„King of the Delta Blues Singers“

Robert Johnson auf Briefmarke der USA von 1994Am 16. August 1938 starb Robert Johnson. Ob an Syphilis oder in Folge einer Vergiftung durch den auf Rache sinnenden Ehemann einer begeisterten Konzertbesucherin: wie zur Biographie Johnsons überhaupt, liegen auch zu seinem Ende im Alter von nur 27 Jahren nur wenige Daten vor. Bekannt ist aber, dass er seine Musik im Mississippi des frühen 20. Jahrhunderts schrieb und spielte. Und nicht nur für ihrerseits legendäre Musiker wie Bob Dylan, Eric Clapton oder die Rolling Stones ist Robert Johnson mindestens einer der wichtigsten und einflussreichsten Künstler überhaupt.
Bevor der Blues nach dem Zweiten Weltkrieg in Chicago elektrisch werden sollte, verfassten im amerikanischen Bundesstaat Mississippi, genauer im Mississippi-Delta zwischen dem Mississippi und dem Yazoo, Musiker wie Charley Patton, Skip James und Son House archaische, unmittelbar-intensive Blues-Songs auf ihren akustischen Gitarren. Hier, in Hazlehurst, kam Robert Leroy Dodds vermutlich am 8. Mai 1911 zur Welt. Der uneheliche Sohn von Julia Dodds und ihrem Geliebten Noah Johnson hatte ein karges Leben als schwarzer (Plantagen-)Arbeiter in einem rassistischen Klima vor sich, als seine Schulzeit schon zu Beginn der 1920er-Jahre endete.
1930 starben seine erste Frau und das gemeinsame Kind bei dessen Geburt. „I got to keep movin´. ´Got to keep movin´. Blues fallin´down like hail“- in Johnsons „Hellhound on my trail“ fällt der Blues „wie Hagel“. Wenngleich das durchaus zu den Umständen seines Lebens passt, kam die Inspiration für solche Zeilen nicht nur aus leidvoller persönlicher Erfahrung. Auch Robert Johnson knüpfte an bereits bestehendes an, hatte die Musik und Texte seiner Vorgänger gehört und von ihnen gelernt. Patton, dessen Gitarristen Willie Brown und House kannte er sogar persönlich. Er hatte sich an ihre Fersen geheftet, sein anfängliches Instrument, die Mundharmonika, zurückgestellt und sich stattdessen ins Gitarrenspiel – im Besonderen auch in die Delta-typische Slide-Gitarren-Technik-und Gesang vertieft.
Diesbezüglich behandelt einer der bekanntesten und meist gespielten Songs Robert Johnsons, der „Cross Road Blues“, die eine, besonders sagenumwobene Geschichte, die mit seiner Person verbunden ist. Für seine musikalische Fähigkeit, speziell auch für seinen komplexen Gitarren-Stil, der oft so wirkt, als spielten zwei Gitarristen, hatte Johnson, so erzählte man sich unter Musiker-Kollegen, seine Seele an den Teufel verkauft.

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Amazon.de WidgetsGetreu dem nicht nur in „Hellhound…“ angesprochenen Zwang zur Bewegung gab sich Johnson mit Beginn der 30er-Jahre der Arbeit als reisender Musiker hin und spielte nicht nur in Mississippi und den benachbarten Bundesstaaten, sondern auch in Chicago oder New York. Dabei trat er in „Juke Joints“ genannten Kneipen, auf Tanzveranstaltungen oder an Straßenecken auf. Wenngleich er ein weiteres Mal heiratete, handelte es sich bei Johnsons unterwegs geknüpften Kontakten oft um Frauen, die ihm nicht nur persönliche Zuwendung, sondern auch eine Bleibe für die Nacht gewährten.
In den letzten beiden Jahren seines Lebens machte Johnson dann auch Aufnahmen. Bei zwei Recording-Sessions in den texanischen Städten San Antonio und Dallas wurden im damals nicht unüblichen Szenario eines zum Aufnahmestudio umfunktionierten Hotelzimmers 29 Songs aufgenommen.
Von diesen sollten nicht nur „Ramblin´ on my mind“, „Walkin´ Blues“, „I believe I´ll dust my broom“ oder „Sweet home Chicago“ unsterbliche Blues-Klassiker werden. Auch weitere Stücke, wie „Come on in my kitchen“ oder „Love in vain”, finden sich nicht nur auf dem Album „Me and Mr. Johnson“, das der für immer mit Johnson verbundene Eric Clapton einem seiner wichtigsten Einflüsse im Jahr 2004 widmete. Wie so viele seiner Generation – auch Bob Dylan schildert in seinen 2004 veröffentlichten „Chronicles“ seine erste, über diese Zusammenstellung zustande gekommene Begegnung mit Johnson – hatte der britische Gitarrist das im Jahr 1961 auf Columbia Records erschienene Robert Johnson-Compilation-Album „King of the Delta Blues Singers“ gehört. Anders als bei zu dieser Zeit noch lebenden und aktiven amerikanischen Blues-Musikern, wie Muddy Waters oder Howlin´ Wolf, präsentierte „King…“ den Songwriter, Sänger und Gitarristen Robert Johnson erstmalig einer breiten Öffentlichkeit. Seine Aufnahmen waren bis dahin nur in geringer Auflage verfügbar gewesen.
Johnson, von dem damals lediglich zwei Fotografien bekannt waren –heute sind es drei –, war zu diesem Zeitpunkt schon 23 Jahre tot. Ihn zu hören, sei gewesen, „als habe ein Geist den Raum betreten (…)“, schreibt Dylan. „Unter Johnsons Worten vibrierten meine Nerven wie Klavierseiten. Die Bedeutung dieser Worte und die Gefühle, die sie auslösten, waren von elementarer Wucht und gaben einem so viel Aufschluß über das Wesentliche.“


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Verfasst von: Marius Prill

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