22 Stunden Testbild

Pittiplatsch Briefmarke DDR 1964

Ein Fernsehstar: Pittiplatsch, Puppenfigur des Deutschen Fernsehfunks, hier auf der DDR-Marke zum Tag des Kindes von 1964.

Bewegte Bilder in Farbe sind heute Teil unseres Lebens. Sie begegnen uns im Fernsehen, Kino, auf Werbeleinwänden, im Internet, als Videospiel oder auf dem Smartphone. Derartiges hätten sich die Menschen vor 60 Jahren wohl kaum träumen lassen. Damals kam der Stein erst langsam ins Rollen.
Am 21. Dezember 1952 ging das DDR-Fernsehen, der Deutsche Fernsehfunk (DFF), auf Sendung – für zwei Stunden am Tag. Vier Tage später bekam auch der Westen mit dem Start des „NWDR-Fernsehen“ ein Bild auf die Mattscheibe – die meiste Zeit über war es allerdings auch hier das Testbild.
Freilich handelt es sich bei den Programmstarts von vor 60 Jahren strenggenommen um die Wiederaufnahme des Fernsehens in Deutschland. Bereits am 22. März 1935 war das erste regelmäßige Fernsehprogramm zu empfangen. Produzent war der Fernsehsender Paul Nipkow aus Berlin, der bis 1944 ein Programm ausstrahlte. Angesichts einer Reichweite von nur maximal 80 Kilometern und der Tatsache, dass die wenigsten eines der teuren Fernsehgeräte besaßen, kann die Bedeutung dieses Senders allerdings als marginal eingestuft werden.

Bernhard Grzimek Briefmarke

Bernhard Grzimek nutzte ab Ende der 50er-Jahre das Massenmedium Fernsehen, um auf die Wichtigkeit des Naturschutzes hinzuweisen (Briefmarke der Deutschen Post von 2009).

Ganz anders verhielt es sich 1952. Mit dem Sendebeginn war der Grundstein für ein neues Massenmedium gelegt, zugleich der Einstieg in eine neue Technologie erfolgt. Diese Entwicklung vollzog sich langsam, aber stetig: Bis zum Ende des Jahres waren in der Bundesrepublik die ersten 4000 Fernseher zum beachtlichen Preis von rund 1000 Mark verkauft, 1954 waren es 100000 Geräte, 1957 eine Million, 1958 folgte die zweite…
Fernsehen war nicht nur massentauglich, es hatte zur damaligen Zeit noch ein Alleinstellungsmerkmal. Das ermöglichte Straßenfeger wie das vom WDR produzierte und 1962 gesendete sechsteilige Fernsehspiel „Das Halstuch“. Die Frage nach der Identität des Halstuchmörders beschäftige die ganze Nation. Wer keinen Fernseher besaß, besuchte Nachbarn oder Freunde, um an diesem medialen Ereignis teilhaben zu können. Die Einschaltquote lag bei 89 Prozent.
Ein Eckpfeiler in der Geschichte des deutschen Fernsehens ist natürlich die Einführung des Farbfernsehens. 1967 wurde der Westen bunt, 1969 der Osten. Noch „bunter“ ging es ab den 80er-Jahren zu, als das Privatfernsehen Einzug in die westdeutschen Wohnzimmer hielt. Die Deutschen im Osten fanden meist ihre Wege, diese Programme auch auf ihren Geräten zu empfangen.
Selbstredend hat das Medium Fernsehen, gerade in seinen jüngeren Ausmaßen, zahlreiche Kritiker auf den Plan gerufen. Einer der ersten war der Amerikaner Neil Postman, der mit „Wir amüsieren uns zu Tode“ ein vielzitiertes Werk schuf. Für problematisch hielt Postman nicht, dass Fernsehen unterhält, sondern dass es jedes Thema als Unterhaltung präsentiert.
Wie wird das, was wir heute Fernsehen nennen, in 60 Jahren aussehen? Und wie wird es das Leben seiner Zuschauer beeinflussen oder verändern? Nur eines ist ziemlich sicher: Es wird mit dem Medium von heute nicht mehr viel gemein haben, genauso wie der Flimmerkasten von 1952 aus einer anderen Welt zu stammen scheint.

Briefmarke Funkausstellung Berlin 1985

Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin 1985 gab es bereits erste HDTV-Vorführungen (Ausgabe der Bundespost Berlin von 1985).


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Verfasst von: Tanja Uhde

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