Wenn die Seelen der Toten umherziehen

Wenn die Seelen der Toten umherziehen

Als „altes heidnisches Totenfest mit einer dünnen christlichen Hülle“ beschrieb der schottische Ethnologe Sir James Frazer den seltsamen Brauch des „Halloween“. Frazer zufolge soll das Totenfest „Samhain“ neben „Beltane“, der Walpurgisnacht, eines der wichtigsten Feste der Kelten gewesen sein und die Wurzel der „Halloween“-Bräuche darstellen. Wo tatsächlich der Ursprung des heute gefeierten „Halloween“ zu finden ist, ist nicht sicher, auf keltische Ursprünge können sich die meisten Forscher jedoch einigen. Demnach haben die Kelten am 1. November das Ende des Sommers gefeiert und zugleich ihrer Toten gedacht. Ein keltisches Totenfest, auf dessen Termin die Kirche schließlich ihren Festtag „Allerheiligen“ setzte, das würde einleuchten, haben die frühen Missionare es doch stets gut verstanden, heidnische Bräuche wie etwa die Wintersonnenwende in christliche Feiertage umzuwandeln.

Belgische Halloween-Briefmarke von 2004 Der Name „Halloween“, entstanden aus „All Hallows Eve“ zumindest verweist deutlich auf den Abend vor „Allerheiligen“ („All Hallows“), und der Festtag „Allerheiligen“ wurde von Papst Gregor IV im Jahr 835 auf den 1. November gelegt. Gefeiert wurde Halloween zunächst allerdings nur in den katholisch gebliebenen Gebieten des britischen Empires, also vor allem in Irland, während der Rest des Königreiches den Reformationstag feierte. Von Irland aus breitete sich Halloween dann zusammen mit den irischen Einwanderern in die Vereinigten Staaten aus.

Die zahlreichen gruseligen Charaktere, die in dieser Nacht ihr Unwesen treiben, wie Fledermäuse bzw. Vampire, Skelette, Hexen, Geister, Gespenster und sonstige Monster, verweisen natürlich wieder auf den Glauben, dass in dieser Nacht die Seelen der Verstorbenen umgehen, also doch auf eine Art Totenfest. Der Brauch, Kürbisse auszuhöhlen und beleuchtet aufzustellen, entstand aber erst in den USA. Ursprünglich verweist er auf die Sage um einen Bösewicht, der in der Nacht vor Allerheiligen den Teufel um seine Seele betrogen hatte. Nach seinem Tod wandelte dieser „Jack O’Lantern“ dann mit einer ausgehöhlten und mit glühenden Kohlen gefüllten Rübe als Laterne durch die Nacht. In den USA gab es jedoch weniger Rüben als vielmehr Kürbisse, sodass seither beleuchtete Kürbisse die umherziehenden Geister abschrecken sollen.

Halloween-Briefmarke aus Frankreich von 2001 Auch Unfug wurde in dieser Nacht reichlich getrieben, mittlerweile beschränkt sich der Brauch in den USA darauf, dass verkleidete Kinder von Haus zu Haus ziehen und „Süßes oder Saures“ verlangen. Ende des vergangenen Jahrtausends verbreitete sich „Halloween“ dann wieder zurück nach Europa, zunächst nach Frankreich und von dort aus bis nach Deutschland. Für Kinder ist das Fest natürlich wesentlich spannender als der ohnehin nicht gefeierte Reformationstag: Sie können sich verkleiden und jede Menge Süßigkeiten einsammeln. Der Einzelhandel freut sich auf steigende Süßigkeitenumsätze und Postverwaltungen in aller Welt nutzen die Gelegenheit fleißig für die Ausgabe schaurig-schöner Briefmarken.

Briefmarken-Block zu Halloween aus Österreich 2013


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Verfasst von: Udo Angerstein

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