Vom Großprojekt zum Wahrzeichen

Hans Scharouns Philharmonie auf Briefmarke der Deutschen Bundespost Berlin von 1965Sie gehört zu den bekanntesten Bauwerken Berlins, jetzt wird sie 50 Jahre alt. Am 15. Oktober 1963 wurde die Berliner Philharmonie im Stadtteil Tiergarten – unweit des Potsdamer Platzes – eingeweiht. Die Heimstätte der Berliner Philharmoniker war zunächst eine ehemalige Rollschuhbahn in der Bernburger Straße im Stadtteil Berlin-Kreuzberg, die 1888 zu einem Konzertsaal umgebaut wurde. Diese „alte“ Philharmonie wurde 1944 bei einem alliierten Luftangriff vollständig zerstört, sodass die Philharmoniker zunächst verschiedene Ausweichquartiere nutzen mussten. Mitte der 50er-Jahre wurde ein Neubau geplant. Für den Entwurf des Neubaus verantwortlich zeichnete der Architekt Hans Scharoun. Er leitete nach 1945 als Stadtbaurat den Wiederaufbau Berlins. Unter seiner Leitung entstand unter anderem das Konzept für das Berliner Hansaviertel, dass es – wie die Philharmonie – auf eine Briefmarke gebracht hat. 1956 gewann Scharoun den Wettbewerb für den Bau der Philharmonie. Das war sein erster großer Erfolg bei einem Architekturwettbewerb. Bis zur Einweihung war allerdings noch ein kleiner Hürdenlauf nötig. Die öffentliche Meinung über den Bau blieb umstritten.

Berliner Philharmonie auf Dauermarke von 2002Der Status des inzwischen unumstrittenen Wahrzeichens Berlins musste hart erkämpft werden. Viele Zeitgenossen hatten für diesen eher experimentellen und formvielfältigen Bau zunächst recht wenig Verständnis. Nach und nach begann man sich jedoch, mit der neuen Sehenswürdigkeit zu arrangieren: Der Berliner Volksmund hat der Philharmonie den Spitznamen „Zirkus Karajani“ gegeben, denn das zackenförmige Dach erinnert ein wenig an ein Zirkuszelt. Tatsächlich wurde der Entwurf vom Bug eines Schiffes inspiriert. Dies ist ein von Hans Scharoun häufig verwendetes Motiv. Namensgeber für „Zirkus Karajani“ war der berühmte Dirigent Herbert von Karajan, der hier jahrzehntelang seine Wirkungsstätte hatte. Andere bekannte Künstler, die mit der Philharmonie in Verbindung standen, sind Sir Simon Rattle und Fritz Weisse, um nur zwei zu nennen.

Besonders bemerkenswert an der Konstruktion der Philharmonie ist, dass das Orchester nicht frontal dem Publikum gegenübergestellt ist, sondern in der Mitte des Saales platziert ist, was ein unvergleichbares Konzerterlebnis garantiert. Die Berliner Philharmonie ist bis heute das Vorbild für viele weitere Konzertsäle. Weitere bekannte Bauwerke Scharouns sind das Schifffahrtsmuseum in seiner Heimatstadt Wilhelmshaven und die Staatsbibliothek in Berlin, die ebenfalls auf einer Briefmarke zu sehen ist. Hans Scharoun selbst ist bislang noch nicht mit einer Briefmarke geehrt worden.

Die Berliner Philharmonie auf einem französischen Block von 2005Wie viele architektonische Großprojekte war der Entwurf der Berliner Philharmonie zunächst sehr umstritten, die moderne und vor allem ungewöhnliche Gestalt der Philharmonie erregte viele Gemüter. 50 Jahre später ist die Philharmonie eines der bekanntesten Wahrzeichen Berlins, dass nicht nur eingefleischte Musikliebhaber und andächtige Architekturstudenten zu einer Besichtigung einlädt. Zu den besonderen Angeboten der Berliner Philharmonie gehören die Lunchkonzerte. Passend zum Mittagessen wird dem Publikum ein 30 bis 40-minütiges Programm geboten.


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Verfasst von: Martin Gloger

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