Die Theologie als Spitze der Erkenntnis

Thomas von Aquin auf Briefmarke der Bundespost von 1974

Zum 700. Todestag Thomas von Aquins gab die Deutsche Bundespost 1974 diese Sondermarke heraus, MiNr. 795.

Denken Sie manchmal darüber nach, ob es einen Gott oder zumindest eine übergeordnete Instanz gibt? Welchen Rang sollte die Religion in unserem Leben haben? Bei diesen Fragen mag man ins Philosophieren kommen. Kennern dieser Thematik wird der Name Thomas von Aquin schon einmal über den Weg gelaufen sein. Er ist ein mittelalterlicher Meisterdenker, der sich mit genau diesen Fragen auseinandergesetzt hat. Thomas von Aquin entstammt der gleichnamigen Adelssippe und wurde um den Neujahrstag 1225 auf Schloss Roccasecca in der Nähe Aquins geboren. Als jüngster Sohn wurde er nach damaliger Sitte in ein Kloster geschickt und diente erstmalig im Alter von fünf Jahren seinem Onkel beim Gottesdienst.

Mit zwanzig Jahren trat er offiziell in einen Dominikanerorden ein. Die Entscheidung für genau diesen Orden entsprach nicht dem Willen der Familie. Seine Mutter ließ ihn schließlich entführen und ein Jahr lang in einem Schloss gefangen halten. Doch Thomas blieb seiner Entscheidung treu. Befreundete Ordensbrüder befreiten ihn schließlich aus seinem Verlies, sodass Thomas seine Studien fortsetzen konnte, unter anderem in Neapel, Köln und Paris. Er entwickelte schließlich ein philosophisches System, das bis heute Relevanz besitzt.

Thomas von Aquin auf Briefmarke aus Franz. Andorra von 1982Thomas von Aquin prägte die Scholastik. Dies war eine philosophische Strömung, die der Untermauerung des christlichen Glaubens durch philosophische Argumente diente. Prominente Begründer dieser Disziplin waren die frühmittelalterlichen Neoplatoniker wie Plotin und der Heilige Augustin. Als „zweite Generation“ der Scholastik im Mittelalter trat eine durch Thomas geprägte Schule hervor. Man nennt sie noch heute Thomismus. Dass Philosophie und religiöser Glaube eine enge Symbiose miteinander eingingen, ist der damaligen historischen Situation geschuldet. Antike Philosophen wie Platon und Aristoteles waren in Europa für lange Zeit in Vergessenheit geraten, durch den kulturellen Austausch mit dem Morgenland kamen die Schriften dieser Köpfe nach Europa zurück und regten so vielfältiges Denken an.

Thomas von Aquin auf italienischer Briefmarke von 1974 Thomas von Aquin war nicht der einzige große Geist, der sich mit der antiken Philosophie aus religiöser Motivation auseinandersetzte. Später sollte sich auch Martin Luther als junger Dozent eingehend der Ethik des Aristoteles widmen. Das Vorhaben, Religion durch Philosophie auf ein Fundament stellen zu wollen, mutet zunächst etwas wunderlich an, schließlich waren die ersten Philosophen angetreten, den Mythos zu kritisieren, allein durch Prüfung der Argumente und der ergebnisoffenen Nutzung der eigenen Vernunft. Allerdings muss man einräumen, dass dieser Gegensatz von Mythos und Vernunft nicht immer ganz klar und eindeutig ist. Gerade wenn man ein Problem mit Vernunft lösen will, geht die Sache gerne mal nach hinten los. Man denke z.B. an die Bürokratie.

Thomas von Aquin starb am 7. März 1274 in Fossanova. Sein philosophisches Vermächtnis umfasst mehrere in jeder Hinsicht gewichtige Bände. Es gehörte fundamental zum Denken Aquins, dass die Theologie eine wesentliche Stellung unter den Wissenschaften haben sollte. Sein Magnus Opus nannte er folgerichtig die Spitze der Theologie, auf Latein: „Summa Theologiae“. Dieses Buch ist bis heute die offizielle Philosophie der katholischen Kirche. Thomas von Aquin wird in der katholischen Kirche als Heiliger verehrt. Am 28. Januar gedenkt man dem Heiligen Thomas.

Philosophie und Religion haben sich im Laufe des Aufklärungsprozesses mehr und mehr voneinander abgespalten. An katholisch geprägten Universitäten gibt es jedoch nach wie vor Lehrstühle für christliche Philosophie, die nach wie vor in der scholastischen Tradition arbeiten. In der gegenwärtigen philosophischen Arbeit hat Scholastik jedoch einen eher marginalen Einfluss.

Geradezu auf den Kopf gestellt wird die philosophischen Lehre von der Theologie an der Spitze der Wissenschaften durch die Formulierung des Positivismus nach Auguste Comte. In seinen drei Stadien der Erkenntnis folgt auf die theologische Phase eine des metaphysischen Spekulierens. Hierzu gehören Fragen nach „dem Guten, Wahren, Schönen“. Die Spitze der Erkenntnis wird nach Comtes Vorstellung schließlich in einem positivistischen Zeitalter erreicht. Erkenntnisse durch nachvollziehbare Erfahrungen und messbare Ergebnisse sind das Ideal des Positivismus. Das ist der Grundstein für den Rationalismus der modernen Welt.

Thomas von Aquin auf Briefmarken des Vatikan


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Verfasst von: Martin Gloger

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