Kein Platz für männliche Helden

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Zum 100. Geburtstag 1973: Frankreich würdigt die Autorin und Journalistin Colette.

Sie ist die berühmteste französische Schriftstellerin des vergangenen Jahrhunderts, die heute vor 140 Jahren geborene Sidonie-Gabrielle Claudine Colette, bekannt geworden schlicht als Colette. Die in einem Dorf in der Bourgogne geborene Künstlerin legte eine ungewöhnliche Karriere hin. Sie besuchte keine höhere Schule, wurde aber von einem literarisch interessierten Vater und einer gebildeten Mutter gefördert. Den Ruhm für ihre ersten Werke erntete ein anderer, nämlich ihr erster Ehemann Henry Gauthier-Villars, der ihr Schreibtalent erkannt hatte. Unter seinem Pseudonym „Willy“ veröffentlichte er ihre erste Serie von Romanen, deren Protagonistin die junge Frau Claudine ist und die alle autobiografische Züge tragen.
Sowohl in diesen frühen als auch in späteren Werken schrieb Colette aus der Sicht von Frauen, etwas in der Literatur zuvor in dieser Form nicht Dagewesenes. „Colette“, so formulierte es die Frankfurter Allgemeine Zeitung,  hat „den männlichen Helden vom Podest gestoßen, auf das ihn Generationen von Schriftstellern und auch Schriftstellerinnen gehoben hatten.“ 1903 ließ sich Colette von ihrem untreuen „Willy“ scheiden, der sich allerdings die Autorenrechte an ihren Claudine-Romanen sicherte.

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Colette wurde eine große Schriftstellerin, ohne jemals eine höhere Schule besucht zu haben (Ausgabe von 1973 aus Monaco).

Nach der Trennung trat Colette eine Zeitlang als Varietékünstlerin auf. Vielleicht lag es auch an diesem Umstand, dass ihre Romane von der universitären Literaturkritik lange Zeit in ihrer Qualität unterschätzt wurden. Zugleich scheute sie sich nicht, in ihren Werken die Sexualität der Frau zu thematisieren und die Ehe kritisch zu betrachten. Das unkonventionelle Leben der Colette, die auch Beziehungen zu Frauen hatte, spiegelt sich in ihren Büchern. Ihre größten schriftstellerischen Erfolge waren der Roman „Chérie“ (1920), in dem sie die unmögliche Liebe eines jüngeren Mannes zu einer älteren Frau schildert, und „Gigi“ (1944), in dem ein hübsches junges Mädchen eine vorteilhafte Heirat mit einem älteren Mann eingeht.
Auch als Journalistin war Colette erfolgreich. 1919 wurde sie Leiterin des literarischen Feuilletons von Le Matin. Die Franzosen wussten, was sie an der talentierten Schreiberin hatten, die schließlich zur Kultautorin avancierte. 1945 wurde sie als zweite Frau Mitglied der Schriftstellervereinigung Académie Goncourtsie, 1953 Grand Officier der  Ehrenlegion. Nach ihrem Tod 1954 erhielt sie als erste Frau Frankreichs ein Staatsbegräbnis.


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Verfasst von: Tanja Uhde

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