Kein Happy End

Georges Bizet auf französischer Briefmarke von 1960Am 25. Oktober 1838 kam Georges Bizet zur Welt. Mit „Carmen“ schuf er eine der meistgespielten und berühmtesten Opern überhaupt. Alexandre César Léopold Bizet wurde in Paris geboren. Als Sohn musikalisch interessierter und aktiver Eltern: Sein Vater gab Gesangsunterricht, das Klavierspiel erschloss sich Bizet unter der kundigen Begleitung seiner Mutter. Bizet war noch keine 10 Jahre alt, da nahm man den Jungen mit dem besonders sensiblen und präzisen musikalischen Verständnis am Pariser Konservatorium auf. Dort wurde er auch früh zu einem außergewöhnlich virtuosen Pianisten. Eine Karriere am Klavier schlug er aber nie ein. Georges Bizet wollte schreiben.

Was das betraf, brachte das Jahr 1857 einen nennenswerten Erfolg: Nachdem er den Prix de Rome, einen renommierten Kunst-Förderpreis, gewonnen hatte, konnte sich Bizet, getragen von einem auf mehrere Jahre angelegten Preisgeld, auf die Arbeit an eigenen Kompositionen konzentrieren. Dafür hielt er sich in der Villa Medici auf, die im Kontext des Preises als Herberge von Kunst und Künstlern diente. Fließband-Arbeit kam dabei nicht zustande. Eher ließ Bizet die Atmosphäre, ließ Italien auf sich wirken und sich zu einer – allerdings erst viel später fertiggestellten – Symphonie inspirieren.

Anfang 1863 ergab sich die Möglichkeit, die Musik für eine Oper zu schreiben, deren baldige Aufführung in Aussicht stand. „Die Perlenfischer“ („Les pêcheurs des perles“) wurde im Herbst uraufgeführt. Der Publikumszuspruch und die Kritiken waren mäßig. Und die Jahre der finanziellen Förderung kamen auch zu ihrem Ende. Bizet hielt sich jetzt über Wasser, indem er unterrichtete und die Musik anderer Leute arrangierte und transkribierte. Eigene Ideen standen dahinter zurück, wurden, wie oft in Bizets Karriere, begonnen und wieder verworfen – manches wurde auch in spätere Werke eingearbeitet – oder kamen wegen fehlender finanzieller Mittel nicht auf die Bühne.

Georges Bizet auf Briefmarke von San Marino 1999Im Winter 1867 gab es diesbezüglich Lichtblicke: „Das schöne Mädchen von Perth“ („La jolie fille de Perth“) und Bizets Beitrag zur Operette „Malborough“ wurden der Öffentlichkeit präsentiert und positiv aufgenommen. Zwei Jahre später heiratete Bizet Geneviève Halévy, die Tochter seines früheren Lehrers Jacques-Fromental Halévy. Zusammen hatten sie einen Sohn. Abgesehen von den Turbulenzen des Preußisch-Französischen Krieges, hatte Georges Bizet in den letzten Jahren zwar die Symphonie „Roma“ vollendet. Zahlreiche Opern-Projekte waren aber zu keinem Abschluss gekommen – und zu einer festen Anstellung an der Pariser Oper, der „Opéra National de Paris“, war es auch nicht gekommen. Im Sommer 1873 begann er mit der Arbeit an einer neuen Oper. Der Text, das Libretto nach einer Novelle von Prosper Mérimée, kam von Henri Meilhac und Ludovic Halévy, letzterer ein Cousin Genevièves.

Bizets Carmen auf Briefmarke von Monaco 1975„Carmen“ war anders als die üblichen Opern, die sich bereitwillig in die etablierte Tradition der „opéra comique“ einfügten. Die weibliche Hauptrolle erschien ungewohnt emanzipiert und ihr mit sinnlichen Reizen spielendes Verhalten moralisch zweifelhaft. Die Schauplätze waren ebenfalls ungewöhnlich: Die Oper spielte in einfachen gesellschaftlichen Kreisen und im kriminellen Milieu, in der Welt spanischer Arbeiter und Schmuggler. Ein Happy End gab es auch nicht. Die Musik Bizets transportierte all dies in ungeschönter Manier. „Carmen“ war eine realistische Oper, bei der Bizet den dramatischen und leidenschaftlich emotionalen Gehalt der Handlung und die Gefühle der Charaktere auf ungewöhnlich intensive Art und Weise zum Ausdruck brachte. Dabei arbeitete er auch mit Elementen spanischer Folklore. Ihre Uraufführung hatte „Carmen“ im März 1875 und rief dabei einige Irritation und Empörung hervor.


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Bizets Carmen auf ungarischer Briefmarke von 1967„Carmen“ ist Bizets berühmteste Arbeit. Daneben schrieb er aber auch für Orchester und im Besonderen auch für Klavier. Anspruchsvolle Stücke, wie den 1871 komponierten Zyklus für vierhändiges Spiel „Spiele für Kinder“ („Jeux d´enfants“). Im Sommer 1875 war der Komponist gesundheitlich schwer angeschlagen. Seit Jahren hatte er Hals- und Luftröhren-Beschwerden. Er erlitt er einen Herzinfarkt. Und starb am 3. Juni. Georges Bizet wurde nur 36 Jahre alt. Den großen Erfolg von „Carmen“, der bereits im Lauf der folgenden Jahre mit Aufführungen in Wien, Brüssel, Berlin und London einsetzte und bis heute anhält, erlebte er tragischerweise nicht mehr.


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Verfasst von: Marius Prill

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