Luxemburgs Widerstand auf Sonderstempel

Der Generalstreik von 1942 auf SonderstempelWer am Freitag nächster Woche, also am 31. August, die Briefmarkenausstellung im luxemburgischen Wiltz besucht, hat die Gelegenheit, einen Sonderstempel mit großer historischer Bedeutung zu bekommen. Das Motiv ist sehr modern gestaltet, doch ist die Botschaft auch zeitlos genug, um uns heute noch zu erreichen. Anlass ist das 70. Jubiläum des Generalstreiks von 1942.

Nach der Besetzung des Großherzogtums durch die Wehrmacht im Frühjahr 1940, sah sich die luxemburgische Bevölkerung zahlreichen Maßnahmen zur „Eindeutschung“ ausgesetzt, inklusive Verbot der eigenen Sprache. Zwei Jahre später, als der Krieg an allen Fronten einen für Deutschland immer ungünstigeren Verlauf nahm, verordnete Gauleiter Gustav Simon schließlich am 30. August 1942 die Zwangsrekrutierung aller zwischen 1920 und 1927 geborenen Männer für die Wehrmacht. Die Einwohner Luxemburgs waren erschüttert. Die Idee eines Proteststreiks war geboren. Am 31. August nahm dieser seinen Anfang, als in der kleinen Ardennenstadt Wiltz die Mitarbeiter der Stadtverwaltung Michel Worré und Nicolas Müller ihre Arbeit niederlegten. Schnell erklärten sich andere Berufsgruppen solidarisch. Unmittelbar darauf schlossen sich die Fabrikarbeiter aus Schifflange und Differdange an. Trotz unmissverständlicher Drohungen der deutschen Verwaltung erreichte der Streik bald die Bergbauregion um Esch-sur-Alzette, worauf die militärisch wichtige Stahlproduktion des Landes zum Stillstand kam. Die Schulen blieben geschlossen, die Schulkinder daheim. Die Presse der Alliierten meldete Appelle der Solidarität.

DDR-Marke mit Mahnmal

Das Mahnmal für die Opfer des Streiks auf MiNr 1705.

Die Reaktionen der deutschen Besatzer waren brutal und willkürlich. Vermeintliche Aufrührer wurden inhaftiert und über 20 von ihnen standrechtlich zum Tode verurteilt, die beiden Wiltzer Stadtoberen gleich am 2. September erschossen. Den deutschstämmigen Hans Adam, der in Schifflange die Sirenen ausgelöst hatte, um zum Streik zu mobilisieren, schaffte man als „Volksverräter“ nach Köln, wo man ihm den Kopf abschlug. Kinder und Jugendliche riss man aus ihren Familien und transportierte sie in Umerziehungslager in Deutschland. Der Generalstreik brach unter diesen Maßnahmen bald zusammen. Doch bis heute gedenkt man in Luxemburg den Opfern dieser beispiellosen Streik-Aktion mit einem offiziellen Gedenktag. Stolz können die Luxemburger in jedem Fall darauf sein, als Nation ein Zeichen des Widerstands gesetzt zu haben, auch wenn sie bitter dafür bezahlen mussten.

Den Sonderstempel zum 70. Jahrestag erhalten Sie bei der Wiltzer Briefmarkenausstellung vor Ort auf Schloss Wiltz.


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Verfasst von: Jan Sperhake

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