„Also nachm Krieg, um sechs Uhr abends“

Briefmarke der Tschechoslowakei 1983 zum 100. Geburtstag von Jaroslav Hasek„… für die Lachlust in diesem Winter ist ausgesorgt: kein Artikel eines preußischen Kunstkonservators, keine deutsche Briefmarke, kein deutscher Juristentag ist vonnöten, um ungeheure Heiterkeit zu erregen – Schwejk ist da! Schwejk der Zweite“, freute sich Kurt Tucholsky im Dezember 1926 in der „Weltbühne“. Der zweite Teil der „Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ war soeben in Deutschland erschienenen und Tucholsky schwer begeistert: „Es sind wieder Geschichten von so atembeklemmendem Wahnwitz in dem Buch, wie sie nur ein ungeheurer Bierbräu- und Schnapssäufer in tiefen Nachtstunden erfinden kann …“ Erfunden hatte diese Geschichten der tschechische Schriftsteller Jaroslav Hašek, der heute, am 30. April, vor 130 Jahren in Prag auf die Welt gekommen ist.

Briefmarke aus Bulgarien 1983 zum 100. Geburtstag von Jaroslav HasekHašek war ein Erfolg im bürgerlichen Leben nicht gegönnt, er scheiterte in und an diversen Ausbildungen und Berufen, bevor er sich endgültig mit der Schriftstellerei seinen Lebensunterhalt verdienen konnte. An die 2000 Humoresken, Artikel und Kurzgeschichten verfasste Hašek Zeit seines Lebens unter etwa 100 Pseudonymen, vorwiegend in Kneipen, wo er sich zugleich eifrig dem Alkoholkonsum widmete. Kurzzeitig wurde er, ehemaliger Anarchist, inzwischen verheiratet, ab 1910 Redakteur der Zeitschrift „Welt der Tiere“, wodurch er unter Zoologen einiges Aufsehen erregte, da er Artikel über erfundene Tiere veröffentlichte, was dem Ansehen der Zeitschrift abträglich war und zu seinem Rauswurf führte.

Schwejk auf sowjetischer Briefmarke 1983Danach war eine Weile im Handel mit gestohlenen Hunden tätig und trat für die „Partei des maßvollen Fortschritts in den Grenzen der Gesetze“ an, deren Wählern er ein Taschenaquarium versprach. Im Ersten Weltkrieg diente er in einem Böhmischen Infanterie Regiment, geriet in russische Kriegsgefangenschaft und kehrte 1920 als Kommunist und mit einer neuen, russischen, Ehefrau nach Prag zurück, hatte sich vorher jedoch nicht seiner anderen Ehefrau scheiden lassen. Anfang 1921 begann er mit der Arbeit an dem Roman „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk während des Weltkrieges“, teilweise in Wirtshäusern, wo er den Gästen gleich daraus vorlas. Illustriert von seinem Freund Josef Lada, erschienen die ersten Abenteuer in wöchentlichen Heften, bevor Hašek einen Verleger finden konnte.
Schwejk auf Briefmarke von Tschechien 1997Der satirische Antikriegsroman um den bauernschlauen Schwejk, der sich für „nachm Krieg, um sechs Uhr abends“ mit einem Kumpan in der Kneipe verabredet, gehört heute zur Weltliteratur. Hašek widmete diesem Buch seine letzten Lebensjahre, bereits schwer erkrankt und von jahrelangem Alkoholkonsum gezeichnet konnte er nicht mehr selbst schreiben und diktierte den Text in großer Hast einem Schreiber. Am 23. Januar 1923 starb Jaroslav Hašek im Alter von nur 39 Jahren, das Manuskript seines einzigen, weltberühmten Romans blieb unvollendet.


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Verfasst von: Udo Angerstein

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