Erfinderisches Fliegerass

Roland Garros auf Briefmarke von Monaco 2013Als das erste Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts zu Ende ging, studierte er in Paris. Er war noch keine 20 Jahre alt. Eine Künstlerlaufbahn als Pianist stand zur Debatte. Es kam aber anders. Zukunft und Schicksal des Roland Garros – sie lagen in der Luft.
Seine allerersten Lebensjahre hatte er in Saint-Denis auf der Insel Réunion verbracht. Die lag im Indischen Ozean und gehörte zu Frankreich. Wie auch die nächste Station: Als der Junge vier Jahre alt war, zog die Familie Garros schon auf das Festland der französischen Kolonie im Süden Vietnams, die man Cochinchina nannte. 11 Jahre alt war er, da reiste Roland dann nach Europa. Allein, denn er sollte in Frankreich zur Schule gehen.

Roland Garros' Flugzeug auf französischer Briefmarke von 198Womöglich führte seine bewegungsreiche Kindheit zwischen Asien und Europa dazu, dass Garros als junger Mann nicht unbedingt ängstlich oder zimperlich war. Fasziniert von den Flugshows, die er besuchte, kaufte er sich eines Tages ein eigenes Flugzeug – ein kleines vom Typ „Demoiselle“ („Libelle“) ­-, um das Fliegen zu erlernen. Und nur wenig später nahm er schon an Flug-Wettbewerben und-Rennen teil. Durch seine Erfolge in Europa, den USA und Südamerika sowie den dabei gezeigten Wagemut wurde Roland Garros rasch ein berühmter Pilot. Bevor er seine Flug-Leidenschaft und-Begabung im Ersten Weltkrieg freiwillig in den Dienst des Militärs stellte, machte Garros am 23. September 1913 Geschichte. Da überflog er als erster Pilot das Mittelmeer. Viel Treibstoff war nicht mehr in seinem Eindecker vom Typ „Morane-Saulnier G“, als er im tunesischen Bizerte landete. Garros war an der Côte d´Azur gestartet und sieben Stunden und 53 Minuten geflogen.

Roland Garros auf Briefmarke von Monaco 1963Seine nächsten großen Unternehmungen spielten sich dann bereits in der militärischen Luftfahrt ab. Geschichtsträchtig waren sie ebenfalls. Der Krieg hatte schon begonnen, da bemühte sich Garros zusammen mit dem Ingenieur und Flugzeughersteller Raymond Saulnier um die Entwicklung eines neuartigen Kampfflugzeuges. Als durch einen Zugpropeller angetriebene Maschine sollte es mit einem fest installierten und starren, „nach vorne“ schießenden Maschinengewehr ausgerüstet sein. Damit mit diesem nicht der eigene Propeller beschossen wurde, arbeitete man an einem Mechanismus, der MG-Schüsse und Propeller-Drehung aufeinander abstimmte. Fehlerfrei klappte das aber nicht. Garros hatte die Idee, die Propellerblätter mit Metallplatten zu schützen, welche die aufprallenden Kugeln dann in ungefährliche Bahnen ablenkten. Das wiederum funktionierte gut, Garros machte im Frühjahr 1915 seine ersten Abschüsse. Es sollten dann so viele werden, dass man von ihm als „Fliegerass“ sprach.

Roland Garros auf Briefmarke aus Französisch-Indochina 1943Sehr bald erwischte es ihn aber selbst. Garros´ „Morane-Saulnier L“ wurde am 18. April getroffen. Er musste notlanden und geriet in deutsche Gefangenschaft. Und: Die Deutschen sahen sich das abgestürzte Flugzeug genauer an und entwickelten das von Garros angestrebte, synchronisierende „Unterbrechergetriebe“ weiter. Der technologische Vorsprung auf französischer und alliierter Seite durch das neue „Jagdflugzeug“ war nur von kurzer Dauer gewesen.
Zusammen mit einem Kameraden konnte Garros Anfang 1918 aus Deutschland fliehen. Bald schon flog er wieder. Im Herbst desselben Jahres jedoch zum letzten Mal: Am 25. Oktober explodierte sein Flugzeug über Vouziers. In dem nordfranzösischen Ort befindet sich auch das Grab von Roland Garros.
Nach seiner Rückkehr aus der deutschen Gefangenschaft hatte man ihn noch zum Offizier der Ehrenlegion bestimmt und in den Rang eines Oberleutnants erhoben. Nach seinem Tod wurden die 1928 errichtete Pariser Tennis-Anlage und das dort ausgerichtete internationale Turnier, die „French Open“, nach Roland Garros benannt. Am 6. Oktober jährt sich sein Geburtstag zum 125. Mal.


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Verfasst von: Marius Prill

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