Friedrich dem Großen die Flötentöne beibringen

Adolph von Menzels Gemälde gibt die historische Szene gemäß der Überlieferung wieder, MiNr. 764.

Adolph von Menzels Gemälde gibt die historische Szene gemäß der Überlieferung wieder, MiNr. 764.

Auf Adolph von Menzels berühmtem Bild „Flötenkonzert in Sanssouci“ steht er am Rande. Den Mittelpunkt bildete natürlich seine Majestät höchstselbst, am Cembalo saß niemand Geringeres als Carl Philipp Emanuel Bach. Als Bernd Görs einen Ausschnitt des Gemäldes auf der Berliner Sondermarke zum 200. Todestag Friedrichs des Großen platzierte, fehlte der Mann, dem wir unser aktuelles Kalenderblatt widmen möchten.
Am 12. Juli 1773 verstarb in Potsdam Johann Joachim Quantz, mehr als 40 Jahre lang der Flötenlehrer Friedrichs II. Historiker gehen davon aus, dass der König nicht unbedingt zu den großen Talenten dieses Faches zählte, Friedrichs Konzerte für den Hof eher ein Pflichtprogramm denn ein Vergnügen darstellten. Quantz gelang es indessen, dem menschlich nicht gerade einfachen Monarchen so nahe zu kommen, dass er es als einziger wagen konnte, Friedrichs Spiel kritisieren zu dürfen. Sogar im Feldlager ließ sich Friedrich zeitweise von Quantz unterrichten.
Johann Joachim Quantz wurde am 30. Januar 1697 in Oberscheden im Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg geboren, war also Untertan der Welfen. Als erster Vorname ist „Hanß“ im Register eingetragen. Sein Vater arbeitete als Hufschmied. Bereits 1702 und 1707 verlor Quantz seine Eltern. Er kam in die Obhut des Stadtmusikus‘ von Merseburg, seines Onkels. Justus Quantz erteilte gemeinsam mit dem Organisten Johann Friedrich Kiesewetter, Gemahl von Quantzens Cousine, Quantz Musikunterricht. In der Zeit erlernte er nicht weniger als elf Instrumente: Blockflöte, Fagott, Gambe, Kontrabass, Oboe, Posaune, Trompete, Violine, Violoncello, Waldhorn und Zink. Bereits 1714 wurde Quantz Stadtpfeifer von Pirna.
1717 nahm er Studien in Wien auf, ab 1818 ließ er sich vom französischen Virtuosen Pierre-Gabriel Buffardin in der Querflöte unterrichten. Im selben Jahr trat er in die Polnische Kapelle August II. ein, als Oboist. Seine Ausbildung in der Komposition setzte er zwischen 1724 und 1726 mit einer Studienreise nach Italien fort. Dort stand der Kontrapunkt im Mittelpunkt seines Pensums. Mit Alessandro Scarlatti und Antonio Vivaldi lernte er zwei der seinerzeit wichtigsten Tonsetzer kennen. Dem Aufenthalt in Italien schloss sich eine Studienreise nach Frankreich und England an. Auf der Insel hatte sich die Frühklassik bereits soweit etabliert, dass Quantz weitere Anregungen für eigenes Schaffen fand. Georg Friedrich Händel war von Quantzens Talent dermaßen überzeugt, dass er versuchte, ihn in England zu halten.

1973 brachte Ernst Finke ein Porträt Quantzens ins Markenformat. Hans Joachim Fuchs stach es, MiNr. 454.

1973 brachte Ernst Finke ein Porträt Quantzens ins Markenformat. Hans Joachim Fuchs stach es, MiNr. 454.

1728 aber kehrte Quantz nach Sachsen zurück. Diesmal wirkte er in der Kurfürstlich-Sächsischen und in der Königlich-Polnischen Kapelle als Flötist. Nach einer Begegnung mit Friedrich begann Quantz den Kronprinzen zu unterrichten – gegen den Willen des Vaters. Friedrich Wilhelms I., in die Geschichtsbücher als der „Soldatenkönig“ eingegangen, verbot Friedrich den Musikunterricht kurzerhand. Insgeheim gab Quantz aber weiterhin Stunden. Friedrich Nicolai erzählte gern die Anekdote, Quantz habe sich bei einer Kontrolle vor Friedrich Wilhelm im Schrank verstecken müssen.
Nach dem Thronwechsel stellte Friedrich dann Quantz nicht nur als Flötenlehrer, sondern auch als Kammermusikus und Hofkomponisten an. Fortan genoss Friedrich täglich Flötenunterricht. Daneben leitete Quantz die Hauskonzerte am Hof und schrieb Flötenkonzerte, Solosonaten für Flöte, kammermusikalische Werke vom Flötenduo bis zum -quartett, Lieder, Kirchenmusik und Hornkonzerte. Allein die Zahl der Flötenkonzerte liegt bei rund 300, die Zahl der Flötensonaten bei mehr als 200. Nicht erst heute sind sie, wie Quantzens Schaffen allgemein, vor allem Experten bekannt. Schon zu seinen Lebzeiten erschienen nur wenige Kompositionen gedruckt.
Größere Verbreitung fand sein 1752 publizierter „Versuch einer Anweisung die Flöte traversière zu spielen“. Das Buch überdauerte bis in unsere Tage; derzeit sind zwei Ausgaben im Buchhandel lieferbar. Auf den ersten Blick präsentierte Quantz eine Flötenschule. Seine Leser erkennen aber bis heute, dass er die Ästhetik und Aufführungspraxis des Spätbarocks anschaulich und nachvollziehbar beschreibt. Da seit einiger Zeit die historische Aufführungspraxis höchst gefragt ist, findet Quantz somit momentan vermutlich mehr Leser als zu Lebzeiten.


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Verfasst von: Torsten Berndt

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