Der Depression ein Gesicht gegeben

Foto von Walker Evans auf amerikanischer Briefmarke 2002Zu den einflussreichsten Künstlern des 20. Jahrhunderts gehört zweifellos Walker Evans. Seine eleganten Fotografien beeinflussten Generationen von Fotografen nach ihm. Geboren am 3. November 1903 in St. Louis, Missouri, machte er schon als Kind erste Familienfotos mit einer kleinen Kodak. Nach der Schule studierte der Junge zunächst für ein Jahr französische Literatur, bevor er nach New York zog, wo er Arbeit in Buchläden und in öffentlichen Bibliotheken fand und seiner Leidenschaft für Schriftsteller wie T. S. Eliot oder James Joyce nachgehen konnte. 1926 ging er für ein Jahr nach Paris polierte seine Französischkenntnisse und verfasste erste Kurzgeschichten. Zurück in New York war er eigentlich fest entschlossen, Schriftsteller zu werden, begann aber zugleich mit der Fotografie, dabei bestrebt, literarische Ausdrucksformen in das Medium der Fotografie zu übertragen.

Geprägt von der europäischen Moderne und deren Formalismus wandte er sich aber bald dem Realismus zu. Seine große Stunde schlug ab 1935, in der großen Depression, als er einen Regierungsauftrag übernahm, als Fotograf Projekte mit verarmten Farmarbeitern zu dokumentieren. Gleichzeit übernahm er zusammen mit dem Autoren James Agee ein Projekt für die Zeitschrift „Fortune“, für das sie drei Farmerfamilien in Alabama porträtierten. Der Artikel wurde zwar nicht veröffentlicht, erschien aber als Buch („Let Us Now Praise Famous Men“) im Jahr 1941, ein erschütterndes und bewegendes Bild ländlicher Armut. Walker Evans Fotografien aus dieser Zeit wurden zu Symbolen der Großen Depression. Als erster Fotograf erhielt Evans 1938 eine Einzelausstellung im „Museum of Modern Art“ (MOMA). Zu dieser Ausstellung, „American Photographs“, erschien ein gleichnamiges Fotobuch, das Maßstäbe setzte.

Von 1938 bis 1942 produzierte er eine Serie bemerkenswerter Porträts, die er unbemerkt mit einer unter dem Mantel um seine Brust geschnallten Kamera in der New Yorker U-Bahn schoss, veröffentlicht wurden diese allerdings erst 1966. Bis dahin arbeitete er auch weiterhin als Fotograf und Herausgeber für „Fortune“, bevor er eine Professur für Fotografie an der „Yale University“ übernahm. 1971 zeigte das MOMA erneut eine Retrospektive seiner Arbeiten unter dem schlichten Titel „Walker Evans“, zum 75. Jahrestag seiner ersten Ausstellung sind dort bis zum 26. Januar 2014 „Walker Evans American Photographs“ zu sehen. Walker Evans starb am 10. April 1975.


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Verfasst von: Udo Angerstein

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