Ein Grenzgänger der Heilkunst

Paracelsus-Briefmarke-D-1993Als Geburtsdatum von Theophrastus Bombast von Hohenheim wird oft der 17. Dezember 1493 genannt. Den von seiner schweizerischen Heimat aus wandernden und fahrenden Arzt, der europaweit praktizierte, lehrte und publizierte, nannte man irgendwann „Paracelsus“. Dies könnte eine lateinische Übersetzung für „von Hohenheim“ sein. Manchmal wird auch vermutet, dass sich der Name auf den im ersten Jahrhundert nach Christus verstorbenen, römischen Mediziner Celsus beziehe. In diesem Fall würde „para“ wohl darauf verweisen, dass Paracelsus die Lehren des alten Römers „überragte“ oder über sie „hinausging“. Speziell die zuletzt angeführte Übersetzung wäre durchaus passend.

Auf seinen nicht zuletzt eben deshalb fast lebenslang andauernden Reisen eckte Paracelsus, dessen Vater ebenfalls als Arzt praktizierte, ziemlich oft an. Besonders kritisierte er Kollegen, die sich der Weiterentwicklung medizinischen Wissens durch rigides Beharren auf überholte Lehren versperrten. Seine eigenen Annahmen, die er unter Rückgriff auf eigene ärztliche Erfahrungen, unter anderem als Militärarzt, ersann, präsentierte Paracelsus seinen Kollegen gegenüber nicht gerade zurückhaltend. Und auch sich selbst betrachtete und beschrieb er in überaus selbstbewusster Art und Weise, auch unter Anspielung auf seinen Zeitgenossen Martin Luther als wegweisenden Neuerer.

Paracelsus-Briefmarke-A-1991 Seinen Lehrauftrag an der Baseler Universität, den er vor allem erhalten hatte, weil er 1526 den ortsansässigen Buchdrucker Johannes Froben hatte kurieren können, verlor Paracelsus jedoch nicht nur aufgrund seiner polemisch vorgetragenen Kritik. Man wandte sich auch deshalb gegen ihn, weil er darauf bestand, seine Vorlesungen in deutscher statt lateinischer Sprache zu halten. Denn neben inhaltlichem Traditionalismus hatte Paracelsus in der medizinischen Profession auch einen problematischen Elitarismus diagnostiziert, den er aufzubrechen gedachte. Darüber hinaus sympathisierte er mit aufständischen Bauern, weshalb sich seine offensiv kommunizierte Reformbereitschaft nicht nur auf die Medizin beschränkte. Seine Gedanken zur Umgestaltung nahmen damit auch eine allgemeinere, gesellschaftskritische Dimension an. Ganz konkret führte dies dazu, dass er 1525 fluchtartig Salzburg verlassen musste.

Paracelsus‘ eigenes Werk umfasste neben Titeln wie „Große Wundarznei“ auch diverse Texte zu Aspekten christlicher Theologie. Es gestaltete sich als eine Sammlung und Mischung aus medizinischem Wissen sowie umfangreicher astrologischer und alchemistischer Spekulation. Praktische Heilverfahren, welche die gezielte Anwendung chemischer Kenntnisse und Heilmittel beinhalteten, verbanden sich mit Theorien über den Einfluss von Sternenkonstellationen sowie bösen Geistern und Dämonen auf Leben und Gesundheit.

Paracelsus-Briefmarke-1949 Neben einer ausgiebigen Beschäftigung mit Erkrankungen wie Syphilis, Pest und einer im Zusammenhang mit Arbeit unter giftigen stofflichen Bedingungen vorzufindenden „Bergarbeiterkrankheit“ verfasste Paracelsus ebenso eine Lehre zur schwarzen Magie. Die Hexenlehre beschäftigte sich mit der Verfasstheit, Aktivität sowie der Behandlung von Hexen. Und obwohl er sich in einem resoluten Individualismus über die Grenzen der konventionellen Medizin seiner Zeit hinausbewegte, hing Paracelsus bei alledem auch zeittypischen Vorstellungen an. Zum Beispiel nahm er Zusammenhänge verschiedener materieller und geistiger Sphären an. Was Gesundheit und Krankheit betraf, ging er von inneren Gleich-oder Ungleichgewichten an wenigen, elementaren Grundstoffen aus.

Paracelsus starb im fünften Jahrzehnt seines Lebens. Nicht selten wird eine Vergiftung als Todesursache vermutet, zu der es beim krankheitsbedingten oder experimentellen Versuch, sich selbst mit Quecksilber selbst zu behandeln, gekommen sein soll. Recht bald nach seinem Tod, noch im 16. Jahrhundert, begann eine rege Rezeption seiner zu Lebzeiten nur in geringen Teilen veröffentlichten Schriften. Mit diesen und mit der Figur Paracelsus beschäftigen sich auch heute sowohl medizinhistorische Untersuchungen als auch die Bereiche der Homöopathie und anderer alternativer Heilkonzepte.


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Verfasst von: Marius Prill

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