Surreale Fantasie und Abstraktion

„Wichtiger als ein Kunstwerk selbst ist seine Wirkung. Kunst kann vergehen, ein Bild zerstört werden. Was zählt, ist die Saat.“ (Joan Miró)

Hommage an Picasso von Joan Miro auf spanischer Briefmarke von 1981Kenner sehen natürlich sofort, um welchen berühmten Maler es sich bei dem Schöpfer der nebenstehenden Briefmarke handelt. Ganz klar, und auch wenn groß „Picasso“ draufsteht, das Bild ist natürlich von Joan Miró, der seinem Kollegen hier per Briefmarke 1981 zum 100. Geburtstag gratulierte. Miró, heute vor 120 Jahren in Barcelona geboren, gehört mit seinen farbenfrohen und fantasievollen Werken zu den bekanntesten Künstlern des 20. Jahrhunderts. „Nach mir bist du es, der neue Türen öffnet“, hat Picasso ihm einst beschieden.

Mit dem Zeichnen begann er früh, als Jugendlicher übte Vincent van Gogh großen Einfluss auf ihn aus. Auf Wunsch seines Vaters absolvierte der junge Miró allerdings zunächst eine kaufmännische Ausbildung, nahm aber gleichzeitig Kunstunterricht. Zwei Jahre arbeitete er als Buchhalter, dann erlitt er einen Nervenzusammenbruch, was schließlich dazu beitrug, dass seine Eltern den Widerstand gegen ein künstlerische Ausbildung aufgaben; Miró durfte nun die private Kunstschule von Francesesc Galí besuchen, der ihn mit der Architektur von Antonio Gaudí und der Malerei der Moderne vertraut machte.

Tableau von Miró auf französischer Briefmarke von 1975Miró versuchte sich im Kubismus und unternahm mehrere Reisen nach Paris, wo er mit Pablo Picasso zusammentraf, im Jahr 1920 ließ er sich schließlich selbst in Paris nieder, wo er 1921 eine erste Einzelausstellung zeigte, allerdings ohne finanziellen Erfolg. Für den Schriftsteller Henry Miller illustrierte er dessen Buch „Das Lächeln am Fuße der Leiter“, auch Ernest Hemingway erwarb ein Bild Miròs. Der Maler zeigte sich interessiert am Dadaismus und schloss sich 1924 den Surrealisten um André Breton an, blieb jedoch durch seine stille Art ein Außenseiter, obwohl Breton selbst 1928 meinte: „Miró ist wahrscheinlich der Surrealistischste von uns allen.“ Beeinflusst von Malern wie Hans Arp, Max Ernst und Paul Klee entwickelte Miró ab 1930 seinen eigenen Stil und wurde jetzt auch international anerkannt. Er selbst sagte, dass viele seiner Werke auf Träume oder Halluzinationen zurückgingen.

Spanien-Logo von Joan Miró auf Briefmarke von 1990Zusätzlich zu seinen Gemälden widmete er sich nun auch Grafiken, Skulpturen, Keramiken, Wandteppichen und Wandgemälden. Im Jahr 1959 ließ er sich auf Mallorca nieder, wo er sich Wohnhaus und Werkstatt von seinem Freund, dem avantgardistischen Architekten Josep Lluís Sert, bauen ließ. Werkstatt und Atelier sind noch heute als Miró-Museum der Öffentlichkeit zugänglich. Zu seinen letzten Arbeiten gehört ein Logo, das er 1982 zur Fußball-Weltmeisterschaft entwarf und das in abgewandelter Form immer noch in der spanischen Tourismuswerbung verwendet wird. Auch auf spanischen Briefmarken ist es häufig zu finden.

Joan Miró, einer der wichtigsten Vertreter der Klassischen Moderne, starb am 25. Dezember 1983 und hinterließ ein Werk voller Fantasie, Abstraktion, Gegenstandslosigkeit und Symbolik, das noch heute begeistert.

Komposition von Miro auf tschechischer Briefmarke, Abbildung: Schwaneberger Verlag

 


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Verfasst von: Udo Angerstein

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