Der Weg in den totalen Überwachungsstaat

„In Zeiten universeller Täuschung ist das Aussprechen der Wahrheit ein revolutionärer Akt.“ (George Orwell)

George Orwells 1984 auf Briefmarke aus San Marino von 1998Was für ein Kerl! Erst Kolonialpolizist, dann obdachloser Tagelöhner, schließlich Schriftsteller, Journalist, und Kämpfer im spanischen Bürgerkrieg, in dem er durch den Hals geschossen wurde, weil er so groß war, dass er über den Schützengraben hinaus ragte. Später schrieb der Sozialist eine bittere Fabel über den Verrat des Kommunismus an den Menschen, aus dem einige Zitate in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen sind: „Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher als die anderen“ aus der 1945 erschienenen „Farm der Tiere“ ist so ein Fall. Damit hat er seinen ersten literarischen Ruhm in der Welt geerntet, so richtig weltberühmt ist er dann aber mit seinem nächsten Werk geworden, der düsteren Utopie „1984“, die kurz vor seinem Tod erschienen ist. Geboren wurde Eric Arthur Blair vor 110 Jahren am 25. Juni 1903 in dem kleinen indischen Dorf Motihari, wo sein Vater für das „Opium Department“ arbeitete. Im Alter von einem Jahr brachte ihn seine Mutter nach England, seinen Vater sah er erst im Jahr 1907 und dann 1912 wieder, als dieser für kurze Zeit nach England kam.

Nach dem Schulbesuch und einem Studium in Eton ging er im Jahr 1922 nach Burma, wo er für die Kolonialpolizei arbeitete. Nach fünf Jahren quittierte er den Dienst: Zum einen wollte er Schriftsteller werden, zum anderen nicht länger ein politisches System unterstützen, an das er nicht mehr glauben konnte. Die nächsten Jahre waren hart: Zwar schrieb er unermüdlich, lebte aber gleichzeitig mehr oder weniger auf der Straße in London und später in Paris, bevor er 1935 einen Teilzeitjob in einem Buchladen ergattern konnte. Eine produktive Zeit: Morgens arbeitete er im Laden, nachmittags schrieb er, er heiratete und der „Left Book Club“ schickte ihn nach Nordengland, um das Leben der Bergarbeiter zu dokumentieren, fand allerdings keinen Gefallen an den literarischen Ergebnissen … Blair, der inzwischen unter dem Namen George Orwell (nach dem Fluss „Orwell“ und dem Heiligen Georg) publizierte, ging Ende 1936 nach Spanien, wo er eigentlich Artikel über den Bürgerkrieg schreiben wollte, dann aber auf Seiten der spanischen Brigaden kämpfte und schwer verwundet wurde. Mit Mühe konnte er nach Frankreich fliehen, hatte aber zwei Dinge mitgenommen: Die Erfahrung, dass Sozialismus, Gleichheit, Kameradschaft zumindest zeitweise tatsächlich möglich sind, aber auch die Einsicht, dass die menschliche Natur offenbar immer versucht, Macht über andere zu gewinnen und Gewalt auszuüben.

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1938 erkrankte er an Tuberkulose, bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wollte er kämpfen, wurde aber als untauglich abgelehnt, stattdessen arbeitete er für die BBC und später als Kriegsberichterstatter. Sein Hass auf jegliche Art des Totalitarismus und die Enttäuschung über den Verrat des Stalinismus an der Revolution mündeten in die Satire „Die Farm der Tiere“, die 1945 nach dem plötzlichen Tod seiner Frau erschien und seinen literarischen Durchbruch bedeutete.
George Orwell auf tschechischer Briefmarke  von 2013Seine letzten Lebensjahre verbrachte Orwell auf einer Insel vor der schottischen Küste, im steten Kampf gegen die Tuberkulose und mit seinem utopischen Roman „1984“, der eine der düstersten Zukunftsversionen der Literatur darstellt: „Wenn Sie ein Bild von der Zukunft haben wollen, so stellen Sie sich einen Stiefel vor, der auf ein Gesicht tritt. Unaufhörlich“.
Im Juni 1949 erschien „1984“, der enorme Erfolg des Romans kam jedoch zu spät für Orwell, der am 21. Juni 1950 nach einem kompletten körperlichen Zusammenbruch im Alter von 46 Jahren starb. Orwells „Big Brother is watching you“, die Schreckensvision des totalen Überwachungsstaates, scheint heute aktueller denn je, dass die Menschen heutzutage via Internet allerdings alles freiwillig von sich preisgeben, hätte er sich wohl nicht vorstellen können …


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Verfasst von: Udo Angerstein

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