„Römische Geschichte“

Theodor Mommsen auf Briefmarke der Deutschen Bundespost Berlin von 1958Ein Jahr nachdem er den Literaturnobelpreis erhalten hatte, starb der Historiker Theodor Mommsen am 1. November 1903. Seine über die akademische Welt hinaus bekannteste Veröffentlichung ist die mehrbändige „Römische Geschichte“. Mommsens Dissertation behandelte 1843 ein Thema der Römischen Rechtsgeschichte. Sein Interesse ging über juristische Fragen hinaus, war auch ein historisches. Und besonders richtete es sich auf römische Geschichte. Mommsen hatte in Kiel nicht nur Jura studiert, sondern auch Klassische Philologie. Seine akademische Karriere setzte er 1848 zunächst als Rechtswissenschaftler an der Universität in Leipzig fort. Mommsen trat in Sachsen allerdings für demokratisch-liberale und nationale Bestrebungen, die sich im Zuge der Märzrevolution formierten, ein. Er wurde entlassen. Zunächst fand er in Zürich eine akademische Anstellung, dann in Breslau. An die Berliner Universität kam Mommsen im Jahr 1858. Dort wurde ein Lehrstuhl eingerichtet, an dem er sich der Alten Geschichte zuwenden konnte.

Einige Jahre vor der Berliner Professur hatte eine dreibändige Veröffentlichung Mommsen als historischen Autor bekannt gemacht. Die „Römische Geschichte“ behandelte die Zeit bis zum Ende der Römischen Republik. Mommsen ging dabei ausführlich auf einzelne Personen ein, die bei ihm als handlungsautonome erfolgreiche oder scheiternde Protagonisten von Geschichte erschienen. Seine urteilsfreudigen, pointierten Charakterisierungen und Bewertungen von Figuren wie Cicero und Julius Caesar richteten sich vor allem nach der Fähigkeit, die Mommsen ihnen bei der Bewältigung historischer Entwicklungen zusprach. Und diese stellte Mommsen als im Sinn historischer Notwendigkeiten und Eigengesetzlichkeit ablaufende Prozesse dar. Im Gegenteil zu Cicero begriff er dabei besonders Caesar als herausragende Gestalt von einzigartiger Größe, die „die Geschichte“ gewissermaßen „erkannte“ und daraufhin „richtig“, energisch und effektiv handelte, indem sie eine politische Transformation Roms durchführte. Mommsen zog nicht nur durch sprachliche und begriffliche Rückprojektionen Analogien zwischen römischer Vergangenheit und Problemen seiner Gegenwart. Sein Text war durchdrungen von eigenen, liberal-revolutionär befeuerten und nationalstaatssehnsüchtigen politischen Ambitionen. Spätestens heutigen geschichtswissenschaftlichen Ansprüchen entspricht Mommsens umfangreiche und eindrückliche historische Darstellung in diesen Punkten nicht.

Außer seiner 1885 durch einen Band zu den Provinzen in der frühen Römischen Kaiserzeit ergänzten „Römischen Geschichte“ trugen neben unzähligen kleineren Veröffentlichungen das „Römische Strafrecht“ von 1899 oder auch die 1860 erschienene „Geschichte des römischen Münzwesens“ zu Mommsens führender wissenschaftlicher Position in seinem Spezialgebiet bei, die dann 1902 mit dem Nobelpreis honoriert wurde. Mit der intensiven Untersuchung und Sammlung römischer Inschriften hatte Mommsen schon früh – in den 40er-Jahren während eines Stipendiatsaufenthaltes in Italien – begonnen. Im „Corpus Inscriptionum Latinarum“, dessen Herausgeber Mommsen war, wurde diese Arbeit im Kontext der Berliner Akademie fortgesetzt.

Theodor Mommsen auf Briefmarke der DDR für die Akademie der Wissenschaften 1950Mommsen war Jahre lang Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften (Abb.: MiNr. 263). Daneben war er auch jenseits des Universitätsbetriebes und der Wissenschafts- und Hochschulpolitik politisch aktiv. Im Lauf der Zeit saß Mommsen als Mitglied der Fortschrittspartei und der nationalliberalen Parteien im Preußischen Parlament und auch im Reichstag. Mommsen engagierte sich öffentlich gegen den um sich greifenden Antisemitismus seiner Zeit. Dabei richtete er sich auch gegen den Historiker Heinrich von Treitschke und dessen antisemitische Äußerungen. Nach seinem Tod errichtete man nicht nur in Theodor Mommsens Heimatort, dem Schleswig-Holsteinischen Garding, Stätten des Gedenkens. Auch in Berlin, wo Mommsen gelebt, geforscht und gelehrt hatte, findet sich auf dem Gelände der Humboldt-Universität ein Mommsen-Denkmal. Im Jahr 1854 hatte Mommsen Marie Reimer geheiratet. Die beiden hatten 16 Kinder, darunter – nicht nur wegen des nachhallenden Namens – bekannte Historiker.


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Verfasst von: Marius Prill

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