„A Little Yes, and a Big No“

1993 wäre George Grosz 100 Jahre alt geworden. Die Deutsche Bundespost würdigte ihn im Rahmen der Serie „Deutsche Malerei des 20. Jahrhunderts“ mit der Reproduktion des Gemäldes „Café“, MiNr. 1656.

1993 wäre George Grosz 100 Jahre alt geworden. Die Deutsche Bundespost würdigte ihn im Rahmen der Serie „Deutsche Malerei des 20. Jahrhunderts“ mit der Reproduktion des Gemäldes „Café“, MiNr. 1656.

So nannte George Grosz seine 1946 zunächst in den USA, neun Jahre später dann auch in Deutschland erschienene Autobiographie. Als Georg Ehrenfried Gross war er am 26. Juli 1893 in Berlin zur Welt gekommen. Mit 23 Jahren gab er sich einen neuen Namen. Der alte passte ihm nicht mehr, war ihm zu bürgerlich, zu deutsch.
Grosz Ablehnung des Konservativ-Bürgerlichen und des im deutschen Bürgertum gepflegten Nationalismus und Militarismus war nicht nur durch den beginnenden Ersten Weltkrieg und seine kurze Zeit beim Militär entstanden. Sie war auch durch seinen künstlerischen Blick auf den deutschen, städtischen Klassen-Alltag geschärft worden. Das Malen und Zeichnen hatte Grosz zwischen 1909 und 1917 nicht nur an der Königlichen Akademie in Dresden und der Berliner Kunstgewerbeschule gelernt, sondern auch in den Straßen und Cafés der deutschen Hauptstadt. Und in Paris, wo er noch Unterricht an der progressiven Académie Colarossi genommen hatte.
Für George Grosz war der Dadaismus nach dem Krieg eine Art, mit einer bizarren Wirklichkeit und der bigotten Gesellschaft, die diese und sich selbst reproduzierte, umzugehen. Grosz war ein Protagonist des Berliner Dadas. Wie John Heartfield, vormals Helmut Herzfeld, der 1917 mit seinem Bruder Wieland den einflussreichen Malik-Verlag gegründet und im selben Jahr die „Erste George Grosz-Mappe“ herausgegeben hatte, beteiligte er sich 1920 auch an der „Ersten Internationalen Dada-Messe“. Wegen seiner Lithographien-Mappe „Gott mit uns“ wurde Grosz danach zu einer Geldbuße verurteilt. Er hatte die Reichswehr „beleidigt“.
Grosz sah die Dinge zunehmend praktischer, politischer. 1919 trat er der Kommunistischen Partei Deutschlands bei. 1923 kritisierte er den Kunstbetrieb als Spielzeug kapitalistischer Ästheten. Kunst und Künstler dürften nicht abgehoben, individualistisch und eskapistisch, sondern sollten zugänglich für die proletarische Klasse sein. Aus der KPD trat Grosz allerdings wieder aus, nachdem er 1922 die kommunistische Diktatur in der Sowjetunion mit eigenen Augen gesehen hatte.
Von der städtischen Szenerie Berlins ausgehend, blieben seine Arbeiten aber unmissverständlich gesellschaftskritisch. Grosz stand für eine furchtlos satirische und karikierende, veristische Neue Sachlichkeit. Auch die Mappe „Ecce Homo“ mit Lithographien und Aquarellen zog 1924 wegen „unmoralischer Inhalte“ eine Verurteilung samt Geldstrafe nach sich. 1925 folgte „Der Spießer-Spiegel“. Bei „Stützen der Gesellschaft“ handelte es sich im Jahr darauf um ein Ölgemälde. „Das Gesicht der herrschenden Klasse“, so ein weiterer Grosz-Titel, zeigte sich hier im Zusammenspiel von bornierter und verlogener konservativer Politik, Kirche und Presse.
Grosz arbeitete auch für Theater und Film. 1928 zeichnete er zum Beispiel für einen Trickfilm, der im Kontext einer Piscator-Inszenierung von „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ lief. Die Klage wegen „Gotteslästerung“, die unter anderem seine dabei verwendete Arbeit „Maul halten und weiter dienen“ bewirkte, mündete erst 1931 in einen Freispruch.
Anfang der dreißiger Jahre ging Grosz nach Amerika. 1932 zunächst vorübergehend als Dozent an der Art Students League in New York, 1933 dann ganz. Unter den Nationalsozialisten waren seinen Arbeiten beispielhafte „Entartete Kunst“, wurden beschlagnahmt und aus der Öffentlichkeit entfernt, viele auch vernichtet.
Seit 1938 amerikanischer Staatsbürger, veröffentlichte Grosz Zeichnungen für bekannte amerikanische Zeitschriften, das Museum of Modern Art widmete ihm 1941 eine Retrospektive. Internationale Bekanntheit hatte er schon in den zwanziger Jahren erlangt, allerdings war der finanzielle Ertrag seiner künstlerischen Arbeit in den USA nun geringer als in den Jahren der Weimarer Republik. Grosz war weiterhin als Kunst-Dozent tätig. Seine Werke, nunmehr auch Landschaftsmalerei und Akte, waren in diesen späteren Jahren anders. Grosz blickte zwar auch auf die düsteren Geschehnisse des Krieges, aber abgewandter, eher wehmütig und bitter als dabei noch angriffslustig.
Mit seiner Frau Eva ging Grosz 1959 nach Deutschland zurück. Dafür hatte er lange gebraucht, zu einer Professur im jungen Nachkriegs-Berlin hatte er einige Jahre zuvor noch „Nein“ gesagt. In Berlin starb George Grosz schon kurz nach seiner Rückkehr am 6. Juli 1959. Marius Prill


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Verfasst von: Marius Prill

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