Ja, vi elsker dette landet

Norwegen 2001 Sondermarke Björnson

Unschwer erkennbar: ein Charakterkopf.

Ja, wir lieben dieses Land – schlicht und einfach überschrieb Bjørnstjerne Martinius Bjørnson den Text für die norwegische Nationalhymne, deren Melodie Rikard Nordraak beisteuerte. Als Bjørnson den Text 1859 verfasste, hatte er bereits seine ersten Bücher veröffentlicht, unter anderen „Synnøve Solbakken“, aber noch lange nicht den Durchbruch geschafft. Im Gegenteil: Wegen des nicht nur öffentlichen Widerstandes gegen seine Ansichten musste Bjørnson die Tageszeitung „Aftonposten“, in die er 1859 eingetreten war, nach kurzer Zeit wieder verlassen.
Der Sohn eines Landpastors hatte die Universität ohne Abschluss verlassen und sich danach als Journalist versucht. Von 1857 bis 1859 wirkte er als Leiter des Bergener Theaters. Nach dem gescheiterten Ausflug zur „Aftonposten“ reiste er drei Jahre durch Deutschland und Italien. In die Zeit fiel die Veröffentlichung von „Sigurd Slembe“, Bjørnsons erstem großen Erfolg am Theater, und „Arne“, einer der wichtigen Erzählungen des norwegischen Realismus’. Von 1865 bis 1867 arbeitete er dann am Königlichen Theater in Christiania. Bemerkenswerterweise entstanden in der Zeit keine Stücke. Erst in seiner zweiten Phase am Königlichen Theater zwischen 1870 und 1872 wandte er sich wieder dem Drama zu und veröffentlichte 1872 „Sigurd Jorsalfar“, seinen wohl größten Erfolg auf den Bühnen der Welt. In Norwegen feierte man Bjørnson, der dem Naturalismus ebenso zugerechnet werden kann wie dem Realismus, als Erneuerer der Literatur.
Neben der künstlerischen Arbeit betätigte er sich politisch. Zeitlebens engagierte er sich für die Republik, für das allgemeine Wahlrecht und für die Unabhängigkeit Norwegens, das seinerzeit in Personalunion zu Schweden gehörte. Es liegt nahe, dass Bjørnson auf Widerstand und Widerspruch stieß, zumal er sich auch noch den skandinavischen Verästelungen der pangermanistischen Bewegung näherte. Von Zeitgenossen als hochmütig und arrogant geschildert, konnte er keinen nennenswerten Einfluss auf die Entwicklung nehmen, obwohl sein Gut Aulestad als geistiges Zentrum Norwegens galt. Die Auflösung der Personalunion und die Erhebung Haakons VII., eines dänischen Prinzen, zum norwegischen König durfte Bjørnson 1905 noch erleben.

Norwegen 1982 Sondermarke Björnson

Zum 150. Geburtstag brachte die Norwegische Post ein Gemälde von Erik Werenskiold ins kleine Format. Das Bild zeigt Bjørnstjerne Björnson auf dem Balkon von Aulestad.

Zwei Jahre zuvor hatte ihm die schwedische Akademie den Nobelpreis für Literatur verliehen – als erstem Skandinavier. Seine Werke werden auch heute noch, 180 Jahre nach seiner Geburt am 8. Dezember 1832, in allen Kulturnationen gedruckt, gelesen und gespielt. Wohl kaum vorstellen konnte er sich, dass Norwegen als Monarchie zu einem der liberalsten Staaten der Welt aufzusteigen vermochte.


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Verfasst von: Torsten Berndt

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