Pfadfinder: „Learning by doing“

Olave-Baden-Powell-Briefmarke-2010Pfadfinder und vor allem Pfadfinderinnen in der ganzen Welt feiern heute den „Thinking Day“, um an den gemeinsamen Geburtstag des Ehepaares Baden-Powell zu erinnern. Der britische Offizier Robert Baden-Powell begründete die Pfadfinderbewegung. 1908 publizierte er zu diesem Zweck das pädagogische Werk „Scouting for Boys“, in dem er erstmals den Lehrsatz „Learning by doing“ festhielt. Seine Frau, Olave, an deren 125. Geburtstag heute gedacht wird, ging mit ihm Hand und Hand. Sie war Mitbegründerin der „World Association of Girl Guides and Girl Scouts (WAGGGS)“, der Pfadfinderinnenbewegung. Im englischen Chesterfield kommt Olave am 22. Februar 1889 zur Welt. Während ihrer Kindheit wird ihr nicht der übliche Kontakt zu Gleichaltrigen zu teil, da sie stets von ihren Eltern oder einem Kindermädchen unterrichtet wird und sie daher nie eine Schule besucht. Olave begeistert sich schon früh für sportliche und musikalische Aktivitäten, wie Tennis, Fußball, Eislaufen, Kanufahren und Geige spielen.

Auf einer Dampferreise nach New York im Januar 1912 trifft die 23-jährige auf ihren späteren Ehemann Robert Baden-Powell. Trotz des enormen Altersunterschiedes von 22 Jahren heiraten sie am 30. Oktober. Ein Jahr später wird ihr Sohn Peter geboren. Seine beiden Schwestern Heather und Betty erblicken 1915 und 1917 das Licht der Welt. 1913 übernimmt Olave die erste Funktion in der Pfadfinderbewegung. Sie engagiert sich, nachdem die Schwester ihres Gatten, Agnes Baden-Powell, abgelöst wird, in der Pfadfinderinnenbewegung. Für das Komitee der Vereinigung organisiert sie schließlich die Pfadfinderinnenarbeit in der südenglischen Grafschaft Sussex. Im Jahr 1916 erhält sie erste Führungspositionen. Sie wird zur obersten Führerin (Chief Commissoner) gewählt. Zwei Jahre später wird ihr der Titel „Chief Guide“ verliehen.

Olave-Baden-Powell-Briefmarke-1985Im ersten Weltkrieg engagiert Olave sich für Hilfsprojekte der Pfadfinder und des YMCA. Neben der Unterstützung britischer Soldaten in Frankreich reist sie um die Welt, um neue Gruppen aufzubauen. Der Bund der Pfadfinder verfolgt das Anliegen, den Frieden zu sichern und neue Kriege zu verhindern. Im Werk „Scouting for Boys“ heißt es: „Wenn wir mit unseren Nachbarn in fremden Ländern und Übersee Freundschaft schließen und wenn sie unsere Freundschaft erwidern, so werden wir nicht das Verlangen haben, gegen sie zu kämpfen. Das ist bei weitem die beste Methode, um künftige Kriege zu verhindern und einen dauerhaften Frieden zu sichern“.
In den Dreißigerjahren baut sich die Bewegung weltweit immer weiter aus. Nachdem Olave 1932 das Großkreuz des britischen Verdienstordens verliehen wurde, eröffnet sie im schweizerischen Adelborn das erste WAGGGS Weltzentrum „Our Chalet“. Gemeinsam mit ihren Kindern reist sie um die Welt, um Pfadfinder und Pfadfinderinnen zu besuchen.

Lord-and-Lady-Baden-Powell-BriefmarkeIhr Ehemann stirbt 1941 in der neuen Heimat Kenia. Ein Jahr darauf kehrt Olave nach England zurück, wo sie sich im Hampton Court Palace niederlassen darf, was eine große Ehre darstellt. Nach dem Tod Roberts führt sie ihre weltweite Arbeit fort. Sie hält internationalen Briefkontakt, besucht jedoch auch weiterhin persönlich Anhänger der Bewegung auf der ganzen Welt. Nach dem Zweiten Weltkrieg unterstützt sie vor allem Pfadfinder in den befreiten Ländern Europas, sodass ein Wiederaufbau der Bewegung ermöglicht werden kann.
Mitte der Fünfzigerjahre nimmt sie an der Einweihung des „Our Cabana“, eines der Weltzentren von WAGGGS, in Mexiko teil. Außerdem erwirbt sie ein neues Haus für das Projekt „Our Ark“ in London.
Nach einigen Jahren, die sie in Krankheit verbringt, verstirbt sie 1977 in England. Ihre Asche wird neben der ihres Ehemanns im kenianischen Nyeri begraben.
Schätzungsweise gehören der größten weltweiten Jugendbewegung heute 38 Millionen Kinder und Jugendliche an. Menschen aller Kulturen und Glaubensbekenntnisse können der Organisation beitreten. Nach dem Schutzpatron St. Georg, der einen Drachen getötet haben soll, werden die Pfadfinder dazu angeregt, stets ritterlich und ehrlich zu handeln. Sie sollen Hilfsbedürftige unterstützen und die Umwelt bewahren. Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist bei den Pfadfindern stark ausgeprägt. „Wir gleichen den Ziegeln einer Mauer: Jeder von uns hat seinen Platz, wenn er auch in einer so großen Mauer recht klein erscheint. Wenn ein einziger Ziegel zerfällt oder aus seiner Stelle bricht, dann entstehen Sprünge, und die Mauer beginnt zu wanken“ (Scouting for Boys).


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Verfasst von: Stefanie Dieckmann

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