„Nein“ zu den Besatzern

Norwegen 1995 Sondermarke Kirsten Flagstad 5,50 Kronen Lohengrin

Kirsten Flagstad mit Bjørn Talén in der „Lohengrin“-Aufführung des Nationaltheaters Oslo, 1929.

Bereits mit 18 Jahren gab Kirsten Målfrid Flagstad ihr Debüt im Osloer Nationaltheater. Eugen d’Alberts Oper „Tiefland“, in der Flagstad die Nuri spielte, ist weitgehend vergessen; auch Leni Riefenstahls Verfilmung konnte da nicht helfen. Flagstad, ein dramatischer Sopran, setzte sich indessen durch und avancierte zu einer der bedeutendsten Wagner-Interpretinnen überhaupt.
Zunächst aber musste sie sich mit kleinen Rollen begnügen. Nach Studien bei Ellen Schytte-Jacobsen und Albert Westvang in Oslo sowie Gillis Bratt in Stockholm wirkte sie in Göteborg und Oslo vor allem in Operetten mit, unternahm zudem Tourneen in Frankreich. Der Rückzug ins Privatleben nach der zweiten Eheschließung hätte bei anderen Solisten mit diesem Repertoire das Ende der Karriere nach sich gezogen. Flagstad dagegen kehrte von der kleinen auf die große Bühne zurück. Zunächst trat sie in ihrer Heimat als Wagner-Interpretin in Erscheinung. 1933 gab sie dann in Bayreuth die Ortlinde und die 3. Norm, 1934 die Sieglinde und die Gutrune.
Ihre Erfolge in „Hitlers Hoftheater“ (Thomas Mann) verhalfen Flagstad zum Engagement in New York. Die Aufführung in der Metropolitan Opera mit Kirsten Flagstad als Sieglinde wurde am 2. Februar 1935 im Rundfunk übertragen. Erstmals hatte Flagstad ein Millionenpublikum. In den Folgejahren trat die am 12. Juli 1895 geborene Sängerin vor allem in den Vereinigten Staaten auf, oftmals an der Seite des Heldentenors Lauritz Melchior. Bis zu viermal die Woche sang sie am Broadway. Engagements in Großbritannien folgten. Zu ihrem Repertoire gehörten neben Wagner vor allem Beethoven, Bizet, Gluck, Gounod, Mozart, Puccini und Verdi. 1937 schlug König Haakon VII. sie zur Ritterin des St.-Olavs-Ordens. Weitere Auszeichnungen folgten, beispielsweise die Königliche Verdienstmedaille in Gold.

Norwegen 1995 Sondermarke Kirsten Flagstad 3,50 Kronen Tristan und Isolde

Kirsten Flagstad in der „Met“-Inszenierung von „Tristan und Isolde“.

Demonstrativ kehrte Flagstad 1941 nach Norwegen zurück. Längst international als Wagner-Interpretin anerkannt, lehnte sie jedes Angebot, vor den deutschen Besatzern zu singen, kategorisch ab. Vornehmlich trat sie in Schweden und der Schweiz auf, zwei neutralen Staaten. In Norwegen konzertierte sie gleich 1945 bei den Bergener Festspielen. Überschattet wurde ihr tapferes „Nein“ von den Aktivitäten ihres Ehemannes, Mitglied der Nasjonal Samling, der als Geschäftsmann auch Kontakte zu den NS-Herrschern und den Verrätern um Vidkun Quisling pflegte. Nach der Befreiung kurzzeitig inhaftiert, starb er kurz darauf.
Erneut gelang es Kirsten Flagstad, auf die Bühnen der Welt zurückzukehren. In Europa wie den USA war sie eine gefragte Interpretin. Ihr Schwerpunkt lag in der Zeit zwar bei Werken von Beethoven und Wagner. Mit der Uraufführung von Richard Strauss „Vier letzten Liedern“ – Dirigent war niemand anderes als Wilhelm Furtwängler – schrieb sie sich unterdessen ein weiteres Mal in das Buch der Musikgeschichte ein. Daneben wirkte sie an unzähligen Schallplatten-Aufnahmen mit, die inzwischen überwiegend auf CD wiederveröffentlicht wurden. Von nur wenigen Künstlern ihrer Epoche sind ebenso viele Aufnahmen im Handel erhältlich.
1957 erklärte sie ihren Rücktritt vom Konzert- und Opernleben, kehrte aber im Folgejahr als künstlerische Leiterin in das Osloer Opernhaus zurück. Gesundheitsbedingt musste sie die Position 1960 aufgeben. Am 7. Dezember 1962, heute vor 50 Jahren, verstarb Kirsten Flagstad in Oslo. In ihrem Geburtshaus in Hamar wurde 1985 eine Gedenkstätte eingerichtet. Auf Briefmarken wurde sie ebenso geehrt wie auf der 100-Kronen-Note der Norwegischen Nationalbank.

Norwegen 100-Kronen-Note Kirsten Flagstad

Porträt Kirsten Flagdstads auf der 100-Kronen-Note der Nationalbank.


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Verfasst von: Torsten Berndt

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