Es begann in der Neugasse Nummer Sieben

Carl Zeiss auf Briefmarke der DDR von 1956Im Jahr 1846 richtete Carl Zeiss in der Jenaer „Neugasse 7“ eine kleine Werkstatt ein. Er gründete damit ein Unternehmen, das sich schon innerhalb der zweiten Jahrhunderthälfte zu einem erfolgreichen Hersteller optischer Instrumente und Geräte entwickelte und das noch heute in Form der „Carl Zeiss AG“ fortbesteht. Nachdem er in seiner Geburtsstadt Weimar das Gymnasium besucht hatte, war Zeiss für eine durch naturwissenschaftliche universitäre Studien ergänzte mechanische Lehre nach Jena gegangen. Dort ließ er, nachdem er im ersten Jahr alleine gearbeitet hatte, in einem kleinen feinmechanischen Betrieb optische Geräte anfertigen und reparieren. Im Besonderen waren diese für den wissenschaftlichen Gebrauch geeignet. In zunächst nicht-arbeitsteiliger Handarbeit am Einzelstück wurden bald vor allem Lupen und Mikroskope produziert.

Zeiss hatte dabei Kontakt mit Personen aus dem wissenschaftlichen und universitären Umfeld. Nicht zuletzt kannte er den in Jena arbeitenden Zellbiologen Matthias Jacob Schleiden. Dieser vertrat eine akademische Disziplin und dabei ein Fachgebiet, in dem der Bedarf an hochwertigen Mikroskopen groß war. 1863 gelangte Zeiss als „Hofmechanikus“ der Jenaer Universität selbst in die Position, die auch sein ehemaliger Lehrer, Friedrich Körner, innegehabt hatte.

Ernst Abbe auf Briefmarke der DDR 1956Und drei Jahre später begann er, mit dem ebenfalls an der örtlichen Universität tätigen Physiker Ernst Abbe zusammenzuarbeiten. Was die Herstellung für optische Instrumente erforderlicher Linsen und Objektive betraf, wurde durch dessen maßgebliche Forschung allerdings erst zu Beginn der 1870er-Jahre ein Weg gefunden, auf erstmalig theoretisch formulierter Basis systematischer und effizienter vorzugehen. Abbes in einer „Theorie der Abbildung im Mikroskop“ festgehaltene Erkenntnisse waren nicht nur für eine wissenschaftliche Optik grundlegend. Sie waren auch für die wirtschaftliche Entwicklung von Zeiss‘ Unternehmen entscheidend. Abbe wurde in der Folge Teilhaber. Nach Zeiss‘ Tod stand er der Firma neben dessen Sohn Roderich weiter vor, bis diese vollständig in den Besitz der 1889 von Abbe initiierten „Carl Zeiss-Stiftung“ überging. An der Entwicklung besonderen, auf die Unternehmenszwecke abgestimmten optischen Glases wirkte seit 1882 der auf Glastechnik spezialisierte Chemiker Otto Schott mit, der in Jena promoviert hatte. Nach ihm war das „Glastechnische Laboratorium Schott und Genossen“ benannt, das Carl Zeiss, sowie Abbe und Schott 1884 ins Leben riefen und aus dem das „Jenaer Glaswerk Schott und Genossen“ hervorging. Dabei handelte es sich wiederum um einen Vorläufer der heutigen „Schott AG“, deren Alleinaktionärin ebenfalls die „Carl Zeiss Stiftung“ ist.

Carl Zeiss Stiftung auf Briefmarke der DDR von 1989Zeiss´ Firma beschäftigte da, im letzten Jahrzehnt des Lebens ihres Namensgebers, der 1880 von der Jenaer Universität einen Ehrendoktortitel erhalten hatte, längst mehrere hundert Mitarbeiter. Für diese installierten Zeiss und Abbe bereits acht Jahre vor Einführung der Gesetzlichen Krankenversicherung im Jahr 1883 eine betriebliche Krankenversicherung. Noch zu Lebzeiten Abbes, der 1905 starb, erweiterte das Unternehmen sein Spektrum. Als das 20. Jahrhundert begann, operierte man weltweit. Und dies u.a. auch in den Bereichen der Fotooptik und der astronomischen Anwendung optischer Instrumente. In den beiden Weltkriegen betätigte sich das Unternehmen in hohem Maß in der Rüstung. Nach 1945 gab es mit einem Staatsbetrieb in der DDR und einem zunächst ab 1946 vom Baden-Württembergischen Oberkochen aus operierenden „Carl Zeiss“ zwei Werke, die an die Vorkriegszeit anknüpften. Nach der Wiedervereinigung wurden sie wieder zusammengeführt.
Carl Zeiss war da schon länger als ein Jahrhundert tot. Er war am 3. Dezember 1888 mit 72 Jahren gestorben, nachdem er mehrere Schlaganfälle erlitten hatte. Seine erste Ehefrau Berta Schatter hatte die Geburt des Sohnes Roderich nicht überlebt. 1853 hatte Zeiss Ottilie Trinkler geheiratet, mit der er drei Kinder hatte.


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Verfasst von: Marius Prill

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