Glücksspiel ist berechenbar

Frankreich 1962 Sondermarke Blaise Pascal

1962 ehrte Frankreich Blaise Pascal philatelistisch.

Wer sich in den achtziger Jahren mit den damals noch recht jungen persönlichen Computern beschäftigte, der kannte seinen Namen: Blaise Pascal, der heute vor 350 Jahren starb, steht in den Geschichtsbüchern der Technik als Schöpfer einer der ersten Rechenmaschinen weltweit. 1640 hatte sein Vater, der sich brennend für mathematische Fragen interessierte, das Amt des Steuereintreibers in der Normandie übernommen. Die Berechnungen waren aufwändig und zeitraubend. Daher entwickelte Blaise Pascal 1642 eine mechanische Rechenmaschine, die anfangs nur die Addition bewältigte. Ganz zuverlässig arbeitete sie allerdings auch nach zahlreichen Verbesserungen nicht. Dank der Weiterentwicklung konnte die Maschine aber bald nicht nur subtrahieren, sogar auch die französischen Währungseinheiten umrechnen. Seinerzeit herrschte keineswegs das Dezimalsystem. Vielmehr entsprach ein Livre 20 Sols, ein Sol zwölf Deniers. Blaise Pascal löste also ein Problem, an dem noch heute mancher scheitert, zum Beispiel bei der Berechnung von Zeiten oder Winkeln, die ebenfalls nicht dem Dezimalsystem folgen.
Pascals Hoffnung, mit dem Bau und Verkauf der Rechenmaschine reichlich Geld zu verdienen, blieb unerfüllt. Dank des Vermögens und der Herkunft seiner amtsadeligen Familie konnte er es sich aber leisten, seinen Interessen nachzugehen. 1647 legte er eine erste Abhandlung über den Luftdruck vor, dessen Abnahme in zunehmender Höhe er in Messungen nachgewiesen hatte. Im selben Jahr demonstrierte er in einem wissenschaftlichen Experiment die Existenz des Vakuums gemäß klassisch-physikalischer Definition. Dabei griff er auf Arbeiten Evangelista Torricellis zurück. Allerdings konnte er sich nicht gegen erhebliche Widerstände durchsetzen, die noch immer der von Aristoteles geprägten Hypothese anhingen, nach der es Leere in der Natur nicht geben könne, folglich ein leerer Raum mit einem Äther gefüllt sein müsse. Erst zehn Jahre später gelang es Otto von Guericke mit seinem Magdeburger Experiment, die letzten Zweifler zu überzeugen.
Pascal setzte seine Forschungen fort und entdeckte 1648 das Prinzip der kommunizierenden Röhren. Seine 1653 veröffentlichte Abhandlung über den Luftdruck behandelte erstmals die Hydrostatik, also die Lehre unbewegter Flüssigkeiten. Doch wandte er sich auch einem neuen Gebiet zu, der Wahrscheinlichkeitsrechnung. In den Salons jener Tage diskutierte man nämlich intensiv die Chancen beim Glücksspiel. Pascal erkannte, dass sie sich durchaus mathematisch berechnen ließen. Seine Lösungen schickte er dem bekannten Mathematiker Pierre de Fermat. Der Briefwechsel beider gilt heute als Geburtsstunde der Wahrscheinlichkeitsrechnung.
Seit einem schweren Unfall des Vaters, 1646, frömmelnd, wandte sich Pascal Mitte der fünfziger Jahre überwiegend religösen und philosophischen Fragen zu. Dabei stand er stark unter dem Einfluss der Jansenisten, einer innerhalb der katholischen Kirche wirkenden Bewegung, die sich unter anderem auf Augustinus berief und heftig von den Jesuiten bekämpft wurde. Pascal formulierte verschiedene Streitschriften gegen die Jesuiten, die wegen ihrer sprachlichen Eleganz heute weniger theologisch denn sprachwissenschaftlich Beachtung finden. Nicht wenige sehen in Pascal denn auch den ersten Vertreter moderner französischer Prosa.
Seine Zuwendung zur Religion lässt sich vielleicht mit seinem Gesundheitszustand erklären. Von klein auf kränkelte Pascal. In der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre ließ seine Gesundheit mehr und mehr nach. Mit nur 39 Jahren starb er. Seinem letzten großen mathematischen Werk, der 1659 erschienenen „Abhandlung über den Sinus des Viertelkreises“, verdankte Gottfried Wilhelm Leibniz die entscheidende Anregung zur Schaffung der Differential- und Integralrechnung, eines weiteren Meilensteins auf dem Weg zur modernen Mathematik.


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Verfasst von: Torsten Berndt

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