Norwegische Sprachverwirrung

Für die Norwegische Post war es wohl Ehrensache, Jørgen Moe (rechts) und Peter Christen Asbjørnsen auf einer Briefmarke zu würdigen, MiNr. 1797 (Abb. Schwaneberger Verlag).

Für die Norwegische Post war es wohl Ehrensache, Jørgen Moe (rechts) und Peter Christen Asbjørnsen auf einer Briefmarke zu würdigen, MiNr. 1797 (Abb. Schwaneberger Verlag).

Was den Deutschen die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm sind den Norwegern Jørgen Moe und Peter Christen Asbjørnsen. 1841 veröffentlichten sie ihre erste Sammlung norwegischer Volkserzählungen und -märchen. Anders als die Brüder Grimm, die Geschichten mitunter glätteten und interpretierten, hielten sich Moe und Asbjørnsen weitestmöglich an die mündliche Überlieferung.
Das führte mitunter zu Verständnisproblemen, da sich die Umgangssprache in dem dünn besiedelten Land, das bis 1814 unter dänischer und danach bis 1905 unter schwedischer Vorherrschaft stand, unterschiedlich entwickelt hatte. Bis heute gibt es im Norwegischen bekanntlich zwei amtlich anerkannte Sprachvarietäten, das ans Dänische angelehnte Bokmål und das Nynorsk, das auf den in ländlichen Gegenden gesprochenen Dialekten basiert. Neben den beiden amtlichen Varietäten kennt das Norwegische das dem Bokmål ähnelnde Riksmål und das auf einer ursprünglichen Standardisierung des Nynorsk aufbauende Høgnorsk. Dabei bleibt es aber nicht. Sprachwissenschaftler unterscheiden zwischen vier Hauptdialektgruppen, in denen sich jeweils Untergruppen gebildet haben.
Trotz der norwegischen Sprachverwirrung versuchten Moe und Asbjørnsen in den Überarbeitungen, die Sammlungen allgemein verständlich zu machen, ohne den sprachlichen Charakter der einzelnen Erzählungen und Märchen zu stark zu verändern. Dabei kam ihnen ihre unterschiedliche Herkunft zu Hilfe.
Moe stammt aus Hole, wo er am 22. April 1813, heute vor 200 Jahren zur Welt kam. Hole liegt in der südnorwegischen Provinz Buskerud und zählt heute gut 6300 Einwohner. Asbjørnsen, geboren am 15. Januar 1812, wuchs in der Hauptstadt Kristiania und im Gulbrandstal mit Lillehammer als Zentrum auf. Um 1826/27 lernten sie sich kennen. Während Moe Theologie studierte, schrieb sich Asbjørnsen in Forstwissenschaften ein.
Ihr gemeinsames Interesse galt aber der Erforschung des norwegischen Volkstums. Nach Veröffentlichung ihrer ersten Sammlung, die auf den in Moes und Asbjørnsens Umgebung kursierenden Erzählungen und Märchen basierte, bereisten beide in den Folgejahren gemeinsam ganz Norwegen. Bis 1848 komplettierten sie ihre Sammlung.
Zu dem Zeitpunkt hatte Moe bereits eine Professur für Theologie an der Krigsskolen übernommen, an die er 1845 berufen worden war. Sechs Jahre später veröffentlichte er den Kinderbuchklassiker „I Brønden og i Kjærnet“. 1853 zog er als Kaplan nach Sigdal bei Kristiania und legte erste eigene Gedichte vor. Sein Weg führte ihn über Pfarrstellen im Drammener Ortsteil Bragernes und in Vestre Aker auf den Bischofsstuhl des Bistums Agder in Kristiansand. Dort verstarb er am 27. März 1882, kurz nachdem er sein Amt aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben hatte.
Asbjørnsen wandte sich den Forstwissenschaften zu. Er legte zahlreiche Studien vor, die unter anderem auf Beobachtungen während seiner Tätigkeit als Forstmeister basierten. Auf diese Position war er als erster Norweger 1858 nach einem Studienaufenthalt im sächsischen Tharandt berufen worden. Daneben veröffentlichte er unter anderem einen Bericht von einer Reise nach Ägypten und machte sich um die Verbreitung der Erkenntnisse Charles Darwins in Norwegen verdient. Am 6. Januar 1885 verstarb er in Kristiania.


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Verfasst von: Torsten Berndt

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