Gepflastert mit guten Vorsätzen: der Königsweg des George III. von England

George III auf BriefmarkeNicht selten scheiden sich die Geister an der Beurteilung von historischen Persönlichkeiten. Der eine bewertet die Bedeutung eines Monarchen für sein Land, der nächste urteilt aus der modernen Perspektive heraus, inwieweit politische Mitwirkung und demokratische Prozesse gefördert oder unterdrückt wurden. Wieder andere suchen den Menschen und finden individuelle Vorzüge oder Nachteile. Doch manchmal greifen diese Muster nicht oder nur ungenügend, wie bei dem englischen König George III., der heute vor 275 Jahren das Licht der Welt erblickte.

Der am 4. Juni 1738 in London geborene George war der erste Herrscher aus dem Hause Hannover, der in England selbst zur Welt kam und die Sprache seiner Untertanen als „native speaker“ beherrschte. In seine Regierungszeit fielen zentrale Ereignisse für die weitere Entwicklung des britischen Empires. Kanada wurde den Franzosen abgenommen, ebenso die Vorherrschaft in Indien erstritten. Andererseits verlor Großbritannien unter George III. seine dreizehn Kolonien in Nordamerika. Das war natürlich die Geburtstunde der USA und somit für uns von größter historischer Bedeutung. Ebenso verhielt es sich mit der Niederwerfung Napoleon Bonapartes, die unter Georges Herrschaft gelang, nachdem England zwischenzeitlich als isolierte Insel vor der Küste Europas allein gegenüber dem französischen Kaiser ausharren musste. Krise und Triumph – eigentlich die Zutaten für eine Verherrlichung.

Australische Sondermarke zu Ehren GeorgesInnenpolitisch sah das aber ganz anders aus. Der Regent und das Parlament fochten heftige Auseinandersetzungen aus. Insbesondere die Person des Premierministers war umstritten. Für manchen politischen Zeitgenossen stellte der König den bösen Autokraten dar. Andererseits zeigten sich in etlichen Streitpunkten einfach nur die noch bestehenden Schwächen der Konstitutionellen Monarchie. Juristische Unklarheiten mussten ausgeräumt werden, diese führten immer wieder zu machtpolitischen Verwerfungen. Viele Schmähschriften erschienen zulasten des Königs, doch muss man ergänzen, dass diese Anwürfe nicht wirklich die Stimme des Volkes repräsentierten. Denn das Volk – zumindest gilt dies für weite Teile – schätzte seinen Monarchen. Das war vor allen Dingen seinen privaten Eigenschaften geschuldet. George war sehr fromm, persönlich untadeliger Natur – also im Gegensatz zu vielen Standesgenossen treu in der Ehe und wenig genussüchtig – und er pflegte darüber hinaus ehrliches Interesse für das Leben seiner Untertanen. Insbesondere die Landwirtschaft hatte es ihm angetan, daher auch sein Spitzname „Farmer George“. Dass derselbe Mann, der zur Finanzierung seiner Kriege das Volk finanziell belastete, von diesem als Mann des Volkes gewürdigt wurde, kann wiederum nur mit der allzu menschlichen Natur alles Irdischen erklärt werden.

Byron BriefmarkeSogar Lord Byron, der einen der berühmtesten satirischen Nachrufe der Literaturgeschichte verfasst hatte, differenzierte in seiner „Vision of Judgement“: George sei persönlich kein Tyrann gewesen, hätte aber solche beschützt. Seine Minister seien tatsächlich viel schlimmer gewesen. Interessanterweise wurde die auffälligste Schwäche des Königs kaum ausgeschlachtet. George III. litt unter einer erblich bedingten Stoffwechselerkrankung, die ihm Schübe vollkommener Unzurechnungsfähigkeit bescherte. Obwohl jede dieser Phasen politisch für große Unruhe sorgte, litt das Ansehen seiner Person relativ wenig darunter. Ein neuere Untersuchung über den König im Spiegel der zeitgenössischen Satire belegt dies. Seine politischen Niederlagen findet man dort schon, insbesondere den Verlust der amerikanischen Besitzungen, auch der eine oder andere Witz über das bodenständige Naturell seiner Majestät wird gerissen, aber der Tenor blieb augenzwinkernd.

Vielleicht sparte man sich die wirklich bösen Pointen für den Nachfolger des seit 1811 in Abgeschiedenheit lebenden, umnachteten Königs auf. George IV. zeigte seinen Untertanen, was sie an seinem Vater hatten. Das erkannten auch die Kritiker bald, sobald sie ins Gefängnis wanderten…

George IV auf Ersttagsbrief


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Verfasst von: Jan Sperhake

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