Lehrer ohne Hochschulreife

Niederlande 1993 Briefmarke van der Waals MiNr. 1484

1993 ehrten die Niederlande Johannes Diderik van der Waals philatelistisch, MiNr. 1484.

Weshalb können Tiere der Schwerkraft trotzen und senkrechte Wände hochkrabbeln oder gar kopfüber die Decke entlanggehen? Nun, manche nutzen äußerst schwache Bindungen, die zwischen Atomen und Molekülen entstehen können. An den Füßen eines Geckos beispielsweise wachsen Milliarden kleinster Haare. Jedes einzelne davon überträgt nur eine winzige Kraft, mit der sich die Echse an der Wand oder der Decke festhält. In ihrer Gesamtheit reichen die Kräfte aus, damit sich das Tier in allen Lagen sicher fortbewegen kann. Nicht verwechselt werden dürfen die Kräfte mit den Adhäsions- oder Klebekräften, ebenso wenig mit der Atombindung, der Kovalenz. Die von Geckos genutzte Wechselwirkung gehört zu den Anziehungskräften.
Benannt ist sie nach ihrem Entdecker, dem Niederländer Johannes Diderik van der Waals. Er untersuchte bereits während des Studiums das Verhalten der Moleküle. Die nach ihm benannten Kräfte entdeckte er 1869. Sie basieren auf der elektrischen Ladung, die wegen der Bewegung der Elektronen im Molekül permanenten Änderungen unterworfen ist. Gleiche Ladungen stoßen sich bekanntlich ab, ungleiche ziehen sich an. Die dabei entstehenden Kräfte sind für sich genommen äußerst klein. Nur durch Addition – siehe das Beispiel der Geckos – kommen große Kräfte zusammen. Zugleich haben die Van-der-Waals-Kräfte eine geringe Reichweite, sodass vielfach die gewöhnliche thermische Bewegung klar überwiegt.
Für seine Doktorarbeit schuf van der Waals 1873 ein Modell für Gase und Flüssigkeiten. Dabei bewies er, dass ein und dasselbe physikalische Grundprinzip für beide Aggregatzustände gilt. Somit war es leicht erklärbar, weshalb die Aggregatzustände nicht klar voneinander zu trennen sind, sondern ineinander übergehen. Für die Zustandsgleichung, die heute den Namen Van-der-Waals-Gleichung trägt, erhielt der Physiker 1910 den Nobelpreis.
Studieren konnte van der Waals, geboren am 23. November 1837, übrigens nur infolge einer Gesetzesänderung, denn er hatte in der Schule nicht die Hochschulreife erreicht. Dennoch arbeitete er als Lehrer und besuchte bereits zwischen 1862 und 1865 Vorlesungen und Seminare an der Universität Leiden, um seine Zulassungen für das Lehramt zu erweitern. Nach der 1873 erfolgreich bestandenen Dissertation erhielt er 1877 den Ruf an die Universität Amsterdam, an der bis 1908 einen Lehrstuhl für Physik innehatte. Am 8. März 1923, heute vor 90 Jahren, verstarb er.


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Verfasst von: Torsten Berndt

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