Mehr als ein Dienstmädchen

Hattie McDaniel auf Briefmarke der USA 2006Leicht hat sie es nie gehabt: Und doch schaffte es Hattie McDaniel, am 10. Juni 1895 als jüngstes von dreizehn Kindern in Kansas geboren, unsterblich zu werden. Schon als Kind sang Hattie gern, sie sang in der Schule, sie sang in der Kirche, und sie sang zu Hause, so oft, dass ihre Mutter sie angeblich mit Kleingeld bestach, damit sie wenigstens manchmal ihre Ruhe hatte. Nach Abschluss der Schule, in der sie eine von zwei Farbigen unter ansonsten weißen Mitschülern war, ging Hattie auf Tour mit diversen „Minstrel Shows“, für die sie auch dutzende von Songs schrieb. Bereits 1925 machte sie erste Radioaufnahmen und war damit eine der ersten Afro- Amerikanerinnen, die in den USA im Radio zu hören waren. Nach der Weltwirtschaftskrise 1929 fand sie zunächst nur Arbeit als Putzfrau in einem Club, schaffte es dort aber schnell auf die Bühne und zu einem einjährigen Engagement als Sängerin. Es folgten ein Umzug nach Hollywood, weitere Radioaufnahmen und schließlich die ersten Filmrollen.

Mit ihrer Rolle als Hausmädchen „Mammy“ in dem Kassenschlager „Vom Winde verweht“ gewann Hattie McDaniel dann 1940 als erste Afro-Amerikanerin den Oscar für die beste Nebenrolle. Der Erfolg war ein zweischneidiges Schwert: Zwar hatte sie keinen Mangel an Arbeit in Hollywood, wenn auch fast in der Rolle schwarzer Dienstmädchen, doch warfen ihr Bürgerrechtler etwa von der NAACP (National Association for the Advancement of Colored People) vor, mit ihrer Darstellung Klischees und Stereotypen zu bedienen. Und die Rassentrennung war zu jener Zeit noch in vollem Gange: An der Premiere von „Vom Winde verweht“ hatte McDaniel nicht teilnehmen können, und bei der Oscarverleihung musste sie mit ihrer Begleitung an einem extra abgesonderten Tisch sitzen. Kritik aus der schwarzen Community begegnete McDaniel souverän: „Ich verdiene lieber 700 Dollar in der Woche damit, ein Dienstmädchen zu spielen, als 7 Dollar am Tag damit, eines zu sein.“ Hattie McDaniel spielte in mehr als 300 Filmen mit, und hatte am Ende ihrer Karriere die Hauptrolle in einer täglichen Radioshow, die sie auch für die Fernsehfassung spielte. Heute vor 60 Jahren, am 26. Oktober 1952 starb Hattie McDaniel an einem Herzinfarkt. Auf dem Friedhof ihrer Wahl, dem Hollywood Memorial Park, durfte sie wegen der Rassentrennung nicht begraben werden. So fand sie ihre letzte Ruhestätte auf dem Rosedale Cemetary, ihrer zweiten Wahl, wo zwar eigentlich auch Rassentrennung galt, man aber in ihrem Fall zum ersten Mal davon Abstand nahm. Im Jahr 2006 ehrte die amerikanische Post Hattie McDaniel mit einer Sondermarke.

Margret Mitchells "Vom Winde verweht" auf amerikanischer Briefmarke


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Verfasst von: Udo Angerstein

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