„Einfachheit des Ausdrucks, eine Form ohne Verzierungen“

Gemälde von Lothar Zitzmann auf Olympia-Briefmarke der DDR von 1980

Zitzmanns Läufer vor dem Ziel erschienen 1980 auf Olympiamarken der DDR, MiNr. 2504.

Kunst, die sich nicht an überflüssigen Details aufhängt, aber dynamisch bleibt, war das Ideal seines Schaffens: Lothar Zitzmann brachte es in der DDR zu überregionalem künstlerischen Rang. Seine Werke wurden an vielen Orten ausgestellt. Auch wer sich nicht zu den Museumsgängern zählte, dürfte sich an seine Sondermarken zu den Olympischen Spielen erinnern. Lothar Zitzmann wurde am 14. Februar 1924 in Kahla (Thüringen) geboren. Nach dem Abitur 1944 folgten das Studium der Malerei in Weimar und weitere Studien der Philosophie, Kunstpädagogik und Psychologie in Jena. Nach einer kurzen Zeit als freier Maler wurde der junge Zitzmann Dozent für Malerei, 1955 schließlich Professor. Als Kunstpädagoge legte er großen Wert auf die solide Vermittlung handwerklicher Grundlagen, auf deren Basis besonders befähigte Kandidaten in der Lage sein sollten, den Weg zur Kunst zu beschreiten. Auch an der Entwicklung eines Fernstudiums im Fach Kunst wirkte er mit.

Obwohl er in jungen Jahren bereits recht etabliert war, blieb der junge Künstler weiterhin experimentierfreudig. In den 1950er-Jahren ist eine offensichtliche Auseinandersetzung mit dem Kubismus zu erkennen. Weiter wird der von den Machthabern offiziell geförderte sozialistische Realismus berücksichtigt. Zitzmann suchte aber auch Anschluss zu regionalen Maltraditionen. Seinen Stil prägte der Verzicht auf ablenkende Details. Es ging darum, einen schmalen Grad zwischen Organik und geometrischen Formen auszuloten. In seinen eigenen Worten: „Für mich geht es um ein Höchstmaß an sichtbarer Ordnung in Beziehung zu einer Aussage über Realität. Ich möchte Einfachheit des Ausdrucks, eine Form ohne Verzierungen, einen lapidaren Realismus.“ Lothar Zitzmann starb am 19. Februar 1977 in Halle. Nach seinem Tod wurden seine Kunstwerke auf mehreren DDR-Briefmarken abgebildet. Dazu gab es zwei Anlässe:

Sozphilex-Zitzmann-Briefmarkenblock-1977

Ein Kunstwerk ist anlässlich der Weltjugendspiele entstanden. Die Weltjugendspiele – nicht zu verwechseln mit dem Weltjugendtag der katholischen Kirche – waren internationale Treffen linkspolitischer Jugendorganisationen. Sie waren auch ein Anlass für die politischen Machthaber, die Vorzüge ihres Systems anzupreisen. Die DDR-Führung nutzte ebenfalls die Weltjugendtage in Ost-Berlin 1973, um sich im besten Licht darzustellen. Zeitzeugen erinnerten sich an ein „Woodstock des Ostens“, in dem die Tristesse des DDR-Alltags für kurze Zeit vergessen werden durfte. 1975 stellte Zitzmann sein für diesen Anlass entstandenes Gemälde „Weltjugendlied“ fertig, das wohl eines seiner bekanntesten Werke ist und 1977 auf einer Briefmarke der DDR abgebildet wurde.

Weniger Worte sind zu den Olympischen Spielen zu machen. Die DDR nahm sich auf insgesamt 84 Briefmarken dem Thema Olympia an, denn Erfolge im Sport sollten auch die Stärke des sozialistischen Staates verdeutlichen. 1980 brachte die DDR insgesamt zwölf Marken zu Olympia heraus, die die Kunstwerke prominenter DDR-Künstler zeigen. Mit dabei waren unter anderem die Künstler Willi Sitte, Siegfried Schreiber und Karl Raetsch. Lothar Zitzmanns Werke stellen zwei Motive auf dieser Briefmarkenserie dar: „Skiläuferinnen“ und „Läufer vor dem Ziel“. Die Kunstwerke Lothar Zitzmanns werden noch heute ausgestellt. Im Museum für angewandte Kunst in Gera können sie derzeit bewundert werden.

Lothar-Zitzmann-Olympia-Briefmarkenblock-1980


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Verfasst von: Martin Gloger

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