„… der am höchsten kommt“

Mit dem Gemälde „Bluxao I“ ehrte die Deutsche Bundespost 1989 Willi Baumeister zum 100. Geburtstag, MiNr. 1403.

Mit dem Gemälde „Bluxao I“ ehrte die Deutsche Bundespost 1989 Willi Baumeister zum 100. Geburtstag, MiNr. 1403.

Die frühzeitliche Malerei hatte es ihm angetan. Mit der Ausdauer, die Sammler auszeichnet, befasste sich Willi Baumeister mit den ältesten künstlerischen Zeugnissen der Menschheit. Höhlenmalereien studierte er ebenso wie prähistorische Fundstücke, Skulpturen und auch Handwerkszeug. Viele Werke erwarb er für die eigene Kollektion, andere untersuchte er genauestens. Zeitweise malte er ab 1933 sogar in Öl auf Sand auf Leinwand, eine Technik, die zumindest von der Materialwahl her an die Höhlenmalerei erinnerte.
Willi Baumeister, geboren am 22. Januar 1889 in Stuttgart, zählt zu den großen bildenden Künstlern der Moderne. Allerdings begründete er keine Schule und bewegte sich auch nie ausschließlich innerhalb einer Stilrichtung. Sein Werk lässt sich denn auch schwerer einordnen als das Schaffen anderer Künstler, die sich selbst klar definierten. Nach der Mittleren Reife absolvierte Baumeister zunächst eine Lehre als Dekorationsmaler, begann aber noch während der Lehrzeit seine Studien an der Kunstakademie Stuttgart, an der er unter anderem die Klassen Robert Poetzelbergers und Adolf Hölzels besuchte. Trotz erster akademischer Weihen beendete er seine klassische Lehre mit der Gesellenprüfung.
1912 nahm er erstmals an einer Ausstellung teil. Einem größeren Publikum wurde er im Folgejahr bekannt, als er am Herbstsalon in der Berliner Galerie „Der Sturm“ teilnahm. Seine erste eigene Ausstellung konnte Baumeister dann 1914 im „Neuen Kunstsalon“, Stuttgart, ausrichten. Die ersten Erfolge bewahrten ihn nicht davor, ins Feld zu müssen. Dennoch konnte er weiterarbeiten, reiste 1915 zu Oskar Kokoschka und Adolf Loos nach Wien und nahm 1916 an der Ausstellung „Hölzel und sein Kreis“ teil, die in Freiburg im Breisgau und in Frankfurt am Main stattfand. Kriegsbedingt musste er bis 1920 auf den formalen Studienabschluss warten. Kurz zuvor hatte ihm Hölzel die Worte „Sie werden von uns allen der sein, der am höchsten kommt“ mit auf den Weg gegeben.

Nach Kriegsende schloss sich Baumeister der Berliner „Novembergruppe“ an, die Paul Klee gegründet hatte. In Stuttgart gründete er zusammen mit Schlemmer und weiteren Künstlern die Gruppe „Üecht“, deren Name auf das alemannische Wort für „echt“, „wahr“ zurückgeht. Doch bereits 1921 trennte er sich wieder von Üecht. Als freier Künstler etablierte er sich in den zwanziger Jahren erfolgreich am Markt. Die Württembergische Bauberatungsstelle berief ihn 1925 zum Sondersachverständigen für farbige Hausanstriche, die Frankfurter Kunstgewerbeschule – später als „Städelschule“ bekannt – 1927 an die Klasse für Gebrauchsgrafik, Typografie und Stoffdruck. Einen Ruf an das Dessauer Bauhaus lehnte er ab. 1930 trat er der Vereinigung „Cercle et Carré“ – Kreis und Quadrat – bei.
Mit der Machtübernahme durch das Hitler-Regime verlor er seine Professur in Frankfurt. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich zunächst mit Gebrauchsgrafik, später dann als Forscher für alte und neuzeitliche Maltechniken in der Farbenfabrik des Mäzens Dr. Kurt Herberts. Zudem konnte er noch international ausstellen. Obgleich fünf Bilder in die Ausstellung „Entartete Kunst“ aufgenommen wurden, erfolgte das offizielle Mal- und Ausstellungsverbot erst 1941. Nichtsdestoweniger arbeitete Baumeister weiter. 1943/44 erstellte er das Manuskript für sein programmatisches Buch „Das Unbekannte in der Kunst“, das dann nach der Befreiung 1947 erscheinen konnte.


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Bereits 1946 hatte er einen Ruf an die Stuttgarter Kunstakademie erhalten. Dort erwies er sich nicht nur als herausragender Künstler, sondern auch als exzellenter Pädagoge, der das Prinzip des offenen Unterrichts erfolgreich umzusetzen verstand. Sein Motto lautete: „Wir malen keine Bilder, wir studieren.“ Den Anfeindungen anderer Professoren ausgesetzt, konnte Baumeister darauf verweisen, dass seine Schüler nicht bloß aus Deutschland kamen. Ein Vorschlag zu einer allgemeinen Reform des Unterrichts scheiterte unter anderem am Widerstand des Rektors. 1955 wurde Baumeister altersbedingt emiritiert, bekam aber noch einen Lehrauftrag.
1949 gründete Baumeister mit Gleichgesinnten die Gruppe „Gegenstandslose“. Offensiv verteidigte er die moderne Kunst gegen alle Kritiker, die der persönlichen Bildsprache Baumeisters zwar nichts entgegenzusetzen hatten, sich in der Ablehnung allen Neuens dafür umso einiger waren.
Willi Baumeister verstarb am 31. August 1955 in seinem Stuttgarter Atelier, den Pinsel in der Hand.


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Verfasst von: Torsten Berndt

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