„Ich verliere meine Heimat“

Max Reinhardt auf Briefmarke der Deutschen Bundespost Berlin 1957

1957 erschien Max Reinhardt auf einer Briefmarke der Deutschen Bundespost Berlin, MiNr. 169.

Es gibt Abende, an denen nicht das Schauspiel, sondern das Publikum durchfällt.“ (Max Reinhardt)

Es gibt kaum einen großen deutschen Schauspieler, der nicht sein Handwerk bei ihm gelernt hätte: Max Reinhardt, geboren unter dem Namen Maximilian Goldmann am 9. September 1873 als Sohn jüdischer Ungarn in Österreich, gilt als Begründer des modernen europäischen Regietheaters.  Nach der Schule muss der junge Max allerdings auf Wunsch seines Vaters zunächst eine Banklehre machen, nimmt aber nebenbei privaten Schauspielunterricht. Es folgen ab 1890 erste Engagements als Schauspieler in der Provinz, bevor er 1894 ans Ensemble des Deutschen Theaters in Berlin geholt wird. In Berlin gründete er mit anderen im Jahre 1901 die Kleinkunstbühne „Schall und Rauch“. Bald erntet er überwältigende Regieerfolge, zunächst mit dem „Nachtasyl“ von Maxim Gorki, dann mit Shakespeares „Sommernachtstraum“. Den bis dato angesagten Naturalismus überwindet er zugunsten eines modernen Theaters, für das er alle alle Möglichkeiten der zeitgenössischen Bühnentechnik nutzt.

Max Reinhardt auf österreichischer Briefmarke von 1973

1973 gratulierte Österreich Max Reinhardt zum 100. Geburtstag, MiNr. 1424

1904 ändert er seinen Familiennamen offiziell in „Reinhardt“, 1905 wird er Direktor des Deutschen Theaters in Berlin und gründet eine Schauspielschule, die in der Folge zur berühmtesten Schule dieser Art in Deutschland wird. Das Deutsche Theater wird unter seine Ägide zum bedeutendsten Theater in Deutschland, zahlreiche Gastspiele führen das Ensemble unter seiner Regie durch Europa und später auch in die USA, wo er wahre Triumphe feiert. 1920 begründet Reinhardt mit Hugo von Hoffmannsthal, Richard Strauss und anderen die Salzburger Festspiele. Ab 1924 leitet er das Theater Josefstadt in Wien, zu dessen Ensemble dann auch Egon Friedell zählt, gleichzeitig leitet er wieder das Deutsche Theater in Berlin, als dessen Dramaturgen er Carl Zuckmayer und Bertolt Brecht engagiert.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten verlagert er seine Arbeit nach Österreich und in die USA, obwohl ihm die Nazis eine Art „Ehrenarierschaft“ anbieten – die er angewidert ablehnt. In den USA inszenierte er 1935 den „Mittsommernachtstraum“ als Kinofilm, 1937 emigriert er aufgrund der Judenverfolgung endgültig in die Neue Welt, rechtzeitig vor dem „Anschluss“ Österreichs im Jahre 1938. „Der Entschluß, mich endgültig vom Deutschen Theater zu lösen, fällt mir naturgemäß nicht leicht. Ich verliere mit diesem Besitz nicht nur die Frucht einer 37jährigen Tätigkeit, ich verliere vielmehr den Boden, den ich ein Leben lang gebaut habe und in dem ich selbst gewachsen bin. Ich verliere meine Heimat,“ schreibt er an die deutsche Reichsregierung aus dem Exil. An seine großen Erfolge kann Max Reinhardt in den USA nicht anknüpfen, am 30. Oktober 1943 stirbt er in New York an den Folgen mehrerer Schlaganfälle.


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Verfasst von: Udo Angerstein

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