„Der Schrei“ und andere Leiden

Edvard Munchs Schrei auf norwegischer Briefmarke von 2013Zu den bekanntesten Werken Edvard Munchs gehören „Das kranke Kind“, „Madonna“ und vor allem „Der Schrei“. Der Vorreiter expressionistischer Kunst wurde vor 150 Jahren geboren. Wie viele Bilder Munchs gibt es auch „Der Schrei“ in unterschiedlichen Formen. Neben der Malerei arbeitete der Norweger nämlich auch mit anderen künstlerischen Techniken. Unter anderem produzierte er Lithografien, Holzschnitte und Zeichnungen. Dabei thematisierten nicht nur Munchs besonders berühmte Arbeiten des ausgehenden 19. Jahrhunderts Inneres und Gefühle. Vor allem ging es dabei um Ängste, Einsamkeit, Melancholie und Trauer.

Aber Motive seiner Bilder standen auch für zarte und verletzliche wie aufwühlende, zerstörerische Aspekte von Liebe. Munchs Kunst war insofern vor allem expressionistisch und symbolistisch. Und damit war sie innovativ und wegweisend. Denn in den letzten Jahrzehnten des Jahrhunderts bezog sich naturalistisch-realistische und auch impressionistische Kunst eher auf die Außenwelt. Die künstlerische Phase des „Expressionismus“ setzte erst ein, als sich das neue Jahrhundert zu entfalten begann. Einer ihrer Vorreiter, Munch selbst, malte da wiederum neben Situationen und Gefühlen menschlichen Lebens zeitweise auch wieder Landschaften. Und dies zudem in hellerer, reichhaltigerer Farbgebung.

Edvard-munch-briefmarke-madonnaOft werden die Aspekte seiner Kunst mit dem Leben Munchs in Verbindung gebracht. Mit seiner in Kristiana, dem heutigen Oslo, verbrachten Kindheit, während derer sowohl seine Mutter Laura Catherine als auch seine Schwester Sophie früh an Tuberkulose starben. Mit eigenem emotionalen Leiden, das ihn im Erwachsenenalter quälte und noch durch die Tode seines zugewandten, aber auch zwanghaft-angespannt religiösen Vaters und seines Bruders Andreas verstärkt wurde. Munch selbst sprach von derartigen frühen und intensiven Erfahrungen und ihren anhaltenden Konsequenzen für sein Dasein, im Besonderen für das als Künstler. Es ging ihm erklärtermaßen darum, Gefühle in ihrer existenziellen Qualität zu zeigen und zu ergründen. Für sich selbst und für andere Menschen, die durch seine Arbeiten Anregung und Hilfe in ihrem eigenen Verhältnis zum Leben finden konnten.

Edvard-munch-briefmarke-1963Nach einer besonders depressiven und von starkem Alkoholkonsum gekennzeichneten Phase kam Munch 1908 für eine Zeit in stationäre Behandlung. Nach eigener Aussage befand er sich mitunter am Rande des Wahnsinns. Anfang der 1880er-Jahre hatte ihm seine künstlerische Ausbildung eine künstlerische und bohèmienhafte Lebenswelt Kristianas eröffnet und ihn im Zusammenhang mit einigen Ausstellungen schließlich auch nach Paris und Berlin geführt. Und nicht nur als sie 1892 in Berlin öffentlich zu sehen war, rief Munchs Kunst Irritation, Befremdung und auch Empörung hervor. Denn sie zeigte Dinge wie sie viele nicht thematisiert sehen wollten. Und doch wurde schnell und wird noch heute oft gerade eine besondere Intensität in der Darstellung emotionaler und psychologischer Aspekte als Begründung des immensen Stellenwertes und Einflusses von Munchs Werk herangezogen. Wie in Berlin, führte öffentliche Entrüstung jedoch in manchen Fällen auch zur Schließung von Ausstellungen. Zwischen 1893 und 1896 lebte Munch trotzdem in der Reichshauptstadt, verkehrte mit ansässigen Künstlern und hinterließ stilistische Spuren, die sich später im deutschen Expressionismus zeigten.

Munchs Werke gingen seinem Willen gemäß in Besitz der norwegischen Regierung über, nachdem er 1944 gestorben war. 1963 wurde in Oslo das „Munch Museum“ eröffnet, in dem seither zahlreiche seiner vielen tausend Kunstwerke zu sehen sind. Munch hatte am Ende seines Lebens schon seit längerer Zeit wieder in Norwegen gelebt. Zurückgezogen, auf seinem eigenen ländlichen Anwesen hatte er dort weiter gearbeitet.


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Verfasst von: Marius Prill

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