Ein Meilenstein der Massenmedialität

Alois Senefelder auf österreichischer Briefmarke von 1998Vor der Erfindung der Fotografie war es lange Zeit schwer möglich, Grafiken und Bilder zu vervielfältigen, ohne dass die Wesensart des Werkes und die Handschrift des Künstlers verfälscht wurden. Ein wichtiger Pionier der technischen Reproduzierbarkeit von Kunstwerken war Alois Senefelder. Er wurde am 6. November 1771 in Prag geboren und entstammte einer Schauspielerfamilie. Sein künstlerisches Talent wurde bereits während der Schulzeit erkannt und eingehend gefördert. Es folgte das Studium der Juristerei, das er mit Auszeichnung abschloss. Schon während der Studienzeit engagierte er sich künstlerisch – vor allem in einer Schauspieltruppe – und schriftstellerisch. Aber auch nach dem Studium war er weiterhin als Schauspieler tätig und schrieb auch Bücher für Theaterstücke. Ein erster großer Erfolg aus seiner Feder war das Lustspiel „Die Mädchenkenner“.

Sein großartiger Verdienst für den Buchdruck aber auch für die Kunst war aber die Erfindung der Lithografie. Lithografie bedeutet wörtlich so viel wie mit einem Stein schreiben. Ab 1796 begann er, an der Entwicklung dieses neuen Verfahrens zu arbeiten. Alois Senefelder ließ sich zu der Zeit bei dem Münchener Hofmusiker Franz Gleißner nieder, der seine Druckexperimente ideell und finanziell unterstützte. Zum Durchbruch kam es ein Jahr später, als es ihm gelang, eine brauchbare Druckpresse herzustellen.

Alois Senefelder auf Briefmarke von 1972Diese neue Technik sollte kurze Zeit später zu den verbreitetsten Farbdruckverfahren gehören. Senefelder nannte es selbst noch chemische Druckerei oder Steindruckerei, der neue Name Lithografie bürgerte sich einige Jahre später in Frankreich ein. Die Kunst machte sich diese Technik schnell zunutze, da sie vom Künstler keine besonderen chemischen oder technischen Kenntnisse abverlangte, wie bis dahin genutzte Druckverfahren. Dafür bot sie neue Gestaltungsverfahren. Ein früher Meister der Lithografie war Adolph von Menzel. Ebenfalls mit dieser Technik arbeiteten Pablo Picasso, Emil Nolde und auch Käthe Kollwitz.

In der Produktion von Musiknoten begann man sich schnell der Lithografie zu bedienen. Damit war das vorher übliche Verfahren des Kupferstichs abgelöst und man konnte nun Musiknoten in großer Menge zu günstigen Preisen herstellen. Dies war die erste kommerzielle Nutzung des neuen Druckverfahrens. Ebenfalls interessant war die Lithografie für Zeitungen. Es war durch sie möglich, aktuelle Ereignisse auch grafisch festzuhalten und Karikaturen in großer Anzahl unter die Leserschaft zu bringen.

Alois Senefelder auf tschechoslowakischer Briefmarke von 1991Für die Philatelie hat das Steindruckverfahren ebenfalls eine sehr große Bedeutung gehabt. Vor der Entwicklung und Verbreitung von Offset-Druckverfahren, wie es heute noch genutzt wird, war die Lithografie ein übliches Verfahren zur Herstellung von Briefmarken. Erkennbar sind auf diese Art hergestellte Postwertzeichen an den gedämpften Farben und leicht unscharfen Druckkonturen. Nach heutigen Maßstäben ist Lithografie allerdings für die Massenproduktion zu aufwendig, sodass sich ihre Anwendung eigentlich nur noch auf die Kunst beschränkt.

Seine Erfindung brachte Alois Sennefelder sehr viele Auszeichnungen. Seit 1808 wird er mit einer eigenen Skulptur in der Ruhmeshalle in München verehrt. Vorher hatte der bayerische Prinz seine Werkstatt besucht und ihm bei diesem Anlass den Titel primus auctor – frei übersetzt „der erste Erfinder“ – verliehen. Er starb vor 180 Jahren, am 26. Februar 1834, in München. In Berlin kann man das Denkmal Alois Senefelders in der Schönhauser Allee besuchen. In Deutschland wurden insgesamt mehr als 50 Straßen nach ihm benannt, sowie einige Schulen.


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Verfasst von: Martin Gloger

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