Ein Leben in Schwermut

Briefmarke von Soren Kierkegaard, Daenemark 1955Søren Aabye Kierkegaard, der bedeutendste dänische Philosoph und Wegbereiter der Existenzphilosophie, wurde heute vor 200 Jahren im damals beschaulichen Kopenhagen geboren. Wie wurde Kierkegaard zu dem, was er war, ein nachdenklicher, suchender Mensch, der unter großer Schwermut und innerer Zerrissenheit litt? Prägend war sein Vater, ein Großkaufmann, der tief religiös war und dem die Schwermut ebenso wenig fremd war wie seinem Sohn. Zugleich hatte er großen Anteil daran, dass Fragen der Religion für seinen Zögling zu einem Lebensthema wurden. Kierkegaard junior bekannte sich stets zur Idee des Christentums, wandte sich aber vehement gegen die Amtskirche. Als der Vater 1838 starb und die enge Bindung zerbrach, war das für ihn ein schwerer Schlag.

1841 schloss Kierkegaard sein Studium der Philosophie und Theologie ab. Die Zeitspanne, in der er sein bis heute viel zitiertes Werk schuf, ist mit nur zwölf Jahren verhältnismäßig kurz. Ein Schlaganfall sollte ihn im Alter von nur 42 Jahren aus dem Leben reißen. Kierkegaard gab alle seine Werke ohne Verlag und auf eigene Kosten heraus, was ihm dank seines Erbes möglich war. Bekannt wurde er 1843 mit dem Werk „Entweder – Oder“, in dem er das Ästhetische und das Ethische als zwei Stadien beschreibt. Das dritte Stadium, das seiner Auffassung nach die Religion bildet, beschreibt er in der Schrift „Furcht und Beben“, die im gleichen Jahr erschien. Die größtenteils philosophischen Abhandlungen der ersten Schaffensjahre veröffentlichte Kierkegaard unter einem Pseudonym, um Werk und Autor voneinander abzugrenzen.

Das änderte sich in der zweiten Phase seiner produktiven Zeit, die um 1847 begann und in der die Theologie im Zentrum seines Denkens stand. Seine beiden letzten großen Schriften waren „Die Krankheit zum Tode“ und „Die Einübung in das Christentum“. Nur im persönlichen Leiden drückt sich das wahre Christentum aus, schlussfolgert er dort. In seinen letzten Lebensjahren vollzog er einen verbalen „Kirchensturm“, indem er die dänische Amtskirche in Grund und Boden schrieb. Er propagierte das wahre Christentum, von dem er ein für den Normalsterblichen kaum erreichbares Idealbild schuf.

Die seelische Konstitution Kierkegaards mag sein denkerisches Werk beflügelt haben, gleichzeitig aber blockierte sie vieles. So erklärte er die Auflösung seiner Verlobung mit Regine Olsen, der wichtigsten und einzigen Frau in seinem Leben, nicht zuletzt mit seiner großen Schwermut. In seinem letzten Lebensjahrzehnt soll er sozial weitgehend isoliert gewesen sein. Kierkegaard beeinflusste in Deutschland die Dialektische Theologie und Philosophen wie Martin Heidegger und Karl Jaspers.

Briefmarke von Soren Kierkegaard, Faeroer 2013


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Verfasst von: Tanja Uhde

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