Meter statt Pfund und Zoll

Ole Jacob Broch auf norwegischer Briefmarke von 1975

1975 erschien in Norwegen Brochs Porträt auf einer Sondermarke zu 100 Jahren Unterzeichnung der Meterkonvention, MiNr. 704.

Einheitliche Maße werden in einer zusammenwachsenden Welt immer wichtiger. Der „Meter“ hat einiges vereinfacht. Man stelle sich das Chaos vor, wenn jedes Land eigene Längeneinheiten hätte. Wissen Sie auch, wer zu dieser Vereinheitlichung beigetragen hat? Einer dieser Menschen ist der Mathematiker Ole Jacob Broch. Ole Jacob Broch wurde 14. Januar 1818 in Fredrikstad geboren. Sein Vater war der damalige Kriegsminister Johan Jørgen Broch. Es zeigte sich schon sehr früh eine besondere mathematische Begabung beim kleinen Ole. Bereits im Alter von elf Jahren förderte sein Onkel diese mathematischen Ambitionen, indem er ihm Privatstunden in Höherer Mathematik gab. Es folgten Studien an der Universität Christiania – der heutige Name dieser Stadt ist Oslo – und Studienaufenthalte in Paris, Berlin und Königsberg. Seine Leidenschaft galt nicht nur der „Reinen Mathematik“, sondern auch ihrer Anwendung für die Technik und statistische Kalküle. Der junge Broch war ein herausragender Student und er galt recht früh als möglicher Nachfolger des Mathematikers Niels Henrik Abel – eines der führenden Köpfe des damaligen Norwegens.

Auf Studienreisen durch Europa setzte er sich neben den Studien der Mathematik eingehend mit der Optik auseinander. In Paris lernte er die Lichttheorie Augustin-Louis Cauchys kennen. Diese vermutete, dass Lichtwellen, je nach Ausbreitungsgeschwindigkeit unterschiedliche Geschwindigkeiten hätten. Broch führte in der folgenden Zeit eigene Lichtexperimente durch, um diese Theorie zu überprüfen. Dieser Ansatz bringt im Übrigen Resultate, die der heutigen Relativitätstheorie sehr ähneln, obwohl er von ganz anderen Voraussetzungen ausgeht. Nach Abschluss seiner Studien trat er eine Stelle an der Universität von Christiania an, die er allerdings nach einiger Zeit wieder aufgab, um sich an der Gründung einer Privatschule zu beteiligen. Er lehrte aber weiterhin an der Hochschule, erst als außerordentlicher Lektor, später als Professor. Daneben schrieb er Lehrbücher, sowohl in der Reinen wie auch in der Angewandten Mathematik und in der Technik. Auf dem deutschsprachigen Büchermarkt war lange Zeit das aus seiner Feder stammende „Lehrbuch der Mechanik“ von 1854 ein Standardwerk in der Ingenieurausbildung.

Aus einer Politiker-Dynastie stammend, war er kein Mensch, der sich im Elfenbeinturm einrichten konnte. Mathematik und Politik verbindend, engagierte er sich für das Sozialversicherungssystem Norwegens und gilt dadurch als der erste Versicherungsmathematiker Norwegens. Wie vielen politisch umtriebigen Wissenschaftlern wurde es ihm an der Universität irgendwann vermutlich langweilig und er fühlte sich für die große Politik berufen. Nach einigen Ämtern im Magistrat seiner Heimatstadt Christiania ließ er die akademische Karriere schließlich ruhen und trat in die norwegische Regierung ein, was den Zenit seiner politischen Karriere darstellte. Wieder leistete er Pionierarbeit, unter anderem für das Eisenbahn- und Telegrafen-Netz Norwegens.

Briefmarke zu 100 Jahren Meterkonvention aus Schweden 1975

Der Meterkonvention wurde 1975 in elf Ländern philatelistisch gedacht, so auch in Schweden, MiNr. 903.

Ole Jacob Broch starb am 5. Februar 1889 in Paris. Sein Vermächtnis für die Technikgeschichte ist allgegenwärtig. Auf Brochs Initiative hin wurde in Norwegen als erstem Land das metrische System etabliert. Maßeinheiten, die mit Dezimalschritten arbeiten, gab es schon in der Antike. Revolutionär war der Versuch, ein System zu etablieren, das einheitlich ein System von Zehnerschritten nutzt. 1875 begann der Meter, das bestehende System von Pfund und Zoll abzulösen. Kurze Zeit, nachdem die 17 zur damaligen Zeit führenden Industrienationen die Meterkonvention unterzeichneten, setzte Norwegen diese Empfehlung als Erstes um. Derzeit nutzen nur drei Länder auf der Welt kein metrisches System. Das sind die USA, Liberia und Myanmar


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Verfasst von: Martin Gloger

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