Die Atmung der Zellen

Otto Heinrich Warburg auf Briefmarke von 1983

Briefmarke zum 100. Geburtstag Otto Warburgs 1983, MiNr. 1184, Design: Elisabeth von Janota-Bzowski.

Im Jahr 1931 bekam Otto-Heinrich Warburg für seine Forschung zu Prozessen des Zellstoffwechsels den Nobelpreis für Medizin/Physiologie. Seine sogenannte „Warburg-Hypothese“ lieferte der Krebsforschung zudem Ideen über die Entwicklung von Krebszellen und zur Behandlung von Krebs. Der Naturwissenschaftler kam am 8. Oktober 1883 in Freiburg zur Welt. Nach Studien und Promotionen in sowohl Chemie als auch Medizin – und nach dem Dienst im Ersten Weltkrieg – forschte Warburg am Kaiser-Wilhelm-Institut für Biologie in Berlin. Auch war er in begrenztem Umfang und zeitweise Dozent für physikalische Chemie und Biologie an der Friedrich-Wilhelms Universität in Berlin. Jenseits dessen betätigte sich Warburg aber ganz vorrangig als forschender, nicht als lehrender Wissenschaftler. Seine Arbeit fand im Labor statt, und dabei trug er auch bedeutend zur Weiterentwicklung experimenteller Methoden bei. Das in den 50er-Jahren nach Max Planck umbenannte Kaiser Wilhelm Institut für Zellphysiologie rief Warburg 1930 selbst ins Leben. Er wurde Direktor der Einrichtung, bei deren Finanzierung ihm das Rockefeller-Institut für medizinische Forschung half. Warburg hatte dort in New York Mitte der 20er-Jahre gearbeitet.

In der Fachwelt war er 1930/1931 längst ein bekannter Mann: Bereits fast ein Jahrzehnt, bevor er ihn dann tatsächlich erhielt, hatte man Warburg erstmals zum Kandidaten für den Nobelpreis bestimmt. Später, zur Zeit der nationalsozialistischen Diktatur, war er sogar noch einmal im Gespräch für eine zweite Ehrung. Eine Annahme des Preises hätte das Regime aber sowieso untersagt. Die Zellphysiologie, der Stoffwechsel der Zellen – das war der Bereich, mit dem sich Warburg in der Hauptsache beschäftigte. Schon in seiner medizinischen Dissertation von 1911 war dies so: „Über die Oxydationen in lebenden Zellen nach Versuchen am Seeigelei“ lautete ihr Titel. Den Nobelpreis erhielt Warburg für seine Forschung zur Zellatmung, Fermentierung/Gärung und zur Funktion des Enzyms der Cytochrom-Oxidase dabei.


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Die Entwicklung der nach ihm benannten onkologisch orientierten Annahmen begann schon in den 20er-Jahren. 1926 wurde die Arbeit „Über den Stoffwechsel der Tumoren“ veröffentlicht. „Entstehung der Krebszellen“ hieß dann eine Schrift Warburgs aus dem Jahr 1955. Warburg befasste sich mit der Zellatmung von Krebszellen und der gesunder Zellen. Er fand, dass erstere reduziert war und erkannte darin, in einer Stoffwechselveränderung, welche die Energiegewinnung der Zellen zurücksetzte, den Grund für Tumor-Wachstum. Die genaue „Warburg-Hypothese“ war allerdings stets umstritten. In ihr kam die dann maßgeblich zur Erklärung von Krebs herangezogene jüngere Genetik noch nicht vor. Allgemein begreift man das von Warburg beobachtete Geschehen eher als Symptom, nicht aber als Ursache von Krebs. Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends brachten Studien allerdings auch Ergebnisse zutage, die durchaus für seinen Ansatz sprechen.

Warburgs Konzentration darauf, dass äußere Einflüsse Krebs förderten, führte auf jeden Fall dazu, dass er in seinen späteren Lebensjahren in gewisser Weise den Ruf eines Exzentrikers auf sich zog. Denn er fürchtete – für die 50er-und 60er-Jahre eher unüblich – das Einatmen allzu präsenter giftiger Stoffe, wie z. B. Mittel zur Schädlingsbekämpfung, und achtete teilweise penibel darauf, unbehandelte Nahrungsmittel zu sich zu nehmen.
Unter anderem verlieh man Warburg 1965 in Oxford die Ehrendoktorwürde. Die deutsche Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie vergibt seit den 60er-Jahren die „Otto Warburg-Medaille“. 1963 wurde Otto-Heinrich Warburg Ehrenbürger Berlins, der Stadt, in der er im Alter von 86 Jahren starb.


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Verfasst von: Marius Prill

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