Hungertod bedrohte Insel entsetzen sollte. Geleitschutz sollte eine wahrhafte Armada aus vier Flugzeugträgern, zwei Schlachtschiffen, sieben Kreuzern und über 30 Zerstörern bieten. Fünf Tage kämpften sich die Schiffe durch das Mittelmeer, ständig attackiert aus der Luft und von See. Die Verluste waren entsetzlich, doch gelang es einerseits, von den Flugzeugträgern aus dringend benötigte Kampfflieger nach Malta zu starten, andererseits, vor allem aufgrund des Treibstoffmangels bei der italienischen Marine, tatsächlich einen Teil der Versorgungsgüter anzulanden.

S.S. Ohio

Ankunft der stark zerstörten S.S. Ohio.

Besonders im Mittelpunkt stand natürlich der Tanker, die US-amerikanische Ohio. Ihre Fracht sollte die Luftüberlegenheit der Briten im Mittelmeer bewahren. Doch erlitt sie mehrere Torpedotreffer und schweren Beschuss von deutschen Kampfbombern. Eine zweimotorige Junkers Ju 88 schlug sogar auf Deck ein. Zweimal wurde das Schiff evakuiert, doch wie durch ein Wunder explodierte es nicht. Mit zerstörter Ruderanlage wurde die Ohio schließlich zwischen zwei Geleitfahrzeugen vertäut und in den Hafen von La Valetta gezogen, wo der Tanker direkt nach der Entladung seiner wertvollen Fracht zerbrach. Nur vier weitere Frachter erreichten ihr Ziel.

S.S. Waimarama

Explodiert: S.S. Waimarama.

Taktisch war die Konvoischlacht für die Alliierten zwar ein Desaster, dennoch sollten die strategischen Vorteile des verstärkten maltesischen Stützpunktes letztendlich schwer ins Gewicht fallen. Die Verlustraten der deutsch-italienischen Versorgungsfahrten für die bedrohte Nordafrikafront sollten noch im August auf bis zu 35 Prozent steigen, ein Drittel, welches möglicherweise den Kriegsverlauf verändert hätte.

M.V. Brisbane Star

Die M.V. Brisbane Star kam durch.

Für die Malteser war der Konvoi in jeder Hinsicht Rettung in letzter Sekunde. Kein Wunder also, dass die mutigen Seeleute und die zahlreichen Opfer dieses Konvois bis heute im Gedenken der Bevölkerung verankert sind. Die 88 Sondermarken zu 26 Cent zeigen jedes an dieser Rettungsaktion beteiligte Schiff. Ihre Namen sind:

S.S. Almeria Lykes, H.M.S. Amazon, H.M.S. Antelope, H.M.S. Ashanti, H.M.S. Badsworth, H.M.S. Bicester, H.M.S. Bramham, M.V. Brisbane Star, R.F.A. Brown Ranger, H.M.S. Cairo, H.M.S. Charybdis, M.V. Clan Ferguson, H.M.S. Coltsfoot, H.M.S. Derwent, M.V. Deucalion, R.F.A. Dingledale, M.V. Dorset, H.M.S. Eagle, M.V. Empire Hope, H.M.S. Eskimo, H.M.S. Foresight, H.M.S. Furious, H.M.S. Fury, H.M.S. Geranium, M.V. Glenorchy, H.M.S. Hebe, H.M.S. Hythe, H.M.S. Icarus, H.M.S. Indomitable, H.M.S. Intrepid, H.M.S. Ithuriel, H.M.S. Jaunty, H.M.S. Jonquil, H.M.S. Kenya, H.M.S. Keppel, H.M.S. Laforey, H.M.S. Ledbury, H.M.S. Lightning, H.M.S. Lookout, H.M.S. Malcolm, H.M.S. Manchester, H.M.S. Matchless, M.V. Melbourne Star, H.M.S. Nelson, H.M.S. Nigeria, S.S. Ohio, H.M.S. Pathfinder, H.M.S. Penn, H.M.S. Phoebe, M.V. Port Chalmers, H.M.S. Quentin, M.V. Rochester Castle, H.M.S. Rodney, H.M.S. Rye, H.M.S. Salvonia, S.S. Santa Elisa, H.M.S. Sirius, H.M.S. Somali, H.M.S. Speedy, H.M.S. Spirea, H.M.S. Tartar, H.M.S. Una, H.M.S. Utmost, H.M.S. Vansittart, H.M.S. Venomous, H.M.S. Victorious, H.M.S. Vidette, S.S. Waimarama, M.V. Wairangi, H.M.S. Westcott, H.M.S. Wilton, H.M.S. Wishart, H.M.S. Wolverine, H.M.S. Wrestler, H.M.S. Zetland, H.M.S. P.34, H.M.S. P.42, H.M.S. P.44, H.M.S. P.46, ML121, ML126, ML134, ML135, ML168, H.M.S. P.211, H.M.S. P.222, ML459 und ML462.


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Verfasst von: Jan Sperhake

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