Das Athen an der Isar

Briefmarke zu Leo von Klenzes 225. Geburtstag

Leo von Klenze höchstselbst legte das Gemälde mit der Ansicht der Propyläen vor, MiNr. 2719.

Was macht das Besondere vieler europäischen Metropolen aus? Markante Gebäude sind die Wahrzeichen und Sehenswürdigkeiten vieler Städte. Es gibt Orte, die man gesehen haben „muss“, wenn man eine Stadt besucht. Das sind z. B. die Eremitage in St. Petersburg, die Walhalla bei Regensburg, das klassizistische Stadtzentrum Athens, der Englische Garten in München oder auch das Schloss Wilhelmshöhe bei Kassel. Orte, die eine Geschichte zu erzählen haben. Dort stehen Bauwerke, mit denen der Architekt Leo von Klenze maßgebliche Spuren hinterlassen hat.
Franz Leopold Karl von Klenze wurde in 1784 Schladen geboren. Dies ist ein kleines Dorf in der Nähe von Wolfenbüttel im heutigen Niedersachsen. Das Studium der Juristerei – auf Wunsch des Vaters – sagte dem Jungen Leo wenig zu. Schließlich studierte er Architektur und Bauwirtschaft in Berlin unter dem Lehrmeister David Gilly, einem berühmten Architekten und Stadtplaner, der als einer der Wegbereiter des Klassizismus gilt. Klenzes Erstlingswerk war der Ballsaal des Schlosses Wilhelmshöhe bei Kassel. Er baute ihn zunächst als Hoftheater, für den hessischen Landgrafen wurde dieses später zu einem Ballsaal umgestaltet.

Leo von Klenzes Alte Pinakothek auf Briefmarke von 2011

Um 1880 entstand die Ansicht der Alten Pinakothek, MiNr. 2893.

Leo von Klenzes Schaffen fiel in eine typische Phase der europäischen Geschichte, in der Monarchen versuchten, ihre Herrschaft durch Bauten und Kunstsammlungen zu verfestigen und repräsentative Orte zu schaffen. Grund hierfür war seine Bekanntschaft mit König Ludwig I. von Bayern. Er lernte Ludwig – damals noch bayerischer Kronprinz – 1814 während einer Studienreise in Paris kennen. Nach dieser Begegnung ließ sich Klenze endgültig in München nieder. Es folgte eine intensive Zusammenarbeit zwischen den beiden Männern. Als Ludwigs Hofarchitekt entwarf er öffentliche Plätze, Straßenzüge und viele monumentale Gebäude. Die Vision, die beide teilten, war die herausgehobene Stellung Münchens als das kulturelle und intellektuelle Zentrum Europas, ein Athen an der Isar.
Ein intensiver Briefwechsel zwischen Ludwig und Leo ist erhalten geblieben. Ein Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Hubert Glaser an der Universität München sichtete diesen Briefwechsel und konnte bis 2011 eine dreibändige Sammlung aus Briefen und anderen Schriftstücken präsentieren. Dieser Schriftwechsel legt Zeugnis über eine fruchtbare, aber auch spannungsreiche Zusammenarbeit ab. Klenze selbst erwarb sich zu dieser Zeit den Ruf eines knallharten Karrieristen. Neben der Architektur galt von Klenzes Leidenschaft auch anderen Künsten. Er war schriftstellerisch tätig, konzipierte Ausstellungen antiker Kunst und war ein durchaus anerkannter Maler. Seine Gemälde zeichnen sich durch eine besondere Liebe zum Detail und einen besonderen Sinn für Farbe und Raum aus. Reisen nach Italien und Griechenland inspirierten offensichtlich seine Architektur, aber auch seine Malerei wie z.B. die „Idealisierte Ansicht der Akropolis“ von 1846.

Bavaria mit von Leo von Klenze erbauter Ruhmeshalle auf Marke von 1970

Die von Ludwig Schwanthaler geschaffene Bavaria bewacht Leo von Klenzes Ruhmeshalle, MiNr. 627.

Für sein Schaffen wurde Leo von Klenze vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit der Ehrenbürgerschaft in München und der Royal Gold Medal – einem jährlich im Namen des Englischen Königshauses verliehenem Architekturpreis. Eine weitere hohe Würdigung war die Verleihung des Ordens „Pour le Mérite“ der Friedensklasse für Wissenschaft und Künste. 1822 wurde er in den Adelsstand erhoben. Sein 100. Geburtstag wurde mit einer Dankesrede vor dem bayerischen Architekten- und Ingenieurverein gefeiert. Leo von Klenze starb am 27. Januar 1864 und fand seine letzte Ruhe auf dem alten Südfriedhof im Münchener Glockenbachviertel. Viele Künstler wurden von ihren Zeitgenossen verschmäht und genossen erst nach ihrem Tod größeren Ruhm, bei von Klenze war eher das Gegenteil der Fall. Dem klassizistischen Stil wurde von der Nachwelt wenig Originalität zugemessen. Aber seit einigen Jahren begann man, sich auf die besonderen Leistungen dieses Architekten zu besinnen. Es fällt sein Gespür für die psychologische Wirkung von Räumen und die Komposition städtebaulicher Gefüge auf. Vielleicht ist Ihr nächster Städtetrip ein Anlass, der Leistungen dieses großartigen Architekten zu gedenken. München ist schließlich immer eine Reise wert…


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Verfasst von: Martin Gloger

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