Ein Sessel, eine Bank, ein Teeservice

Briefmarke der DDR von 1980 mit dem Bauhaus in Dessau.Walter Gropius ist allgegenwärtig. Ein Besuch beim Möbelhaus IKEA reicht, um zu verstehen, wie sehr der Gründer des Bauhaus die Vorstellungen von Design geprägt hat und bis heute prägt. Und das, obwohl sein Design-Werk nicht viel mehr als einen Sessel, eine Bank und ein Teeservice umfasst. Im Fokus des heute vor 120 Jahren geborenen Architekten stand stets das Funktionale, Unkomplizierte, kein Luxus, sondern Massentauglichkeit. Er gilt als Vorreiter der Klassischen Moderne auf allen Gebieten der freien und angewandten Kunst.

Briefmarke aus Deutschland von 2004 mit den Meisterhäusern in Dessau von Walter Gropius„Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau“, hieß es im Gründungsmanifest des Staatlichen Bauhauses, das Gropius 1919 in Weimar als Kunstschule ins Leben rief. Damit meinte er, dass Architektur als Gesamtkunstwerk zu verstehen ist und mit allen anderen Künsten eine Verbindung eingehen soll. Einen Künstler betrachtete er letztlich als Handwerker. Es gelang ihm, Künstler wie Lyonel Feininger, Johannes Itten, Josef Albers, Paul Klee, Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer für das Bauhaus zu gewinnen.

Briefmarke aus Deutschland von 1983 mit dem Bauhaus-Archiv von Walter Gropius.Walter Gropius wagte eine völlig neue Architektur, die dem veränderten Lebensstil des modernen Menschen entsprach. Er wandte sich ab 1926 dem Massenwohnbau zu, mit dessen Hilfe er die städtebaulichen und sozialen Problem zu lösen suchte. Erstmals setzte er diese Ideen mit der Siedlung „Am Lindenbaum“ um, die als Teil des Projektes „Neues Frankfurt“ die Wohnungsnot beseitigen sollte. Im Kopf hatte Gropius eine Architektur, die im Dienste des Menschen steht. Seine Zeitgenossen aber reagierten verhalten auf seine kühle und karge Formensprache. Ihre Funktion mögen Gropius Bauwerke wohl erfüllen, ein Gefühl der Geborgenheit hingegen können sie schwer vermitteln. Nicht zuletzt hat Gropius mit seinem Werk, wohl gemeinsam mit dem Franzosen Le Corbusier, den Grundstein für die industrialisierte Plattenbauweise weltweit gelegt, mit all ihren Vor- und Nachteilen.

Dass die NationalsozialistenBriefmarke der DDR von 1980 mit dem Konsum in Dessau von Walter Gropius. das Bauhaus ablehnten, lag darin begründet, dass seine Lehrer und Schüler als links galten. Die Nazis sprachen vom Bauhaus als „Kirche des Marxismus“. Auf Grund politischer Repressionen war die Architekturschule im Juli 1933 schließlich zur Selbstauflösung gezwungen. Wie viele seiner Mitstreiter kehrte Walter Gropius seiner Heimat den Rücken und emigrierte 1934 nach England und drei Jahre später in die USA. Als Professor für Architektur an der „Graduate School of Design“ der Harvard University machte er die Ideen des Bauhaus auch in Übersee bekannt.

In den USA entwickelte Gropius, gemeinsam mit Konrad Wachsmann, das Fertigbausystem „General-Panel“. Dabei kam der von Wachsmann kreierte universelle Standardknoten zum Einsatz, ein vierteiliges Verbindungselement, mit dem Bauteile in vertikaler und horizontaler Richtung montiert werden können. 1946 gründete Gropius das Architekturbüro „The Architects Collaborative“ (TAC), das für die Planung zahlreicher bekannter Bauwerke verantwortlich zeichnet, so das Harvard University Graduate Center oder die Universität Bagdad. Gropius starb am 5. Juli 1969 in Boston, Massachusetts.

Zu den bekanntesten Werken des Architekten gehören das 2011 zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärte Fagus-Werk in Alfeld, das Bauhaus in Dessau, die Siedlung „Siemensstadt“ in Berlin, Interbau im Hansaviertel Berlin, der Pan-Am-Wolkenkratzer in Manhattan und die Gropiusstadt in Berlin-Neukölln.


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Verfasst von: Tanja Uhde

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