Geprägt von Krieg und biblischen Motiven

Ernst Barlach auf Briefmarke der DDR 1970Berühmt geworden ist er für seine Holzplastiken und Bonze-Skulpturen. Aber sein Werk umfasste viel mehr. Neben dem bildhauerischen Werk war er in umfangreichem Maße als Zeichner und Schriftsteller tätig. Ernst Barlach wurde 1870 als ältestes von vier Kindern im holsteinischen Wedel geboren. Schon in der Kindheit wurden seine künstlerischen Talente entdeckt und gefördert. Doch der Weg zum erfolgreichen Künstler war noch weit und steinig. Nach dem Studium der Kunst in Hamburg und Dresden folgte ein zweijähriger Aufenthalt in Paris, wo er sich vor allem seinem schriftstellerischen Werk widmete.

Nach Deutschland zurückgekehrt, widmete er sich seinem Schaffen als freier Künstler, unterrichtete aber auch zeitweise an verschiedenen Kunstakademien. Allerdings mit mäßigem Erfolg und dem Gefühl, nichts richtig erreicht zu haben. Nach einer längeren Schaffenskrise kam ein großer Durchbruch während eines Russlandaufenthaltes 1906, bei dem er viele neue Eindrücke sammelte. Dort fand er die gesuchte Ursprünglichkeit, die ihn inspirierte. Unzählige Skizzen legen über diese eindrucksvolle Reise Zeugnis ab. Den Ersten Weltkrieg erlebte er als Mitglied des Landsturms in Sonderburg, das heute zu Dänemark gehört. Der Krieg sollte sein künstlerisches Schaffen ebenfalls maßgeblich beeinflussen. Seitdem prägten Krieg und biblische Motive das Schaffen Ernst Barlachs.


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Ernst Barlachs schwebender Engel auf Briefmarke der DDR von 1970Bekannte Werke Barlachs sind vor allem Denk- und Mahnmale: „Der schwebende Engel“ im Dom von Güstrow, „Der Geistkämpfer“ in Kiel sowie die Ehrenmale im Magdeburger Dom und in Hamburg. Seine Lieblingsmaterialien waren Holz und Bronze. Der schwebende Engel trägt das Gesicht der Künstlerin und Schriftstellerin Käthe Kollwitz. Er illustrierte unter anderem die Zeitschriften „Jugend“, „Simplicissimus“ und war Mitglied in der „Berliner Secession“, einer Künstlergruppe, die sich vom akademischen Kunstbetrieb, der bis dahin dominierte, abgespalten hatte. Schon vor der Machtergreifung war er vielfältigen Anfeindungen durch die Nationalsozialisten ausgesetzt. Eine für Stralsund entworfene Pietà wurde deshalb nicht mehr zur Vollendung gebracht. Trotzdem wurde er noch 1933 mit dem „Pour le mérite für Wissenschaften und Künste“ ausgezeichnet, einem erstmals von Friedrich dem Großen verliehenen Verdienstorden. Damit wurde er „Ritter der Friedensklasse“.

Ernst Barlach-Skulptur auf Briefmarke von 1999 Gerade aufgrund seiner Haltung zum Nationalsozialismus wurde sein Werk lange Zeit zwiespältig betrachtet. Sein Verhältnis zu den Machthabern nach 1933 scheint durchaus problematisch gewesen zu sein. 1934 unterzeichnete er den „Aufruf der Kulturschaffenden“, in dem sich die Unterzeichner zur „Gefolgschaft des Führers“ rechneten. Es gelang ihm allerdings nicht, sich mit dem NS-Regime zu arrangieren. Seine Werke wurden mit einem Ausstellungsverbot belegt und aus öffentlichen Sammlungen entfernt, seine Figurengruppe „Christus und Johannes“ wurde als „entartete Kunst“ in der gleichnamigen Ausstellung angeprangert. Außerdem wurde er aus der Preußischen Akademie der Künste ausgeschlossen. Die Zeit der politischen Verfolgung und Entwürdigung hat er in seinen Werken das „Schlimme Jahr 1937“ und die „Frierende Alte“ verarbeitet.

Ernst Barlachs Sammler auf Briefmarke der Deutschen Bundespost Berlin von 1988Wer sich mit dem Schaffen Ernst Barlachs näher beschäftigen will, dem seien die Barlach-Museen in Wedel und Ratzeburg empfohlen, wie auch das Barlach-Haus in Hamburg oder das in Güstrow befindliche Atelier am Heidberg, das nach seinen eigenen Vorstellungen gestaltet wurde und heute viele seiner Kunstwerke beherbergt. Seine Skulpturen werden auch heute noch in Ausstellungen von überregionalem Rang gezeigt, etwa in Münster 2012. In seiner holsteinischen Heimatregion werden seine Dramen „Arme Vetter“ und „Der blaue Boll“ regelmäßig mit prominenter Besetzung gelesen. Ernst Barlach starb am 24. Oktober 1938. Er wurde mit der Abbildung seiner Skulpturen auf zahlreichen Briefmarken geehrt.


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Verfasst von: Martin Gloger

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