Gewaltiger Fortschritt für die Physik

1958 ehrte Frankreich den großen Wissenschaftler mit einer im Stichtiefdruck hergestellten Sondermarke, MiNr. 1182 (Abb. Schwaneberger Verlag).

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Lagrange-Dichte, Lagrange-Multiplikator, Lagrange-Resolvente – Joseph-Louis Lagrange hat sich mit zahlreichen Arbeiten in das Geschichtsbuch der Mathematik und Physik eingeschrieben. Dass er weniger Bekanntheit erlangte als beispielsweise Leonhard Euler, dem er 1766 als Direktor der Preußischen Akademie der Wissenschaften folgte, hängt einfach damit zusammen, dass Lagrange vor allem theoretisch arbeitete.
Das Königsberger Brückenproblem, dessen Unlösbarkeit Euler mathematisch bewies, kann ein jeder nachvollziehen, wenn auch vielleicht ohne die Gleichungen. Der Lagrange-Formalismus, um ein Beispiel zu nennen, erregte kein allgemeines Aufsehen, war für die Physik aber deutlich wichtiger, erweiterte er doch die Möglichkeiten zur Berechnung mechanischer Abläufe. Isaac Newtons Mechanik setzte nämlich voraus, dass sich Körper geradlinig und gleichförmig bewegen; man spricht von einem Inertialsystem. Lagranges Arbeit erlaubte es, auch beschleunigte Körper zu analysieren. Was einen gewaltigen Fortschritt für die Wissenschaft bedeutete, hinterließ in der Öffentlichkeit keine Spuren. Im Prinzip gilt dies für die Theoretische Physik bis heute, auch wenn es Peter Higgs mit dem vor Kurzem mutmaßlich nachgewisesenen Higgs-Boson gelungen ist, diese Disziplin etwas mehr in den Fokus zu rücken.
Joseph-Louis Lagrange war zwar französischer Abstammung, wuchs aber in Turin auf. In den Büchern steht denn auch als Geburtsname Giuseppe Lodovico Lagrangia. Geboren am 25. Januar 1736 wandte er sich gegen Ende seiner Schulzeit der Mathematik zu und erlernte im Selbststudium binnen eines Jahres das gesamte mathematische Wissen seiner Zeit. Bereits mit 19 Jahre lehrte er an der Turiner Königliche Artillerieschule Mathematik. Kurz darauf publizierte er erstmals zur Variationsrechnung und zu Differentialgleichungen. Als 1757 die Turiner Akademie ins Leben trat, zählte Lagrange zu den Mitbegründern.
Neun Jahre später trat er Eulers Nachfolge in Berlin an, berufen von Friedrich II. Bis zu dessen Ableben wirkte Lagrange in Preußen und beschäftigte sich mit mathematischen und astronomischen Problemen. 1787 zog er nach Paris und veröffentlichte 1788 sein bekanntestes Werk, die „Mécanique analytique“. Maximilien de Robespierre und seinen Vasallen galt er zwar wegen seiner Herkunft als Ausländer, durfte aber mit einer Ausnahmegenehmigung über 1793 hinaus in Frankreich forschen. 1795 berief ihn die École Normale Súperieure, kurz darauf das gerade gegründete Institut de France. Zwei Jahre darauf erhielt er einen Ruf an die École Polytechnique.
Napoléon Bonaparte ehrte Lagrange mit der Erhebung in den Grafenstand und der Ernennung zum Senator. Als Joseph-Louis Lagrange am 13. April 1813 verstarb, wurde er im Panthéon aufgebahrt.


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Verfasst von: Torsten Berndt

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