Gefangen im Pfälzerwald

Richard Löwenherz auf französischer Briefmarke von 1999

Zum 800. Todestag von Richard Löwenherz erschien in Frankreich diese Sondermarke, MiNr. 3379.

Er war nicht irgendjemand, der Gefangene, der am 4. Februar des Jahres 1194 nach Zahlung eines enormen Lösegeldes in der Höhe von 100 000 Mark Silber freigelassen wurde: Richard Plantagenet, besser unter dem Namen Richard Löwenherz bekannt und immerhin englischer König, hatte mehr als ein Jahr in Gefangenschaft auf der Reichsburg Trifels verbracht. In diese missliche Lage war er geraten, als er vom Dritten Kreuzzug zurückkehrte. Unglücklicherweise hatte dieser Kreuzzug wenig greifbare Ergebnisse gezeigt, denn Jerusalem war nicht zurückerobert worden, was Richard aber erreicht hatte, war, es sich während des Feldzuges sowohl mit Philip II. von Frankreich, als auch mit dem österreichischen Herzog Leopold V. gründlich zu verderben. König Philip II. verabredete daraufhin mit Kaiser Heinrich VI., der seinerseits von Richards Bündnispolitik wenig angetan war, die Gefangennahme des englischen Königs.

Burg Trifels auf Dauermarke von 1966

Burg Trifels erschien mehrfach auf Dauermarken, hier MiNr. 276.

Als Richard nun auf dem Weg nach Bayern zu seinem Schwager Heinrich dem Löwen war, wurde er in der Nähe von Wien erkannt, festgesetzt und schließlich von Leopold dem Kaiser auf dessen Reichsburg Trifels im Pfälzerwald überstellt. Die Gefangennahme kam auch Richards Bruder, Johann Ohneland, sehr zugegen, der nun sogleich die Bezahlung des geforderten Lösegeldes verweigerte und darüber hinaus Maßnahmen zur Befreiung Löwenherzs torpedierte, was ihm schließlich ermöglichte, selbst die Regierungsgeschäfte weiterzuführen. So blieb es Richards Mutter, Eleonore von Aquitanien, überlassen, das Lösegeld aufzubringen. Wirtschaftlich war das für die englische Krone verheerend. Man schätzt, dass die geforderte Summe etwa dem Doppelten des königlichen Jahreseinkommens entsprach. Bis heute sind in England keine wertvollen Gegenstände aus dieser Zeit mehr vorhanden, außerdem brachen in der Folge Unruhen aus, die später zur Entstehung des Mythos um Robin Hood führten.

Leopold wurde zwar von Papst Coelestin III. exkommuniziert, da Kreuzfahrer schließlich unter dem besonderen Schutz des Papstes standen, konnten sich dafür aber über einen beträchtlichen Anteil am Lösegeld freuen, was, wie einige behaupten, ihm die Gründung der Wiener Münzstätte ermöglichte. Kaiser Heinrich nutzte seinen Anteil erfolgreich, um das Königreich Sizilien und dessen Schätze zu erobern, während Richard Löwenherz nach einigen Wochen nach England zurückkehrte. Von dort aus führte er seinen Kampf um seine Besitzungen in Frankreich weiter. Am 25. März 1199 wurde Richard Löwenherz, eine der schillerndsten Figuren des Mittelalters, während der Belagerung der Burg Châlus von einem Armbrustbolzen getroffen, woran er am 6. April verstarb.


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Verfasst von: Udo Angerstein

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