„Das große Menschenorchester“

Max Beckmann Stillleben auf Briefmarke von 1974

Max Beckmanns Großes Stillleben mit Fernrohr erschien 1974 auf Marke, MiNr. 822.

Ab heute würdigt das Projekt „Künste im Exil“ das Leben und Werk Max Beckmanns mit einer virtuellen Sonderausstellung. Anlass dazu gibt der 130. Geburtstag des in Leipzig geborenen Malers und Bildhauers. Das Projekt verfolgt das Ziel, das Exil von Künstlern von allen Seiten zu beleuchten. Die Ausstellung umfasst neben Kunstwerken auch Briefe, Dokumente, Personeneinträge und Fotografien. Damit wird nicht nur sein Schaffen, sondern auch das Leben des Malers skizziert. Als der Künstler als Sohn von Antonie und Carl Beckmann geboren wird, sind seine Geschwister Richard und Margarethe bereits 16 und 15 Jahre alt. Die ersten Jahre seiner Kindheit verbringt er in der Großstadt Leipzig. Auch wenn Max Beckmann den Ort später „allerdings nicht als meinen wesentlichen“ betrachtete, bildeten Großstadtszenen doch einen wichtigen Bestandteil seines Werkes.

Gegen Ende des Ersten Weltkrieges bekennt er sich zum urbanen Künstlertum, da ihm zufolge das „große Menschenorchester“ in der Stadt zu finden sei. Nachdem Beckmann die Volkshochschule im heutigen Złocieniec und Schulen in Leipzig besucht hat, zieht die Familie in den Herkunftsort der Eltern, nach Braunschweig um. Auf der Schulbank in seinem neuen Wohnort entstehen die ersten Zeichnungen des späteren Malers. Max Beckmann meinte selbst zu dieser Zeit: „In Braunschweig zeichnete ich mich in der Schule dadurch besonders aus, dass ich in den Stunden eine kleine Bilderfabrik errichtete, deren Erzeugnisse von Hand zu Hand gingen und manchen armen Mitsklaven über sein trübes Schicksal auf einige Minuten hinwegtäuschte.“ Der Vater verstirbt 1895, kurze Zeit nach der Übersiedelung in seine ursprüngliche Heimat Braunschweig. Der Tod des Vaters, und auch der Tod der Mutter zehn Jahre später lösen einen Kreativitätsschub bei Beckmann aus. So malt er bereits im Alter von 12 Jahren, sein Vater war noch kein Jahr verstorben, sein erstes Aquarell. Es handelt sich um ein Motiv aus dem Märchen „Hirtenbüblein“ der Gebrüder Grimm.

Etwa im Alter von 15 Jahren fertigt der Künstler das erste Porträt seiner Person. Damit beginnt eine Reihe von 39 überlieferten Selbstporträts und 24 Figuren mit selbstbildhaften Zügen. Im Jahr 1900 besteht der Sechzehnjährige die Aufnahmeprüfung der Kunstschule Weimar, wo er 1901 in die Klasse des Carl Frithjof Smith eintritt, den er stets als seinen einzigen Lehrer betrachtete. 1903, nachdem Beckmann eine Vielzahl von Belobigungen erhalten hatte, begibt sich der Künstler für einige Monate nach Paris. Auf der Studienreise durch die französische Hauptstadt lernt Beckmann spätgotische Bauwerke sowie Werke von Vincent van Gogh kennen, der bereits 1890 verstorben war.

Max Beckmanns Junger Agentinier auf Briefmarke von 2003

Kein Selbstporträt, sondern ein „Junger Argentinier“ erschien 2003 auf Sondermarke, MiNr. 2315.

1905 schließt sich der Maler in der deutschen Hauptstadt der „Berliner Secession“ an, die aus Naturalisten und Impressionisten, die gegen das Kunstverständnis Kaisers Wilhelm II. den Alltag auf realistische Weise darstellten, bestand. Im gleichen Jahr nimmt er seine Studienfreundin Minna Tube zur Frau, mit der er mehrere Reisen nach Paris und Florenz unternimmt. 1910 wird Beckmann als jüngstes Vorstandsmitglied der Secession gewählt. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbricht, meldet sich der Maler als Freiwilliger zum Sanitätsdienst in Flandern. In dieser Zeit entsteht eine Vielzahl von Zeichnungen und Radierungen, die Kriegseindrücke festhalten. Ein Jahr darauf erfolgt wegen eines psychischen Zusammenbruchs, der ihm aufgrund der Erlebnisse mit den Verwundeten widerfuhr, die Entlassung aus dem Militärdienst. In Beckmanns Werken der darauffolgenden Jahre sind die Kriegserfahrungen deutlich erkennbar. Sein Stil wird kantiger, einfacher, expressiver und vor allem sozialkritischer.

In den folgenden 15 Jahren verlagert er seinen Lebensmittelpunkt in die Stadt Frankfurt am Main. Er übernimmt das Meisteratelier der Kunstgewerbeschule und trennt sich von seiner ersten Frau Minna Tube. Kurz darauf geht er eine zweite Ehe mit Mathilda von Kaulbach ein. 1929 wird er zum Professor an der Frankfurter Städelschule berufen. Ab 1931 wird Beckmann zunehmend von nationalsozialistischer Seite her angegriffen. Dies führt so weit, dass er 1933 seine Professur in Frankfurt verliert. Vier Jahre später wird er als „entarteter“ Künstler verleumdet, 509 seiner Werke werden aus deutschen Museen von den Nationalsozialisten beschlagnahmt. Schließlich flieht der Künstler mit seiner Frau nach Paris, später nach Amsterdam. Als die Deutschen in den Niederlanden einmarschieren, sieht sich der Künstler gezwungen, seine seit 1925 geführten Tagebücher zu verbrennen, weshalb ein Großteil seiner Hinterlassenschaft vernichtet wird. Seinen Lebensabend verbringt Beckmann als Professor in den Vereinigten Staaten. Am 27. Dezember 1950 stirbt er in New York.


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Verfasst von: Stefanie Dieckmann

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