Ein freier Geist

Katherine Mansfield auf Briefmarke aus Neuseeland 1989Am 14. Oktober 1888 kam Katherine Mansfield Beauchamp im neuseeländischen Wellington zur Welt. Doch mit zunehmendem jugendlichen Alter zog es die Autorin, die sich bald nur Katherine Mansfield nannte, nach Europa. Anders als Mansfield es ihrem Geburtsland einmal attestierte, beherrschten die Leute dort das Alphabet. Mansfield hatte drei Schwestern und einen heißgeliebten Bruder, der zu ihrem großen Kummer als junger Mann tragisch verstarb. Mit Eltern, Großmutter und Tanten hatte sie eine Kindheit in materieller Sicherheit verbracht. Sie wollte aber in England leben. Mehr erleben, angetrieben von ihrer Phantasie, oder zur Validierung und Anregung derselben. Nicht nur dürstete es sie schon früh nach Bestimmung über ihr Leben. Nach Selbstbestimmung jenseits der auferlegten und nur scheinbaren Erfüllung in Ehe und Liebe zu einem sehnlich erträumten Ehemann. Wie auch ihre in der literarischen Welt vielbeachteten, posthum veröffentlichten Tagebücher und Briefe verraten, war die Arbeit für Katherine Mansfield nicht vom Leben zu trennen. Und sie sagte einmal, zuallererst sei sie Schriftstellerin. Sie wagte viel dafür.

Sie kam 1908 in London an. Ihr Vater hatte es genehmigt, weil Katherine das Cellospiel studieren sollte. Im ersten Jahr lernte sie einen Mann kennen und wurde schwanger. Zusammen war sie aber mit einem anderen. Und diesen heiratete sie. Um ihn sehr bald wieder zu verlassen. Mansfields ferne Eltern waren besorgt. Man schickte sie zur ärztlich angeleiteten Erholung nach Deutschland. Sie schrieb satirisch darüber. Die Textsammlung „In einer deutschen Pension“ („In a German Pension“) erschien 1911. Mansfield, die eine Fehlgeburt erlitten hatte, konnte in der Folge einiges veröffentlichen. Mit dem Herausgeber John Middleton Murry kam es zur neuerlichen Heirat, aber zur Konventionalität – wie auch zu glücklicher Zweisamkeit mit Murry – fand Mansfield nicht. Vieles daran überzeugte sie auch nicht. Und sie hatte Mut, aus gesellschaftlichen Erwartungen herauszutreten. Mansfield hielt sich an wenige, nicht an stereotype Frauenrollen und nicht an romantische oder sexuelle Festlegungen. Sie verkehrte mit Virginia Woolf, D. H. Lawrence, Aldous Huxley und Bertrand Russell. Man schätzte ihre Arbeit, umwarb sie auch, um nicht selten von ihrer Sprunghaftigkeit irritiert und abgestoßen zu sein. T. S. Eliot hielt sie für eine „gefährliche Frau“. Auch für Mansfield selbst aber brachte ein offenes, experimentelles Leben Härten mit sich. Nicht zuletzt bewegte sie sich nicht mehr in den gutbürgerlich wohlsituierten finanziellen Verhältnissen ihrer Kindheit.


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Im Gegensatz zu manchen weiblichen Figuren ihrer Erzählungen. Jenseits großer Handlungsabläufe beschrieb Mansfield deren entfremdete Lebens- und vor allem Innenwelten, und mit auffallender Präzision eröffnete sie einsame und hohle Leblosigkeiten gesellschaftlichen Lebens. Oft waren ihre Figuren mit Diskrepanzen zwischen Tatsächlichem und Eigentlichen, Wahrhaftigen beschäftigt. Einem Selbst auch, von dem sie spürten, dass es, wie biographisch realisierte Liebe und Glück, vielleicht nur eine Möglichkeit bleiben würde. Mansfield war eine „moderne“ Autorin. Sie thematisierte Irrungen und Illusionen. „Für sechs Pence Erziehung“ („Bliss and other stories“), erschienen 1920, war eine weitere Sammlung von Kurzgeschichten. Manche von diesen wurden zudem in den Zeitschriften, die Murry herausgab, veröffentlicht. Mansfield beteiligte sich auch an den – allerdings mäßig erfolgreichen – beruflichen Aktivitäten ihres Ehemannes, war Mit-Herausgeberin und schrieb Kritiken. Nicht nur aus Bewegungslust und wegen neuer Bekanntschaften, sondern auch aus gesundheitlichen Gründen hielt sich Mansfield immer wieder in Frankreich, Italien oder der Schweiz auf. Mit ihr reiste oft nicht Murry, sondern Ida Baker, eine langjährige, umsorgende Begleiterin, die sich für Mansfield aufopferte.

1917 diagnostizierte man Tuberkulose. Mansfield verfasste weiterhin kurze Erzählungen, z.B. „Das Gartenfest“ („The Garden Party“) und „Das Puppenhaus“ (The Doll´s House“), die 1922 in „Das Gartenfest und andere Geschichten“ („The Garden Party and other short stories“) erschienen. Sie dachte daran, den Stil ihres Schreibens und den ihres Lebens zu ändern, dachte daran, beides ändern zu wollen und ändern zu können. Mansfield wusste um ihren gesundheitlichen Zustand und hoffte doch noch, weiterzuleben. Um weiter schreiben zu können. Sie starb 1923 im Alter von 34 Jahren.


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Verfasst von: Marius Prill

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