„Handbuch der theoretischen Chemie“

Zum 200. Geburtstag ehrte die Deutsche Bundespost Leopold Gmelin philatelistisch, MiNr. 1377 (Abb. Schwaneberger Verlag).

Zum 200. Geburtstag ehrte die Deutsche Bundespost Leopold Gmelin philatelistisch, MiNr. 1377 (Abb. Schwaneberger Verlag).

Vor allem mit diesem 1817 erstmals erschienenen Sammelwerk verbindet man den Chemiker Leopold Gmelin. Das in der Folge unter den Titeln „Handbuch der Chemie“, „Handbuch der anorganischen Chemie“ und „Gmelins Handbuch der anorganischen Chemie“ veröffentlichte Kompendium, „der Gmelin“, wurde zu Lebzeiten seines Schöpfers zu einem Standard-Werk der Chemie des 19.Jahrhunderts.
Der Name Gmelin spielte in naturwissenschaftlichen Kreisen allerdings schon vor der Geburt Leopold Gmelins am 2. August 1788 in Göttingen eine Rolle. Vater Johann Friedrich war in Tübingen und Göttingen Professor für Medizin und Chemie gewesen. Auch Leopolds Großvater Philipp Friedrich und dessen Bruder Johann Georg, ja schon der Urgroßvater Johann Georg Gmelin der Ältere hatten akademische Karrieren in der Chemie, Medizin und Botanik gemacht. Und daneben gab es zum Beispiel noch den Cousin Ferdinand Gottlieb von Gmelin. Als Medizin-Professor in Tübingen konnte er sein Wissen sogar unmittelbar an den jungen Leopold weitergeben.
Denn der studierte, nachdem er in der Tübinger Apotheke von Christian Gmelin, einem Cousin seines Vaters, noch die Pharmazie und das Apothekenwesen kennengelernt hatte, ab 1804 zunächst in Tübingen und dann in Göttingen Medizin. In Göttingen promovierte Leopold Gmelin dann auch im Jahr 1812. Der für Gmelins Forschung, die wesentlich auf Chemie und Physiologie ausgerichtet sein sollte, wegweisende Titel der Arbeit: „Chemische Untersuchung des schwarzen Pigments der Ochsen-und Kälberaugen, nebst einigen physiologischen Bemerkungen über dasselbe“.
Wie einige seiner zahlreichen naturwissenschaftlich begabten Verwandten unternahm auch Leopold Gmelin Studienreisen. Für solche waren besonders Johann Georg der Jüngere und auch dessen Neffe Samuel Gottlieb Gmelin bekannt, die umfangreiche botanische Forschungen im 18. Jahrhundert auf lange Exkursionen in sibirische Gefilde geführt hatten. Wegen seines international bekannten Familiennamens konnte Leopold Gmelin nun zum Beispiel schon während seiner recht frühen Frankreich-Reise in einen fruchtbaren wissenschaftlichen Austausch mit ausländischen Kollegen treten.
1813 hatte sich Gmelin noch für mineralogische Studien in Italien aufgehalten, bevor er im selben Jahr eine Stelle als Privatdozent mit Aussicht auf eine Professur an der Heidelberger Universität erhielt. In Heidelberg war Gmelin neben seiner dann 1817 angetretenen Professur ab 1815 auch Leiter des chemischen Laboratoriums. Nicht zuletzt seiner Frau Luise zuliebe, die er 1816 geheiratet und mit der er vier Kinder hatte, schlug Gmelin im Laufe der Zeit attraktive und lukrative universitäre Anstellungen in Berlin und im heimatlichen Göttingen aus. Er blieb bis zum Ender seiner Lehrtätigkeit 1851 in Heidelberg.
In seiner Forschung im Kontext der Medizinischen Fakultät der Heidelberger Universität beschäftigte sich Gmelin vor allem mit physiologischen und chemischen Prozessen. Die Ergebnisse seiner Arbeit waren dabei für die Entwicklung der modernen Physiologie von entscheidender Bedeutung. Vor allem die in Kooperation mit dem Physiologen Friedrich Tiedemann entstandene Studie „Die Verdauung nach Versuchen“ aus dem Jahr 1826 bescherte Gmelin große Anerkennung.
Obwohl er daneben auch noch mineralogische Untersuchungen betrieb, war Gmelins Hauptprojekt aber das „Handbuch der theoretischen Chemie“, dessen erste, dreibändige Auflage schon 1817 veröffentlicht wurde. Gmelin hatte sich ein hohes Ziel gesetzt: Das Handbuch sollte das vollständige relevante chemische Wissen der Gegenwart enthalten und eine konsequente Systematisierung desselben bereitstellen. Wie die Erkenntnisse der zeitgenössischen chemischen Wissenschaft nahm auch die Zahl der Bände des weithin positiv rezipierten Handbuchs in raschem Tempo zu. Eine im Titel zum Ausdruck gebrachte Beschränkung auf „theoretische Chemie“ fand Gmelin mit der vierten Auflage angesichts der fortschreitenden Inklusion auch der angewandten Chemie nicht mehr angemessen. Schon mit der fünften Auflage im Jahr 1852 wurde der Titel dann abermals von „Handbuch der Chemie“ in „Handbuch der anorganischen Chemie“ geändert. Das hatte zunächst zwar nur den Grund, dass die Buch-Inhalte zur organischen Chemie zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht endgültig vorlagen. Ab 1881 gab es angesichts der zu bewältigenden Masse an Wissen alleine für die organische Chemie dann aber ein weiteres, entsprechend betiteltes Handbuch des Chemikers Friedrich Konrad Beilstein. Das von Gmelin konzipierte Sammelwerk sollte noch bis 1997 erscheinen. Zuletzt in achter Auflage und mit einem Umfang von 760 Bänden im Kontext des im selben Jahr aufgelösten „Gmelin-Instituts für Anorganische Chemie und Grenzgebiete“.
Fast 150 Jahre zuvor hatte Leopold Gmelin nur noch die ungleich „dünnere“, aber kaum weniger ambitionierte fünfte Auflage seines Handbuchs miterleben können, als er am 13. April 1853 im Alter von 65 Jahren in Heidelberg starb. Marius Prill


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Verfasst von: Marius Prill

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