Mit 250 Wörtern auf den „Walk of Fame“

Theodor Seuss Geisel auf Briefmarke aus den USA von 2004Kennen Sie einen Autor, der nicht nur allgemein bekannt ist, sondern dessen Texte wirklich jeder studiert hat? Ist so etwas möglich? Ist so eine Aussage nicht sehr gewagt? Dr. Seuss kann das von sich behaupten, zumindest für die US-amerikanische Leserschaft. Er würde heute seinen 105. Geburtstag feiern. Theodor Seuss Geisel wurde am 2. März 1909 in Springfield als Sohn deutscher Einwanderer geboren. Die Interessen des kleinen Theodor waren vielfältig. Er besuchte nach der Highschool zunächst eine Kunsthochschule und begeisterte sich für Football. Es folgten erste literarische Versuche und das Studium der englischen Sprache.

Schon auf dem College nutzte er das Pseudonym Dr. Theophrastus Seuss. Der Grund dafür ist ein kleiner Zwischenfall: Der junge Theodor war im Studium bereits sehr engagiert, unter anderem galt seine Leidenschaft einem studentisches Satiremagazin. Der Dekan seiner Hochschule untersagte Theodore schließlich jegliches gesellschaftliche Engagement auf dem Campus. Der Grund: Er wurde zusammen mit mehreren Kommilitonen beim Konsum von Gin auf seiner Studentenbude erwischt. Es klingt hart, aber das war die Zeit der Prohibition. Der Name Dr. Seuss entstand, damit er seine Arbeit an dem Satiremagazin fortführen konnte, ohne dass die Universitätsverwaltung Wind davon bekam. Obwohl dieses Pseudonym nicht perfekt war – wer wollte, konnte sich seinen Teil denken – wurde Theodors weiteres literarisches Engagement auf dem Campus geduldet und von einigen Hochschullehrern sogar unter der Hand gefördert.

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Als er schließlich an seiner Doktorarbeit saß – noch war sein Karriereziel Hochschullehrer – rieten ihm viele zugeneigte Dozenten, das Englischstudium aufzugeben und eine Karriere als Zeichner und Künstler anzustreben. Bescheidene 25 Dollar Honorar für einen Cartoon in der „Saturday Evening Post“ bewegten ihn schließlich dazu, nach New York zu ziehen. Von nun an galt seine ganze Energie dem Zeichnen.

Der Fuchs in Socken von Dr. Seuss auf amerikanischer Briefmarke von 2006Große Würfe kommen oft zufällig zustande. Dr. Seuss dürfte einen Sinn dafür gehabt haben: Auf der Rückfahrt von einer Europareise inspirierte ihn der Takt des Schiffsmotors zu seinem ersten Kinderbuch:
„And that is a story that no one can beat“
„And to think that I saw it on Mulberry Street.“
Dieses in Reimform aufgebaute Buch wollte zunächst niemand abdrucken. Theodore musste sich mit mehr als zwanzig Absagen abfinden. Aber auch hier wendete sich das Blatt durch Zufall, als er einen Studienkollegen wieder traf, der zu dem Zeitpunkt seine erste Stelle als eine Art Junior-Herausgeber bei Vanguard-Press übernommen hatte und bereit war, es abzudrucken. Die Erzählungen in Reimform sind typisch für die Bücher von Dr. Seuss. Verse, die sich in das Hirn der Leser hämmern, wie der Sound einer Dampfmaschine. Der Hang zum Nonsens erinnert an Dada.

Katze mit Hut von Dr. Seuss auf Briefmarke aus den USA von 1999Weitere bekannte Kinderbücher aus seiner Feder waren „The Cat in the Hat“ vor allem für Leseanfänger. Für das US-amerikanische Publikum ist Dr. Seuss durch diese Texte für zum Kult-Autor geworden. Mit weniger als 250 verschiedenen Wörtern gelang es ihm, packende Erzählungen zu erschaffen, die die Aufmerksamkeit der jungen Leserschaft aufsaugen konnten wie ein Schwamm. Zum Vergleich: Eine gewisse Zeitung mit großen Überschriften nutzt einen Wortschatz von rund 400 bis 750 Wörtern – allerdings ohne den literarischem Anspruch Theodors. Viele Generationen amerikanischer Kinder haben mit den Büchern von Dr. Seuss das Lesen gelernt. Diese Verbreitung sucht auch unter etablierten Autoren ihresgleichen. Damit hat er unumstritten den Rang eines Kinderbuchklassikers erworben.

Sein bekanntestes Werk in Deutschland ist „How the Grinch Stole Christmas“: Die Geschichte eines kleinen grünen Griesgrams, dem das Weihnachtsfest seiner Mitgeschöpfe gehörig ein Dorn im Auge ist. Er schleicht sich schließlich in die Häuser seiner Stadt und lässt nach und nach die Geschenke verschwinden. Der Plan, Weihnachten auf diese Art ins Wasser fallen zu lassen, misslingt. Weihnachten kann man offensichtlich doch nicht in einem Geschäft kaufen. Der Plan, das Fest durch den Diebstahl der Geschenke zu sabotieren, misslingt schließlich. Die Geschichte vom Grinch hat es hierzulande bis in die Englisch-Leistungskurse vieler Gymnasien gebracht. Die Verfilmung aus dem Jahr 2000 spielte 345 Millionen US-Dollar an der Kinokasse ein.

Die Würdigungen, die ihm für sein Schaffen als Autor und Cartoonist zuteil wurden, sind vielfältig. Es seien vielleicht nur die beiden prägnantesten genannt: Der Pulitzer Preis 1984 war die Anerkennung seines Lebenswerks, vor allem die Kinderliteratur betreffend. Die zweite Ehrung, die zu nennen ist, ist ein Stern auf dem Hollywood Walk of Fame. Eine Auszeichnung, die für sich selbst spricht.

Theodor Geisel starb am 24. September 1991 nach langer Krankheit. Aber auch noch viele Jahre nach seinem Tod wird er für sein Schaffen als Dr. Seuss verehrt. Seit 2004 wird der „Theodor Seuss Geisel Award“ für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Literatur für Leseanfänger verliehen. Damit wird seinem Verdienst für die Leseförderung bis heute gedacht.

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Verfasst von: Martin Gloger

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