Im Schatten der Nofretete

In der Dauerserie „Sehenswürdigkeiten“ erschien Nofretete auf Marken zu 20 und 70 Pfennig. Wir zeigen natürlich einen Berliner Wert, MiNr. 814.

In der Dauerserie „Sehenswürdigkeiten“ erschien Nofretete auf Marken zu 20 und 70 Pfennig. Wir zeigen natürlich einen Berliner Wert, MiNr. 814.

Am 6. Dezember 1912 fand Ludwig Borchardt in den Resten der altägyptischen Stadt Achet-Aton ein aus Kalkstein und Gips gefertigtes Abbild der Königin Nofretete. Die weltweite Berühmtheit der Gemahlin des Pharaos Echnaton sollte die über den Büstenfund hinausreichende, unter Ägyptologen hochgeschätzte Arbeit Borchardts stets in den Schatten stellen. Dazu trugen auch früh einsetzende Streitigkeiten über den Besitz und den Verwahrungsort des Objekts bei, das durch viel diskutierte Bemühungen Borchardts nach Berlin gelangt war.
Borchardt machte seinen berühmten Fund während mehrjähriger Ausgrabungen, die er für die Deutsche Orient-Gesellschaft durchführte. Neben der Büste wurden dabei im Atelier des Bildhauers Thutmosis, der in der vom Ehemann Nofretetes errichteten Stadt lebte, zahlreiche weitere Kunstwerke entdeckt.

Im Anschluss an die Ausgrabungen kamen die Funde zu gleichen Teilen in deutschen und in ägyptischen Besitz. Borchardt hatte eine Aufteilung vorgeschlagen, der Franzose Gustav Lefebvre hatte im institutionellen Auftrag des ägyptischen Antikendienstes zugestimmt. Dies war das regelkonforme, übliche Verfahren gewesen.
Was Borchardt aber nach 1924 – in diesem Jahr erst wurde die Büste der Nofretete zum ersten Mal auf der Berliner Museumsinsel ausgestellt – von ägyptischer Seite vorgeworfen wurde, war, dass er die Bedeutung der Büste heruntergespielt, das Objekt gar mehr oder weniger verheimlicht habe. Tatsächlich hatte Borchardt Auseinandersetzungen befürchtet und dafür plädiert, das Königinnen-Bildnis im Gegensatz zu den anderen, bald nach ihrer Entdeckung exponierten Fundstücken zurückzuhalten. Trotz immer wieder geäußerter Forderungen, sie in ägyptische Bestände zu überführen, hielt man die Büste in Berlin und verwies noch im Zusammenhang einer Jubiläums-Ausstellung im Jahr 2012 auf die eindeutige – und juristisch auch weithin akzeptierte – Legitimität ihres Verbleibs in der deutschen Hauptstadt.

Das aktuelle Nofretete-Porträt dürfte eine hohe Auflage erfahren, MiNr. 2975 (nassklebend) und 2994 (selbstklebend).

Das aktuelle Nofretete-Porträt dürfte eine hohe Auflage erfahren, MiNr. 2975 (nassklebend) und 2994 (selbstklebend).

In Berlin war Ludwig Borchardt am 5. Oktober 1863 zur Welt gekommen und hatte dort in den achtziger Jahren auch seine akademische Ausbildung absolviert. Dass er in seiner Arbeit einen Schwerpunkt auf die Erforschung der Bauwerke der alten Ägypter legte, lag auch daran, dass Borchardt Architektur studiert hatte, bevor er seinen Blick zunehmend nach Ägypten und dabei in die Vergangenheit gerichtet hatte. Sein eher philologisch orientierter Ägyptologie-Professor Adolf Ermann war auch Direktor des Ägyptischen Museums Berlin gewesen.
Borchardt hatte sich damit im Zentrum der deutschen Ägyptologie befunden, bevor er dann einen großen Teil seines Lebens in Ägypten verbrachte. Nicht zuletzt sorgte er damit für eine dauerhafte Präsenz und institutionelle Verankerung der deutschen Ägyptologie im Land ihres wissenschaftlichen Interesses. Neben seiner archäologischen Arbeit, unter anderem im Rahmen der Rekonstruktion und Ausgrabung der Tempelanlage des Pharaos Sahure, leistete Borchardt beispielsweise einen grundlegenden Beitrag in der Katalogisierung des musealen Bestandes für das Ägyptische Museum in Kairo. 1907 gründete er in Kairo auch das Kaiserlich Deutsche Institut für Ägyptische Altertumskunde, an dessen Arbeit noch heute das Schweizerische Institut für Ägyptische Bauforschung und Altertumskunde anschließt.

Wissenschaftliche Verdienste, für die man den vor 75 Jahren, am 12. August 1938, in Paris verstorbenen und in Kairo begrabenen Ludwig Borchardt in der Fachwelt schätzt. So berühmt wie die „schöne Königin“, deren Porträt er der Öffentlichkeit präsentiert hat, ist er nicht geworden. Eine von seinem Fund ausgehende Faszination teilte Borchardt aber. Kurz nach der Entdeckung notierte er sich:„ Farben wie eben aufgelegt, Arbeit ganz hervorragend. Beschreiben nützt nichts, ansehen.”


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Verfasst von: Marius Prill

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